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1. Aktualisierung  -  Oktober 2006 

 

Im Schuljahr 1998/99 fanden mehrere bauliche und technische Veränderungen statt. So wurden zunächst in den Herbstferien in den Klassenräumen der beiden 1. Klassen die Fenster erneuert, was erhebliche Einsparungen der Wärmeenergie zur Folge hatte. Außerdem wurde das Schulleiterzimmer renoviert und die elektrische Pausen- und Alarmanlage, die schon seit Jahren unangenehme Gerüche verbreitet hatte, in einen Nebenraum der Pausenhalle verlegt.

Auch beim Mobiliar in den Klassenräumen waren Veränderungen notwendig. Da bei der Anschaffung der neuen Stühle und Tische vor einigen Jahren das Wachstum der Schülerinnen und Schüler offenbar nicht richtig eingeschätzt worden war, saßen inzwischen viele Kinder auf bzw. vor nicht körpergerechten Möbeln. Aus diesem Grunde wurden verstellbare Tisch- und Stuhlbeine nachbestellt, um so angemessene Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Verbessert wurden auch die Nutzungsmöglichkeiten in der Turnhalle. Nach etlichen Verzögerungen konnte am 14. 03. 1999 endlich die Einweihung des Mehrzweckraumes gefeiert werden. Zwar wurde dieser von der Grundschule nicht benötigt, konnte aber nun morgens vom Sportverein genutzt werden, dem die Turnhalle vormittags nicht zur Verfügung stand, da diese meistens durch schulische Veranstaltungen belegt war.

Länger als erwartet dauerten in der Turnhalle auch die Umbauarbeiten an der Heizungsanlage, die nötig geworden waren, da das Freibad von der gemeinsamen Anlage abgekoppelt wurde und künftig durch eine Solaranlage beheizt werden sollte. Dass der Sportverein wochenlang kein warmes Wasser zum Duschen hatte, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Fortschritte gab es dafür im Bereich der Technik. So wurde im Januar 1999 die alte Telefonanlage ausgebaut und stattdessen eine ISDN-Anlage installiert. Das hatte den Vorteil, dass der Schule jetzt zwei Telefonleitungen parallel zur Verfügung standen und so beispielsweise im Notfall auch aus der Turnhalle sofort Hilfe angefordert werden konnte.

Innerhalb weniger Monate vervielfachte sich dann die Anzahl der vorhandenen Computer. Nachdem bisher Sekretärin Friedlinde Runge einzige Bedienerin eines derartigen Arbeitsgerätes war, bewilligte der Schulträger dem Schulleiter für sein Dienstzimmer einen komfortablen Computer mit 17-Zoll-Monitor. Der Prozessor mit 350 MHz und ein Arbeitsspeicher von 32 MB waren zu jener Zeit Standardausstattung, werden aber auf Grund der rasanten Entwicklung in der Computertechnologie beim interessierten Leser in einigen Jahren nur noch ein mitleidiges Lächeln hervorrufen.

Da die Samtgemeinde Beverstedt zum Jahreswechsel 1998/99 einen Teil ihrer alten Computer durch schnellere Rechner ersetzt hatte, gelang es dem Schreiber dieser Chronik eines dieser Geräte für das Kollegium der Grundschule „abzustauben“. Der Computer wurde im Büro der Konrektorin aufgebaut und stand so allen Lehrkräften in den Freistunden oder nach Unterrichtsschluss zur Verfügung. Als dann auch noch der Vater eines Schülers einen PC stiftete, wurde dieser den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt und insbesondere zum Erstellen der Schülerzeitung genutzt.

Der preiswerte Erwerb einer Office-Lizenz als Schulversion weckte im Kollegium weiteres Interesse am Umgang mit dem Computer, sodass dann sogar beschlossen wurde, ein Zeugnisprogramm anzuschaffen, um künftig die Zeugnisse maschinell erstellen zu können. Das wiederum erforderte die Anschaffung eines Laserdruckers, um die Echtheit der Dokumente zu gewährleisten. Einen Anschluss ans Internet und den damit verbundenen Zugang zum „world wide web“ wollte der Schulträger allerdings zunächst noch nicht finanzieren.

Für den ehemaligen Hausmeister Werner Walzer hingegen wurde die Uhr zurückgedreht. Sein Rentenantrag war rückwirkend genehmigt worden, so dass Herr Walzer am 06. 05. 1999 im Beverstedter Rathaus offiziell verabschiedet wurde. Das hatte zur Folge, dass Horst Wranke, der bisher nur einen befristeten Arbeitsvertrag als Hausmeister hatte, nun fest eingestellt wurde. Aus Kostengründen erhielt er jedoch leider keine Vollzeitstelle, was allerdings bedeutete, dass er weiterhin im Schwimmbad als Bademeister tätig sein konnte – eine Situation, die der Schule in den Sommermonaten natürlich zugutekam.

Unbezahlte Mehrarbeit in unterschiedlicher Höhe kam auf die Lehrkräfte an allgemein bildenden Schulen durch das sog. Arbeitszeitkonto zu. Ab Schuljahresbeginn mussten alle voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer bis zum Ende des Schuljahres, in dem sie das 50. Lebensjahr vollenden, längstens für zehn Schuljahre, wöchentlich eine zusätzliche Unterrichtsstunde erteilen. Mit Beginn des Schuljahres 1999/2000 wurde das Arbeitszeitkonto für Lehrkräfte an Hauptschulen und Orientierungsstufen auf 1,5 Stunden und für Lehrkräfte an Sonderschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und berufsbildenden Schulen sogar auf 2 Stunden ausgedehnt. Die angesparten Stunden werden gesammelt und führen dann später in einer Ausgleichsphase zu einer Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung.

Zentrales Thema der Arbeit im Schulelternrat war im Schuljahr 98/99 die Beibehaltung der „Vollen Halbtagsgrundschule“ bzw. das Bestreben, die Einführung der „Verlässlichen Grundschule“ zu verhindern. Die Absicht, künftig „pädagogisch interessierte Personen“ für Betreuungsstunden und im Vertretungsunterricht einzusetzen, führte dazu, dass eine Elterninitiative entstand, die eine Vielzahl von Unterschriften sammelte und dann eine Petition an den Landtagspräsidenten und ehemaligen Kultusminister Rolf Wernstedt schickte.

Unter Beteiligung von Regierungsschuldirektor Tebbenhoff fand außerdem am 7. Januar 1999 in der überfüllten Pausenhalle eine Vollversammlung der Schulelternschaft statt, in der beschlossen wurde, einen Bus zu chartern, um am 15. Januar 1999 an der Landeskonferenz des Forums Volle Halbtagsschulen in Nienburg teilzunehmen. Einen Monat später, am 13. Februar 1999, beteiligte sich dann eine Delegation unserer Schule an der Sternfahrt nach Hannover, wo eine zentrale Demonstration durchgeführt wurde.

Abschluss der lokalen Protestaktionen war schließlich das Anbringen mehrerer Transparente an den Ortseingängen von Lunestedt und vor der Schule. Zwar konnte die Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper nicht von ihren Plänen abgebracht werden, die „Verlässliche Grundschule landesweit einzuführen, aber zumindest wurde den „Vollen Halbtagsgrundschulen“ ein Bestandsschutz für die nächsten fünf Jahre zugesagt.

Freudige Gesichter gab es, als die Schülerinnen und Schüler kurz vor den Sommerferien auf dem Hartplatz vor der Turnhalle plötzlich eine wetterfeste Basketballanlage erblickten. Detlef Brünjes von der Firma Hoth hatte das Zielbrett und den Basketballkorb finanziert, während Friedrich Steffens die in seiner Stahlbaufirma hergestellte Säule stiftete. Da die beiden Sponsoren auch noch einen Basketball zur Einweihung mitbrachten, nutzten die begeisterten Kinder sofort die Gelegenheit, ihr im Sportunterricht erworbenes Können unter Beweis zu stellen.

Mit 100 Jungen und 104 Mädchen wurde im Schuljahr 1999/2000 nach vielen Jahren erstmals wieder die Grenze von 200 Schülerinnen und Schülern überschritten. Da es – wie schon so oft – gleich zu Schuljahresbeginn erhebliche Probleme in der Lehrerversorgung gab und die Unterrichtsversorgung bis auf einen Wert von knapp 90 Prozent fiel, musste bis Anfang Dezember ein Teil der Unterrichtsstunden gestrichen werden.

Zuwachs bekam dafür die „Eichhörnchen“-Redaktion. Nachdem die Mitarbeiter unserer Schülerzeitung im Film- und Fernsehraum ihren Redaktionsraum eingerichtet hatten, wurde die technische Ausrüstung erheblich erweitert. Dank einer Spende der Firma Kellogg, die im Oktober zehn Computer und drei Drucker ausgemustert hatte, hatten nun alle „Eichhörnchen“-Redakteure einen eigenen Arbeitsplatz. Als die Bremer Landesbank Anfang April sieben weitere Computer und zwei Laserdrucker zur Verfügung stellte, konnte sogar ein Rechner in jeden Klassenraum gestellt werden. Ende Juni richtete dann die Telekom noch einen kostenlosen Internetzugang ein, so dass unsere Schülerzeitungsredaktion plötzlich über ganz neue Möglichkeiten verfügte, was sich auch schon sehr bald am zunehmenden Umfang des „Eichhörnchens“ zeigte.

Inzwischen hatte übrigens auch der Schulträger die Vorteile eines Internetanschlusses erkannt und deshalb kurz vor Weihnachten den Zugang zum „Daten-Highway“ ermöglicht. Unter der Adresse “grundschule-lunestedt@beverstedt.de“ war es nun endlich möglich, aktuelle Informationen zu besorgen oder Nachrichten auszutauschen.

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk hielt auch das Kultusministerium bereit. Die Osterferien wurden um zwei Tage gekürzt und dafür wurden zum Ende des 1. Schulhalbjahres zwei sogenannte Präsenztage eingeführt. Während sich die Schülerinnen und Schüler über zwei Tage Winterferien freuen durften, verbrachten die Lehrkräfte diese Zeit in der Schule, um eine schulinterne Lehrerfortbildung durchzuführen. Damit aber nicht genug. Auch die letzten drei Tage der Sommerferien wurden zu Präsenztagen erklärt, in denen Dienstbesprechungen und „Gemeinschaftsveranstaltungen“ durchgeführt werden sollten.

Kurz vor den Osterferien wurde mit der Sanierung der kleinen Pausenhalle begonnen. Die alte Eingangstür und die Einfachverglasungen wurden herausgerissen und durch Isolierverglasungen ersetzt. Da die Fenster nicht mehr bis auf den Fußboden reichten, sondern auf einem Steinsockel endeten und zudem die Heizkörper ebenfalls erneuert wurden, konnte weitere Wärmeenergie eingespart werden. Verstärkt wurde dieser Effekt noch durch einen gemauerten Windfang, der auch rein optisch gefiel. Ebenfalls ersetzt wurde die Tür zum kleinen Pausenhof.

Bei einem gemeinsamen Rundgang mit Ulf Voigts, dem Geschäftsbereichsleiter der Samtgemeinde, wurden dann auch gleich weitere Umbau- und Renovierungsmaßnahmen für die nähere Zukunft erörtert: Erneuerung der restlichen Fenster, Umbau des Mehrzweckraumes, Einrichtung eines Musikraumes, Erweiterung der Bücherei und der mögliche Anbau von Gruppenräumen.

Nachdem Heidrun Servos bereits seit der Beendigung ihrer Kur im Herbst 1999 keinen Unterricht mehr erteilt hatte, wurde sie Ende April offiziell in den Ruhestand versetzt. Dies war Grund genug, um am 11. Mai 2000 in ihrem Haus in Wittstedt eine zünftige Abschiedsfeier zu veranstalten. Neben der obligatorischen Urkunde und diversen Geschenken gab es vom Kollegium noch einen “Unruhestandssong“, den Kollege Uwe Czybulka getextet hatte.

Nur einen Tag nach der Verabschiedung von Heidrun Servos stand schon wieder eine Feier auf dem Programm. Diesmal war es Sekretärin Friedlinde Runge, die einen Grund zum Feiern hatte. Seit 10 Jahren arbeitete sie an unserer Schule – umsichtig und zuverlässig – und dafür erhielt sie nicht nur vom Schulträger eine Urkunde.

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          von links: Dieter Henken, Ulf Voigts, Friedlinde Runge, Guido Dieckmann


Am 23. Juni  fiel der Startschuss für die “Klasse 2000“, ein Programm zur Drogen-Prävention, das in den ersten Klassen beginnt und über vier Jahre läuft. Dank der Spenden der Firma Gehr aus Lunestedt und des Lions-Club Wesermünde war die Finanzierung für die Klassen 1a und 1b gesichert. Bei der Aktion, die sowohl von externen Beratern als auch von den Lehrkräften durchgeführt wird, werden in jedem Schuljahr andere Schwerpunkte gesetzt. Während es anfangs um gesunde Ernährung und die Vorteile von Sport und Bewegung geht, lernen die Kinder später Entspannungstechniken und den Umgang mit Konflikten.

Ein Urgestein der Lunestedter Grundschule hatte am 12. Juli 2000 den letzten Arbeitstag. Obwohl Frauke Mertens das offizielle Pensionsalter noch nicht erreicht hatte, verabschiedete sie sich vom Kollegium, um einen mehrjährigen Urlaub anzutreten, an den dann nahtlos die Pensionierung anknüpfen sollte. Finanzielle Unabhängigkeit und der Wunsch noch viele Reisen zu unternehmen, waren Grund genug für sie, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben.

Nach dem Ausscheiden von Heidrun Servos und Frauke Mertens hatte die Bezirksregierung für das Schuljahr 2000/01 zwei neue Stellen bewilligt, wobei es sich in einem Falle sogar um eine sog. „Schulstelle“ handelte – das Kollegium also nach einer Vorauswahl einen Vorschlag zur Stellenbesetzung abgeben konnte.

Hierbei fiel die Wahl auf Frauke Wöltjen aus Bremen, die dort viele Jahre an einer Waldorfschule unterrichtet hatte und somit eine Menge neuer Ideen und Anregungen mitbrachte. Da sie zudem noch ausgebildete Werklehrerin war, konnte dieser Fachbereich endlich wieder kompetent besetzt werden.

Eine bauliche Veränderung der besonderen Art entstand am Eingangsbereich unserer Schule. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften wurden vor der großen Pausenhalle zwei Sitzbänke hergestellt. Die AG „Mauern“ unter Leitung von Frauke Wöltjen musste zunächst etliche Pflastersteine entfernen, um anschließend ein tiefes Loch graben zu können, das für das Fundament benötigt wurde. Unter Mithilfe von Arnold Hess, dem Großvater eines Schülers, wurde dann Stein auf Stein gemauert, bis das „Meisterwerk“ schließlich mit einem massiven Holzbrett vollendet werden konnte.

Für viel Aufregung sorgte die geplante Abschaffung der Orientierungsstufe, da diese auch erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit in der Grundschule hätte. Die Schullaufbahnempfehlung wieder in die Grundschulen zu verlegen, würde bedeuten, das Rad der Zeit um 25 Jahre zurückzudrehen. Nicht nur die Prognosesicherheit würde darunter leiden, sondern auch der Leistungsdruck auf die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen würde erheblich steigen. Lehrerinnen und Lehrer hätten kaum noch Zeit, sich um schwache oder langsame Kinder und deren Probleme zu kümmern, da es nur noch darum ginge, das Stoffpensum zu bewältigen.

Aus diesen Gründen wurde eine große Unterschriftenaktion gestartet, um die Landesregierung von ihren Plänen abzubringen. Zudem wurde massiv Aufklärungsarbeit betrieben, die ihren Höhepunkt in einer großen Podiumsdiskussion im Beverstedter Schulzentrum fand. Ministerialrat Lindner (als Vertreter des Kultusministeriums), Astrid Vockert (CDU), Silvia Seeger (SPD), Brigitte Litfin (Grüne), Annegret Sloot (GEW), Gabriele Hellmold (Elternvertreterin), Ellin Nickelsen (OS Beverstedt) und Dieter Henken (GS Lunestedt) diskutierten mit mehr als 300 Zuhörern über Perspektiven und mögliche Konsequenzen. Neben den oben angeführten Argumenten wurde vor allem die Sorge geäußert, dass sich das Leistungsgefälle zwischen Stadt und Land wieder verstärken werde, denn gerade durch die Einführung der OS war es gelungen, auf dem flachen Land den Anteil der Gymnasiasten zu erhöhen. Nach einer teilweise hitzigen Diskussion nahm Ministerialrat Lindner, der selbst ein Befürworter der Orientierungsstufe war, am späten Abend ein deutliches Signal pro OS mit nach Hannover.

Nachdem das gesamte Kollegium sich während der Präsenztage am Ende der Sommerferien bereits Gedanken über die weitere Schulentwicklung gemacht hatte, traf sich am 4. September eine Arbeitsgruppe, um die Vorstellungen zu konkretisieren und diese dann am folgenden Tag mit Architekt Werner Kunz und Ulf Voigts als Vertreter des Schulträgers zu diskutieren. Als vorrangige Notwendigkeit wurde die Sanierung der Heizungsanlage und der Fenster angesehen, aber auch die Umwidmung von Fach- und Klassenräumen sowie die Erneuerung des Sanitärbereiches wurden in Betracht gezogen. Als Traumziel wurde ein Anbau gesetzt, der nicht nur Platz für zusätzliche Differenzierungsmaßnahmen schaffen würde, sondern auch eine vergrößerte Bücherei beherbergen könnte.

Auch wenn es so aussah, als würde das Kultusministerium sein „Versprechen“ wahr machen, die Verlässliche Grundschule bis zum Jahr 2003 flächendeckend einzuführen, so trafen sich trotzdem die Schulleitungen der Vollen Halbtagsgrundschulen Mitte September in Beverstedt, um über weitere Maßnahmen im Überlebenskampf zu beraten. Nach langer Diskussion wurde beschlossen, einen der beiden Präsenztage nach den Halbjahreszeugnissen zu nutzen, um eine öffentliche Selbstdarstellung zu betreiben. Die Grundschule in Nordholz wurde als Treffpunkt für eine Fortbildungsveranstaltung der Kollegien der Vollen Halbtagsgrundschulen im Landkreis Cuxhaven ausgewählt.

Am 29. Januar 2001 fand dann in acht Arbeitsgruppen ein Austausch über methodische Vorgehensweisen, pädagogische Konzepte und Erfahrungen im Umgang mit bestimmten Arbeitsmaterialien statt. Ziel der Veranstaltung war es, in der Öffentlichkeit auf die Arbeit der Vollen Halbtagsgrundschulen aufmerksam zu machen. Dazu diente auch eine „Wanderausstellung“, die auf Stellwänden Einblick in die Entwicklung, die Ziele und die Arbeitsweisen der VHGS gab. Anschließend fand dann noch eine große Diskussionsrunde statt, in der die geplante Schulstrukturreform kritisch hinterfragt wurde, wobei insbesondere die Diskussion um die Abschaffung der Orientierungsstufe im Mittelpunkt stand.

Dass auch Dritt- und Viertklässler schon einen Beitrag zur Dorfentwicklungsplanung leisten können, haben die Schülerinnen und Schüler der GS Lunestedt im Februar 2001 bewiesen. Nicht nur während des Unterrichts, sondern auch in ihrer Freizeit  hatten sie sich zwei Wochen lang im Ort Informationen und Eindrücke gesammelt, Fotos gemacht und ihre Wünsche und Visionen in Tabellen und auf Bildern dargestellt. Am Ende erhielten Bürgermeisterin Linda Woltmann und Ortsplaner Norbert Seidel einen dicken Ordner voller Anregungen. Parallel dazu wurden die Ergebnisse der vierzehntägigen Arbeit in einer Ausstellung in der großen Pausenhalle für die Öffentlichkeit dokumentiert.

Am 01. März 2001 konnte erneut ein Dienstjubiläum gefeiert werden. Gisela Stamann, die seit 10 Jahren zum Reinigungspersonal der Grundschule gehörte und nicht nur das „Putzkommando“ leitete, sondern auch als Vertreterin der Mitarbeiter der Gesamtkonferenz angehörte, wurde von Ulf Voigts als Vertreter des Schulträgers für treue Dienste geehrt.

Konkrete Gestalt nahm inzwischen die Planung für die Sanierungsmaßnahmen an. Nachdem Architekt Werner Kunz seine Zeichnungen vorgelegt hatte, wurde im Arbeitskreis, dem neben den Vertretern der politischen Parteien und einigen Ingenieuren auch eine Gruppe des Kollegiums angehörte, die Feinabstimmung vorgenommen. Die aus der Lehrerschaft eingebrachten Vorschläge zur Umwidmung einiger Fach- bzw. Klassenräume wurden ebenso akzeptiert, wie der Wunsch nach einem Anbau zur Schaffung zusätzlicher Differenzierungsräume und einer Erweiterung der Bibliothek. Offen blieb allerdings die Frage der Finanzierung.

Im Mai 2001 war es dann Gerold Oltmer, der ein Dienstjubiläum feiern durfte. Er erhielt von seinem Dienstherrn eine Urkunde, mit der sich die Bezirksregierung Lüneburg für 40 Jahre gewissenhafte Diensterfüllung bedankte.

Da sich die Samtgemeinde Beverstedt nach zähen Verhandlungen dazu durchgerungen hatte, insgesamt 370.000 DM für Sanierungsarbeiten bereitzustellen, konnte gleich am ersten Tag der Sommerferien mit den Arbeiten begonnen werden, zumal den Firmen nur fünf Wochen zur Verfügung standen, um die Fenster im Pausengang, im Sanitärbereich, im Treppenhaus, im Werkraum, im Textilraum und in der Küche auszutauschen. Weil die Heizungsanlage unter ständigem Wasserverlust litt, wurden etliche Rohrleitungen neu verlegt und außerdem fanden am Verblendmauerwerk, unter dem Spitzboden und am Pultdach Maßnahmen zur Wärmedämmung statt. Es wurden neue Elektroleitungen verlegt, Deckenleuchten in der Pausenhalle und in einigen Räumen ausgewechselt und schließlich musste der Maler dafür sorgen, dass alles wieder ordentlich aussah.

Eklatante Probleme in der Unterrichtsversorgung waren kennzeichnend für die ersten Monate im Schuljahr 2001/02. Nach einem Start mit einer statistischen Versorgung von 95 Prozent ging es bis zum Spätherbst abwärts auf einen Tiefststand von 80,3 Prozent. Der ständige Wechsel von Vertretungslehrkräften, die aus den umliegenden Grundschulen abgeordnet wurden, veranlasste einen Schüler zu der Formulierung: „Bin mal gespannt, welchen Namen wir uns heute merken müssen.“ Ein Kollege, der eigentlich zum 1. Februar seinen Dienst an der GS Beverstedt aufnehmen sollte, wurde dann zum Retter in der Not. Er wurde für ein halbes Jahr in Lunestedt „geparkt“, sodass zumindest für das 2. Halbjahr eine reguläre Unterrichtsversorgung gewährleistet war.

Mit Beginn des neuen Schuljahres nahm auch unsere neue Sekretärin, Sylvia Dietrich aus Driftsethe, ihren Dienst auf. Sie hatte das Glück, dass sie noch drei Wochen lang von ihrer Vorgängerin eingearbeitet werden konnte, da Friedlinde Runge erst zum 31. August in den verdienten Ru­hestand gehen wollte. Diese großzügige Regelung des Schulträgers führte dazu, dass der Wechsel äußerst reibungslos vonstattenging.

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hinten, v. l. n. r.: F. Wöltjen, M. Krebsfänger, G. Oltmer, E. Stehling, K. Schwandt
vorne: U. Czybulka, G. Ruschzyk, G. Plesse, M. Hinze, S. Dietrich, D. Henken


Nachdem der Festausschuss mehrmals getagt hatte, konnte Mitte Oktober das 100-jährige Schuljubiläum gefeiert werden. Für unsere Schülerinnen und Schüler dauerte die 100-Jahr-Feier allerdings nicht nur einen Tag, sondern eine ganze Woche. Von Montag bis Freitag (15. - 19. Oktober 2001) fand eine Projektwoche unter dem Thema „Schule damals – Schule heute“ statt. In klassenübergreifenden Gruppen konnte man alte Lieder und Tänze lernen, Texte in Sütterlinschrift gestalten, Spiele aus dem letzten Jahrhundert ausprobieren, an einer historischen Unterrichtsstunde im Schulmuseum in Bremerhaven teilnehmen, Zeitzeugen zu ihrer Schulzeit befragen, ein Märchenbuch gestalten oder im „Handarbeitsunterricht wie früher“ häkeln und stricken. Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für eine Theateraufführung, die dann - ebenso wie die anderen Arbeitser­gebnisse – am Freitag vorgestellt wurden.

Am Sonnabend feierten wir dann den 100. Geburtstag unserer Schule. Um 10.00 Uhr trafen sich alle Kinder und Erwachsenen, um anschlie­ßend mit den in der Projektwoche gebauten Krachinstrumenten einen Umzug durch das Dorf zu veranstalten. Der größte Teil der rund 300 Teilnehmer traf kurz vor 12.00 Uhr an der Turnhalle ein, wo es im Mehrzweckraum zur Stärkung Gulasch- und Erbsensuppe gab.

Um 14.00 Uhr ging es in der großen Pausenhalle mit einer Feier­stunde weiter. Zwischen den zahlreichen Reden wurde zur Auflockerung noch einmal das Theaterstück aus der Projektwoche aufgeführt. Nach den vielen Glückwünschen und Geschenken gab es dann reichlich Kaf­fee und Kuchen. An mehreren Verkaufsständen konnte man T-Shirts mit dem neuen Logo unserer Schule, Geschirrhandtücher mit den Porträts aller Schüler, Lehrer und Mitarbeiter sowie eine aufwendige Festschrift incl. einer ausführlichen Schulchronik erwerben.

Am Nachmittag wurde außerdem ein „Klönschnack“ veranstaltet, wo der langjährige Rektor Klaus Dieckmann mit ehemaligen Lehrkräften einige interessante und unterhaltsame Geschichten aus den letzten Jahrzehnten zum Besten gab.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine historische Ausstellung. In zwei Klassenräumen und mehreren Schaukästen konnten alte Fotos, Hefte, Bücher und anderes mehr betrachtet werden. Besondere Anzie­hungskraft besaßen auch die alten Schulchroniken, in denen ausgiebig geblättert wurde.

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        Konrektorin E. Stehling und Sekretärin S. Dietrich präsentieren das neue Logo


Dank des unermüdlichen Einsatzes vieler Helfer/innen und Dank der überwältigenden Kuchen- und Sachspenden der Eltern sowie der vielen Spenden und Geschenke der Gäste, der Lunestedter Gewerbe­treibenden, der Vereine und Institutionen und einiger anderer, die nicht genannt werden wollten, wurde die Veranstaltung zudem auch noch ein finanzieller Erfolg, der es uns ermöglichte, Sachen anzuschaffen, die in Zeiten leerer Kassen sonst nicht gekauft worden wären und somit auch unseren Schülerinnen und Schülern nicht zugutegekommen wären.

Seit vielen Jahren vehement gefordert, öffnete im Herbst 2001 endlich das Ausbildungsseminar in Cuxhaven (wieder) seine Pforten. Die ange­kündigte Lehreranwärterin, die zum 01. November ihre zweite Ausbil­dungsphase beginnen sollte, erschien allerdings nicht. Offenbar hatte sie es sich anders überlegt. Dafür nahm am 1. Mai 2002 Su­sanne Mayer ihren Dienst auf. Bis zum Schuljahresende durfte sie nur betreuten Unterricht erteilen, d. h. hospitieren oder gelegentlich eine Stunde „unter Aufsicht“ unterrichten. Der eigenverantwortliche Unterricht sollte dann im neuen Schuljahr beginnen.

Eine nicht geplante Baumaßnahme bescherte uns das Unternehmen EWE. Der Energieversorger für das Ems-Weser-Elbe-Gebiet spendierte uns im Vorgriff auf die anstehende 100-Jahr-Feier unserer Schule eine Photovoltaik-Anlage, die Sonnenlicht in Strom umwandelt. Den Umfang der so gewonnenen Energie können unsere Schülerinnen und Schüler zu jeder Zeit auf einem Display im Schulgebäude kontrollie­ren.

Viel Zeit wurde in die Planungen der Sanierungsarbeiten für 2002 investiert. Aus den Berechnungen des Gnarrenburger Architekten Wer­ner Kunz ergaben sich Gesamtkosten in Höhe von 335.400 €. Hinzu kamen noch 40.000 € für die Einrichtung des neuen Werkraumes und des Mehrzweckraumes (Küche/Musik). Da die Vorstellungen des Kollegiums bezüglich der Ausstattung der Räume den finanziellen Rah­men des Schulträgers (s. o.) erheblich überstiegen, bedurfte es etlicher Gespräche, bevor ein tragfähiger Kompromiss erzielt werden konnte.

Nach zweijähriger Diskussionszeit zur Schulreform in Niedersachsen brachte die SPD-Landtagsfraktion am 13. März 2002 eine Schulgesetznovelle in den Landtag ein. Vorausgegangen waren heftige Diskussionen zwischen Regierung und Opposition mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und bildungspolitischen Bankrotterklärungen. Grundlage der Streitigkeiten waren das Gutachten des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung zur Orientierungsstufe und die internationale Vergleichsstudie PISA (Programme for International Student Assessment), bei der die deutschen Schüler relativ schlecht abgeschnitten hatten.

Kern der Schulreform ist die Einführung einer zweijährigen Förderstufe, die an die weiterführenden Schulen angebunden wird. Die Orientierungsstufe als eigenständige Schulform wird abgeschafft. Jede Förderstufe soll ein eigenes Förderkonzept entwickeln, wobei der bereits in der Grundschule für jedes Kind ab Klasse 3 angelegte individuelle Förderplan fortgeschrieben wird und die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Klasse 10 begleitet. Die äußere Fachleistungsdifferenzierung in den Fächern Englisch und Mathematik wird aufgehoben, ebenso die Bildung von Kleinlerngruppen. Dafür wird die Förderstufe mit einer 100-prozentigen Unterrichtsversorgung und zusätzlichen Förderstunden ausgestattet. Die Schuljahrgänge 5 und 6 können an Kooperativen Gesamtschulen, an Kooperativen Haupt- und Realschulen und an Gymnasien geführt werden.

Die Grundschulen erhalten die Möglichkeit, den 1. und 2. Schuljahrgang als Eingangsstufe zu führen, die von einzelnen Schülerinnen und Schülern in einem Schuljahr, von anderen in zwei oder drei Schuljahren durchlaufen werden kann. Damit kann die Grundschule auf die Zurückstellung schulpflichtiger, aber noch nicht schulfähiger Kinder verzichten und einen anderen Weg der Förderung praktizieren.

Die Schuleingangsuntersuchungen finden in Zukunft bereits im Herbst statt, wobei die Schule die deutschen Sprachkenntnisse überprüft. Kinder, die über keine oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, sind verpflichtet, ab dem 1. Februar des Einschulungsjahres an besonderen schulischen Sprachfördermaßnahmen teilzunehmen.

Am Ende der Grundschulzeit entscheiden die Eltern, welche Förderstufe ihr Kind besuchen soll. Dieses Recht kann allerdings durch den Schulträger eingeschränkt werden, indem er Schulbezirke oder Kapazitätsobergrenzen festlegt. Nach Abschluss der 6. Klasse erhalten die Eltern durch die Schule eine Beratung hinsichtlich der weiteren Schullaufbahn ihres Kindes. Die bisherige Schullaufbahnempfehlung und das Eignungsgutachten der Orientierungsstufe entfallen somit in der Förderstufe.

Die Kooperative Haupt- und Realschule wird als neue eigenständige Schulform in das Schulgesetz aufgenommen und umfasst die Jahrgänge 5 bis 10. Der Unterricht soll überwiegend schulzweigspezifisch erteilt werden. Beide Schulzweige sollen eigene Profile entwickeln, aber durch gemeinsame Unterrichtsangebote die Durchlässigkeit und somit einen möglichen Schulformwechsel gewährleisten.

Die Gymnasien und Gesamtschulen werden künftig die Möglichkeit zur Abiturprüfung nach der 12. Klasse als auch – wie bisher – nach dem 13. Jahrgang bieten. Ab Klasse 7 kann eine Profilklasse gebildet werden, mit deren Besuch die Schülerinnen und Schüler das Abitur bereits nach 12 Jahren absolvieren können.

Die Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf soll durch die weitere Entwicklung regionaler Integrationskonzepte im Rahmen des Programms „Lernen unter einem Dach“ ausgeweitet werden. Mittels integrativer Maßnahmen wird angestrebt, möglichst viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in ihrem ursprünglichen Klassenverband zu unterrichten.

Ein wichtiges Ziel besteht auch darin, die Zusammenarbeit der Schulen zu verbessern. Deshalb wird die Schulbehörde in Abstimmung mit dem Schulträger Förderverbünde gründen, denen Grundschulen und weiterführende Schulen einschließlich der Sonderschulen angehören werden. Die Zusammenarbeit wird durch eine Förderverbundkonferenz sichergestellt, wobei das vorrangige Ziel darin besteht, die Kontinuität des individuellen Bildungsganges als auch die Durchlässigkeit zwischen den jeweiligen Schulformen zu gewährleisten.

Um den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, sollen flächendeckend Ganztagsschulen angeboten werden. Ferner ist beabsichtigt, das gymnasiale Angebot auf dem Lande zu verbessern, da es dort zu wenig qualifizierende Abschlüsse für junge Menschen gäbe.

Die internationale Vergleichsstudie PISA hat die Hauptdefizite unserer Bildungspolitik offen gelegt:

  • Problemlösungskompetenz wird nur unzureichend vermittelt, es dominiert reproduzierbares Routinewissen. Die Schülerleistungen im Bereich der Lesekompetenz, Mathematik und Naturwis­senschaf­ten sind im OECD-Vergleich unterdurchschnittlich.

  • Die Fähigkeiten von Kindern aus sozial benachteiligten Familien werden nicht ausreichend gefördert. Es gibt daher einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsabschluss. Begabungspotentiale werden nicht ausgeschöpft.

  • Die deutschen Schulen führen nur 34 Prozent eines Jahrgangs zum Abitur. Wir liegen damit auf Platz 23 von 26 Vergleichsländern der OECD (Organization for Economic Cooperation and Devel­op­ment). Der Durchschnitt liegt bei 57 Prozent. Beim Vergleich der Studienabschlüsse sieht es ähnlich aus: Mit 16 Prozent je Altersjahrgang liegen wir weit unter dem OECD-Durchschnitt von 25 Prozent.


Diese Ergebnisse gelten auch für Niedersachsen. Auch hier ist es nicht gelungen, das Bildungssystem so zu gestalten, dass es dem gesellschaftspolitischen Ziel der Chancengleichheit und den Erfordernissen einer modernen Wissensgesellschaft gerecht werden kann. Da Niedersachsen im internen Vergleich der Bundesländer „nur“ einen guten Mittelplatz belegt, sah sich Ministerpräsident Sigmar Gabriel genötigt, schnelle Veränderungen herbeizuführen. Statt die Ergebnisse der PISA-Studie in Ruhe und mit Besonnenheit zu analysieren, um dann die daraus resultierenden Konsequenzen in die Tat umzusetzen, wurde der Gesetzantrag zur Bildungsreform noch schnell in den Landtag eingebracht und rechtzeitig vor der Landtagswahl verabschiedet.

Zum Schuljahresbeginn 1997/98 war Marianne Krebsfänger aus Bokel von der dortigen Grundschule nach Lunestedt abgeordnet worden und im Herbst 2001 hatte sie dann für alle überraschend aus gesundheitlichen Gründen einen Antrag auf vorzeitige Pensionierung gestellt, dem schon wenige Wochen später stattgegeben wurde. Die offizielle Verabschie­dung, die damals mit Rücksicht auf die angeschlagene Gesundheit ver­schoben werden musste, wurde am 1. Februar 2002 nachgeholt. Im Rahmen eines „Großen Regenbogens“ überbrachten alle Klassen ihre ganz persönlichen Abschiedsgrüße.

Neben Marianne Krebsfänger saß an diesem Morgen Regierungsschuldirektor Karl Tebbenhoff. Auch von ihm mussten wir uns verabschieden. Als der für unsere Schule zuständige Schulaufsichtsbeamte der Bezirksregierung Lüneburg war er immer ein gern gesehener Gast. Für die letzten Jahre seiner dienstlichen Tätigkeit konnte er sich nun „einen Traum erfüllen“ und in die Beratungsagentur wechseln, die für das Qualitätsmanagement der Schulen zuständig ist.

Ein Treffen der Schulleitungen der „Vollen Halbtagsgrundschulen“ aus Wehdel, Midlum, Nordholz, Langen, Beverstedt und Lunestedt fand am 19. Februar 2002 in der Grundschule in Langen statt. Unter dem Motto „Seht her, es gibt uns noch“ sollte geprüft werden, welche Möglichkeiten es gibt, den Erhalt der VHGS über das Jahr 2003 hinaus zu schaffen. Trotz wenig rosiger Aussichten wurde beschlossen, möglichst vor den Landtagswahlen eine Informationsveranstaltung mit Politikern, Elternvertretern und Schulleitungen durchzuführen, um die Vorteile der VHGS im Gegensatz zu den „Verlässlichen Grundschulen“ noch einmal in der Öffentlichkeit darzustellen.

„Ohne engagierte Lehrkräfte kann die Schule der Zukunft nicht gelingen. Sie müssen auch unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen Bildungs- und Erziehungsarbeit für die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler leisten. Wer ihr öffentliches Ansehen bewusst demontiert und sie in ihrer Arbeit demotiviert, der gefährdet auch den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Lehrkräfte können ihre schwierige Aufgabe nur bewältigen, wenn unsere Gesellschaft sich hinter sie stellt, die schwierige Arbeit der Erziehungsberufe positiv begleitet und ihre Auto­ri­tät stärkt.“ Aufgrund dieser Erkenntnis des CDU-Landesvorsitzenden Christian Wulff wollte die niedersächsische Landtagsfraktion 50 besonders engagierte Lehrkräfte exemplarisch würdigen. Da Gudrun Plesse sich schon seit vielen Jahren mit großem Einsatz um unsere Schülerbücherei verdient gemacht hatte, außerdem alljährlich eine Autorenbegegnung organisierte und zudem in jedem Jahr eine große Kinderbuchausstellung durchführte, wurde sie vom Rektor der Grundschule Lunestedt zur Ehrung vorgeschlagen und tatsächlich am 14. Mai in den Festsaal des Alten Rathauses der Landeshauptstadt Hannover eingeladen.

Nur kurz war die Freude zu Beginn des Schuljahres 2002/03 über eine sensationelle Unterrichtsversorgung von 99,8 Prozent. Nach zwei Wochen fielen binnen weniger Tage zwei Kolleginnen langfristig aus, sodass die Lehrerversorgung erneut auf rund 80 Prozent sank. Zum Glück dauerte das organisierte Chaos dieses Mal nur 14 Tage, da eine Lehrkraft vorübergehend aus der Grundschule Loxstedt abgezogen wurde und außerdem Andrea Schulz als „Feuerwehrlehrerin“ eingestellt werden konnte, was aber letztendlich zu einer festen Anstellung führte.

Rund 300.00 Euro – und damit sogar weniger als veranschlagt – wurden ausgegeben, um den 2. Teil der Sanierungsarbeiten und die Umwidmung von je zwei Fach- und Klassenräumen zu ermöglichen. Die ehemalige Küche und der frühere Werkraum erstrahlten in neuem Glanz. Nicht nur, dass die beiden 2. Klassen jetzt einen größeren Klassenraum hatten, auch die frisch gestrichenen Wände, der neue Fußbodenbelag und die neuen Schränke und Regale sorgten für eine angenehme Lernatmosphäre, die Schüler und Lehrer gleichermaßen begeisterte.

Während die prächtige Ausstattung der neuen Küche bei allen Besuchern und Betrachtern ungläubiges Staunen hervorrief, gestaltete sich die Einrichtung des Werkraumes schwieriger als gedacht. Eine Insolvenz, nicht eingehaltene Liefertermine und unvollständige Materiallieferungen führten dazu, dass der reguläre Unterricht erst mit Verspätung aufgenommen werden konnte. Letztlich hatte sich das Warten aber gelohnt, denn nun konnten unsere Schülerinnen und Schüler an Tischen arbeiten, die auch tatsächlich auf Grundschüler abgestimmt und voll funktionsfähig waren.

Besonders zeit- und kostenintensiv waren die Beseitigung der Salpeterschäden im Altbau und die Sanierung der Giebelflächen zur Schulstraße. Nach der „Runderneuerung“ des Kellers konnte dann auch gleich die Umstellung der Heizungsanlage auf Gas erfolgen. Erneuerungen im Sanitärbereich, Wärmedämmungsmaßnahmen und Verbesserungen der Beleuchtung in der Schule und der Turnhalle wurden dank der guten Planung unseres Architekten Werner Kunz ebenso zeitgerecht durchgeführt wie die erforderlichen Malerarbeiten.

Kaum waren die Sanierungs- und Umbauarbeiten abgeschlossen, da liefen schon die Vorbereitungen für eine weitere Baumaßnahme an. Da für die 2., 3. und 4. Klassen nur ein „echter“ Differenzierungsraum vorhanden war, ein Stuhllager für vorübergehend nicht benötigtes Mobiliar gar nicht existierte und die Bücherei zwar viel genutzt wurde, aber leider viel zu klein war, bestand Handlungsbedarf. Nachdem der für Schulen zuständige Sachbearbeiter der Samtgemeinde schon von der Notwendigkeit eines Anbaus überzeugt worden war und Architekt Werner Kunz auch bereits einen Entwurf vorgelegt hatte, ging es nun nur noch um die Bewilligung der benötigten Finanzmittel durch die jeweiligen Ausschüsse der Samtgemeinde.

Abgesehen von der noch ausstehenden Sanierung der Flachdächer, die im Vorjahr verschoben werden musste, und ein paar kleineren Reparaturarbeiten, sollte ein Anbau mit 4 Gruppenräumen erstellt werden. Die ursprüngliche Idee, im Erdgeschoss zwei Differenzierungsräume einzurichten, musste allerdings verworfen werden, da bei den Planungen für das neue Schuljahr noch nicht sicher war, ob zwei oder drei 1. Klassen zu bilden waren. Aus diesem Grunde wurde zunächst ein großer Klassenraum gebaut, der dann später – je nach Bedarf – durch eine Mauer geteilt werden kann. Einer der beiden Gruppenräume im Obergeschoss sollte als Differenzierungsraum genutzt werden, während im anderen die Bücherei ihr neues Domizil finden würde. Die ehemalige Bücherei könnte dann als Stuhllager genutzt werden, das dringend benötigt wurde. Durch die erforderlichen 260.000 € für die 3. Baumaßnahme erhöhte sich die Gesamtsumme  auf einen Finanzierungsrahmen von 750.000 €.

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Bereits am 12. Juni 2003 konnte das Richtfest gefeiert werden. Nachdem die Zimmerleute die Richtkrone am Dachstuhl befestigt hatten, trugen einige Schülerinnen und Schüler Richtfestlieder und -gedichte vor. Anschließend zogen sich dann die Gäste mit den Handwerkern zu Kartoffelsalat und Würstchen zurück.

Nicht umgesetzt wurde die Schulgesetznovelle der SPD-Landesregierung, da es in Niedersachsen zu einem Regierungswechsel kam. Stattdessen gab es eine erneute Gesetzesänderung, die den schönen Namen „Gesetz zur Verbesserung von Bildungsqualität und zur Sicherung von Schulstandorten“ bekam.

Durch das von der CDU und der FDP erarbeitete Papier, wurde die Abkehr von der Orientierungsstufe beschleunigt und die Förderstufe gar nicht erst eingeführt. Bereits zum Beginn des Schuljahres 2004/05 sollten die Hauptschulen, die Realschulen und die Gymnasien jeweils schulformspezifische 5. Klassen eingerichtet haben. So soll die Hauptschule eine „allgemeine Grundbildung“, die Realschule eine „erweiterte Allgemeinbildung“ und das Gymnasium eine „breite und vertiefte Allgemeinbildung“ vermitteln.

Damit beginnt die Lenkung der Schülerströme bereits in der Grundschulzeit. Am Ende der 4. Klasse gibt die Grundschule eine Empfehlung über die für ihre Schülerinnen und Schüler geeignete Schulform ab. Eine gesicherte Schullaufbahnprognose, die bisher von den Lehrkräften der Orientierungsstufe am Ende des 6. Schuljahres abgegeben wurde, sollte somit nun schon zwei Jahre früher erstellt werden. Da ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Leiter der Orientierungsstufe in Beverstedt immer wieder erlebt habe, welch beachtliche Entwicklung die Schülerinnen und Schüler in diesen zwei Jahren machen, war die Sorge der betroffenen Eltern, ihren Kindern könne durch die frühzeitige „Weichenstellung“ die Chance auf einen besseren Schulabschluss genommen werden, durchaus verständlich.

Das Abitur sollte an allen mit Klasse 5 beginnenden Gymnasien nach Klasse 12 abgelegt werden. Dies galt auch für Kooperative Gesamtschulen. An Integrierten Gesamtschulen wurde das Abitur weiterhin nach 13 Schuljahren abgelegt. Für bestehende Gesamtschulen gab es einen unbefristeten Bestandsschutz, neue Gesamtschulen wurden nicht mehr eingerichtet.

Nicht überleben durfte die erst im Sommer geschaffene Kooperative Haupt- und Realschule, mit der Niedersachsen Anschluss an die Entwicklung zur Zweisäuligkeit des Sekundarschulwesens in anderen Bundesländern finden wollte. Die kleine Schwester der Kooperativen Gesamtschule gefährde das wohnortnahe Angebot selbstständiger Haupt- und Realschulen, die in Niedersachsen nach wie vor mehrheitlich vorzufinden seien, hieß es in der Begründung des Gesetzentwurfes.

Veränderungen sollte es auch im Hinblick auf die Ganztagsschule geben. Während die alte Landesregierung zwei verbindliche und bis zu zwei freiwillige Nachmittage favorisierte, wollte die neue Koalitionsregierung nur Nachmittagsunterricht auf freiwilliger Basis anbieten, um so der Vereinbarung von Familie und Beruf gerecht zu werden.

Große Begeisterung löste an unserer Schule die Absicht aus, den wenigen noch bestehenden Vollen Halbtagsgrundschulen eine unbefristete Bestandsgarantie zu geben. Etliche ehemalige VHGSn, die auf die Lockangebote der damaligen Kultusministerin eingegangen waren und in Verlässliche Grundschulen umgewandelt wurden, hatten – im Gegensatz zu uns – zu früh aufgegeben.

Turbulent ging es auf der Sitzung des Schulelternrates im März zu. Zwar sollte das neue Schulgesetz erst zum 1. August 2003 in Kraft treten, da aber die Waldschule Hagen in Beverstedt eine Außenstelle unterhielt und als privates Gymnasium die Möglichkeit besaß, bereits zum neuen Schuljahr eine 5. Klasse einzurichten, herrschte plötzlich große Aufregung.

Die Schulelternräte der Samtgemeinde veranstalteten eine große Fragebogenaktion in allen Grundschulen, um die Meinungen und die Planungen der Eltern zu erfassen. Da die neue Landesregierung versprochen hatte, die Einrichtung von kleinen Gymnasien (ohne Oberstufe) im ländlichen Raum zu erleichtern, wurde nun gefordert, einen gymnasialen Zweig – ggf. als Außenstelle des Gymnasiums Wesermünde – am Schulzentrum in Beverstedt einzurichten, zumal die Waldschule nur über eine begrenzte Aufnahmefähigkeit verfügte und somit der freie Elternwille bei der Schulformwahl nicht voll berücksichtigt werden konnte. Schülerinnen und Schüler, die nicht von der Waldschule aufgenommen werden, aber trotzdem ein Gymnasium besuchen möchten, müssten dann nach Bremerhaven fahren, was für ein zehnjähriges Kind äußerst bedenklich wäre.

Am 3. April 2003 wurde deshalb zeitgleich an den Grundschulen in Beverstedt, Bokel und Lunestedt eine Informationsveranstaltung des jeweiligen Schulelternrates durchgeführt, um die betroffenen Eltern auf die bestehenden Möglichkeiten und Probleme hinzuweisen. Wie groß das Interesse war, lässt sich daraus ablesen, dass nicht nur alle Plätze in unserer Pausenhalle besetzt waren, sondern sogar noch Stühle zusätzlich besorgt werden mussten. Nach einer sehr emotional geführten Diskussion, in der die Unterschiede zwischen einem staatlichen und einem privaten Gymnasium deutlich herausgestellt wurden, sprachen sich die Eltern mehrheitlich dafür aus, die Einrichtung eines gymnasialen Zweiges am Schulzentrum in Beverstedt zu fordern. Außerdem wurde beschlossen, am 24. April nach Cuxhaven zu fahren, um im Kreishaus an der Sitzung des Schulausschusses teilzunehmen und Druck auf die Politiker auszuüben.

Das Ergebnis erfüllte die Erwartungen der Eltern nicht, denn die Außenstelle der Waldschule Hagen blieb das einzige Gymnasium in Beverstedt. Zwar musste sich das Privatgymnasium verpflichten, alle Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, die dies beantragen, aber alle „Waldschüler“ mussten weiterhin Schulgeld bezahlen. Somit gingen im August 2003 erstmals seit vielen Jahren wieder Kinder aus der Grundschule direkt ins Gymnasium über.

Die eigentliche Überraschung des Frühjahres 2003 verbarg sich hinter den Buchstaben IGLU. Nach den peinlichen Ergebnissen der PISA-Studie erschienen zumindest die deutschen Grundschulen in einem völlig anderen Licht. IGLU ist eine Studie der International Association for the Evaluation of Educational Achievement und hat im internationalen Vergleich das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der 4. Jahrgangsstufe getestet. Weltweit beteiligten sich 146.490 Grundschülerinnen und -schüler aus 35 Staaten an der Studie. In Deutschland nahmen alle Bundesländer an dieser Untersuchung teil.

Mit IGLU/E wurden zudem die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich erfasst. Nach zweijähriger Entwicklungszeit für die internationalen Fragebögen und Tests fand von Oktober 2000 bis Januar 2001 eine Voruntersuchung in vier Bundesländern zur Erprobung statt. Als die Auswertung der Ergebnisse und die Vorbereitungen für die eigentliche Erhebung abgeschlossen waren, fand vom 23. April bis 31. Mai 2001 die IGLU-Haupterhebung an 247 Schulen in 16 Bundesländern statt. Nach der Fertigstellung aller Datensätze wurden die Ergebnisse an die internationale Projektleitung (Boston College) weitergegeben.

Die Veröffentlichung der ersten internationalen und nationalen Ergebnisse erfolgte dann im April 2003. Zur großen Freude unserer Bildungspolitiker belegten die Schülerinnen und Schüler der deutschen Grundschulen bei der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) einen Platz im oberen Drittel.

Was vor rund drei Jahren vom größten Teil des Kollegiums noch als kühner Traum angesehen wurde, ist am 25. September 2003 Realität geworden: der Anbau mit einem Klassenraum im Erdgeschoss, der aber durch eine Trennwand in zwei Gruppenräume umgewandelt werden kann, sowie ein weiterer Differenzierungsraum und die neue Bücherei im Obergeschoss konnten kurz nach Beginn des Schuljahres 2003/04 eingeweiht werden.

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Architekt  Kunz überreicht dem Schulleiter den symbolischen Schlüssel   
(v. l. n. r.: D. Henken, U. Voigts, H.-G. Rebien, W. Kunz, C. Götjen, M. Bensen)


Damit hätten die im Jahre 2001 begonnenen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten abgeschlossen werden können, wäre nicht der Brandschutzbeauftragte des Landkreises auf die Idee gekommen, für die neue Küche und den Werkraum in den Herbstferien zusätzliche Brandschutztüren einbauen zu lassen. Damit war zwar die optisch abgestimmte Gestaltung der Pausenhalle wieder hinfällig, aber die Sicherheitsbestimmungen hatten eben Vorrang, wenngleich die Frage blieb, warum dem Landkreis die Bedenken nicht schon ein Jahr früher gekommen waren und somit bei den Umbauarbeiten im Vorjahr hätten berücksichtigt werden können.

Der Freude über die erfolgreichen Baumaßnahmen tat dies aber keinen Abbruch, wobei insbesondere die neue Bücherei besonderen Anklang fand. Da zudem das Flachdach über der Pausenhalle saniert worden war und über dem langen Flur zum Anbau ein Schleppdach künftig das Durchregnen verhindern sollte, hätte aus unserer Dauerbaustelle nun eigentlich wieder eine ganz „normale“ Schule werden können.

Dem war aber nicht so, da sich eine Planungsgruppe bereits mit der Neugestaltung des Außengeländes befasst hatte. Gartenbauingenieur Harald Schäfer, drei Eltern und drei Lehrkräfte berieten – zwischenzeitlich mit einigen politischen Vertretern der Samtgemeinde – über die Erneuerung und Verschönerung der beiden Pausenhöfe. Zunächst wurde beschlossen, aus den zwei mehr oder weniger maroden Schaukelanlagen, die vor weniger als zehn Jahren für viel Geld angeschafft worden waren, zumindest ein noch halbwegs brauchbares Schaukelsechseck zu machen. Außerdem mussten etliche der alten Spielgeräte überarbeitet oder ganz erneuert werden. Die Attraktion des Pausengeländes sollte allerdings ein mehrere Tausend Euro teures Pylonenkarussell werden. Ansonsten wurden viele naturverbundene Angebote auf den Pausenhöfen geplant. Das bereits vorhandene Labyrinth wurde vergrößert, zusätzliche Hecken wurden angepflanzt und dienten dann als Nischen und viele Balanciermöglichkeiten auf Mauern, Felssteinen und Baumstämmen sollten den Bewegungsdrang der Kinder unterstützen. Leider konnten die Arbeiten nicht bis zu den Sommerferien abgeschlossen werden, weil die Arbeiter einer „Sozialmaßnahme“ nur sehr unregelmäßig und dazu noch im Zeitlupentempo gearbeitet haben. So wurde zwar Geld gespart, aber dafür Zeit verschenkt.

Ein echtes Geschenk war hingegen der Umzug des Deutschen Roten Kreuzes, das bisher für seine Tätigkeit einen Raum in unserer Schule genutzt hatte und nun über ein eigenes Domizil verfügte. Der dadurch gewonnene Raum wurde als Film- und Fernsehraum eingerichtet, wodurch künftig Überschneidungen im Computerraum vermieden werden konnten. Außerdem stand nun auch der Brenner für die Tonarbeiten im Ex-DRK-Raum, da der alte Standort nach mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich nicht mehr den Sicherheitsrichtlinien des Landkreises entsprach.

Im September wurde ein gemeinsamer Erlass des Kultusministeriums, des Justizministeriums und des Innenministeriums veröffentlicht, um die Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft zu regeln. Die Schule und die örtlich zuständige Polizeidienststelle wurden verpflichtet, namentlich jeweils eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner zu benennen, um sich dann in regelmäßi­gen Besprechungen, mindestens einmal im Schulhalbjahr, zu treffen. Themen der Prävention, insbesondere von Kriminalität und Gewalt, sol­lten verstärkt Eingang in die verschiedenen Formen der Unterrichtsges­taltung finden.

Als Konsequenz des schlechten Abschneidens bei der PISA-Studie waren Kinder, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichten, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, verpflichtet, ab dem 1. Februar des Einschulungsjahres an besonderen schulischen Sprachfördermaßnahmen teilzunehmen. Das Verfahren zur Feststellung des Sprachstandes, das schon wenige Wochen nach den Sommerferien stattfand, diente dazu, die Deutschkenntnisse der zukünftigen Abc-Schützen zu überprüfen und damit die Entscheidung zu begründen, ob das Kind zur Teilnahme an einer besonderen sprachfördernden Maßnahme verpflichtet wird. Dazu wurden der aktive und der passive Wortschatz des Kindes, das Sprachverständnis und die aktive Sprachstrukturierung überprüft. Die bisherige sprachliche Entwicklung wurde über die Eltern erfragt. Mit Hilfe dieses Screening-Verfahrens konnte nur festgestellt werden, ob das Kind in schulrelevanten Bereichen der sprachlichen Kommunikation einer Förderung bedurfte. In welchen Bereichen diese Förderung erfolgen musste, konnte erst nach einer umfangreicheren und differenzierteren Beobachtung der Sprachentwicklung gesagt werden, die zu Beginn der Fördermaßnahme zu leisten war.

Um Lehrerstunden für die oben genannten Fördermaßnahmen zu gewinnen, wurde den Vollen Halbtagsgrundschulen kurzerhand zum 1. Februar die Vertretungsreserve gestrichen. Da pro Klasse 2 Stunden zur Verfügung standen, gingen auf diese Art und Weise 16 Lehrerstunden verloren, die bisher für Vertretungs- oder Förderunterricht genutzt werden konnten.

Entsprechend explosiv war die Stimmung während der Sitzung des Schulelternrates am 19. Nov. 2003, in der es um die Kürzung der Vertretungsreserve und den Erhalt der Vollen Halbtagsschule ging. Nach einer Diskussion über die zu erwartenden Nachteile der geplanten Einschnitte wurde eine gemeinsame Briefaktion mit den anderen Vollen Halbtagsgrundschulen des Landkreises angeregt. Unterschriftenaktionen und Demonstrationen sollten bis zum 18. Dezember durchgeführt werden, um Einfluss auf die abschließende Entscheidung des Kultusministeriums zu nehmen. So wurden dann klassenweise Briefe per Post und als E-Mail an das Ministerium geschickt und die Kontakte zu den VHGSn in Beverstedt, Wehdel, Langen, Midlum und Nordholz intensiviert.

Weitere Maßnahmen wurden in einer außerordentlichen SER-Sitzung am 8. Dezember beschlossen. Der Schulelternrat unserer Schule verfasste eine Todesanzeige, die im Sonntagsjournal als Beilage verteilt wurde. Außerdem wurde eine große Anzeige aller 6 Vollen Halbtagsgrundschulen des Landkreises Cuxhaven veröffentlicht. In der Folgezeit erregten dann vielfältige Aktionen das Interesse der Öffentlichkeit. Nach Unterrichtsschluss blieben fast alle Kinder länger in der Schule, um gemeinsam mit Eltern und Lehrkräften „Sterne der Hoffnung“ zu basteln und diese anschließend an einem langen Band rund um das Schulgebäude aufzuhängen. In einer weiteren Aktion wurden symbolisch „kleine Brötchen“ gebacken und verteilt. Wenige Tage später fand gemeinsam mit der Grundschule Beverstedt ein Umzug durch das Zentrum der Samtgemeinde statt.

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                  Trotz der vielen Sterne erfüllten sich die Hoffnungen leider nicht


Bis zur letzten Sitzung am 16. März 2004 hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass alle Mühe vergebens gewesen war. Trotz einer einstimmig verabschiedeten Resolution des Samtgemeinderates und zahlreicher Aktionen in ganz Niedersachsen hatte das Kultusministerium seine Pläne unbeirrt in die Tat umgesetzt.

Als Konsequenz aus der bereits erwähnten Pisa-Studie wurde in diesem Schuljahr erstmals in den 3. Klassen eine Vergleichsarbeit im Fach Mathematik geschrieben. Am 25. Mai 2004 um 9.00 Uhr saßen in ganz Niedersachsen alle Schülerinnen und Schüler vor einem identischen Mathetest, den die Schulleitungen bis zum Mittag des Vortages unter Verschluss halten mussten. Da Gudrun Plesse mit ihrer Klasse 3a zu dieser Zeit auf Klassenfahrt war, durften ihre Schülerinnen und Schüler den Test in der Jugendherberge schreiben. Über eine eigens für diesen Anlass erstellte Software, die per Download aus dem Internet besorgt werden musste, wurden die Ergebnisse dem Kultusministerium zugeführt.

Nicht nur die Vergleichsarbeit wurde in diesem Jahr erstmals geschrieben, sondern auch die Ausgabe einer Schullaufbahnempfehlung für die Viertklässler hatte Premiere. Während die Orientierungsstufen unmittelbar vor ihrer Auflösung letztmalig ein Gutachten erstellten, erhielten die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen sowie deren Eltern erstmalig eine Empfehlung für den Wechsel auf eine der weiterführenden Schulen. Auffällig war die Diskrepanz zwischen empfohlener und gewählter Schulform insbesondere bei der Haupt- und der Realschule. Während die Entscheidungen für das Gymnasium nahezu vollständig mit den Empfehlungen übereinstimmten, wurden weitaus mehr Kinder zur Realschule angemeldet als empfohlen. Dementsprechend wollte nur ein vergleichsweise kleiner Anteil die Hauptschule besuchen.


HS


RS


GY


Empfehlung der GS Lunestedt


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13


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Übergangsentscheidung der Eltern


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21


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Noch krasser fielen die Zahlen im städtischen Bereich aus. In Großstädten wie Hannover lag die Zahl der Anmeldungen für das Gymnasium zum Teil bei weit mehr als 60 Prozent, während es für die Hauptschule an einigen Schulen gar keine „Kandidaten“ gab. In Politikerkreisen wurde das Gymnasium deshalb scherzhaft schon als Gesamtschule der Zukunft bezeichnet. Die Einsicht, dass hier übertriebener Ehrgeiz der Eltern auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen wurde, dürfte in einigen Familien vermutlich erst viel zu spät zu finden gewesen sein – sehr zum Leidwesen der betroffenen Schülerinnen und Schüler.

Mindestens seit 1977 wird in Niedersachsen über die Frage gestritten, ob Kinder vom Staat mit Schulbüchern ausgestattet werden sollen oder ob dieses in der Verantwortung der Eltern liegt. Im Jahre 1981 entschied sich die damalige CDU-geführte Landesregierung für die Einführung eines Gutscheinsystems, also für einen einkommensabhängigen Zuschuss zum Erwerb von Lernmitteln. Der Lernmittelgutschein in Höhe von 50,- DM wurde Eltern gewährt, deren Einkommen bei Alleinstehenden 24.000,- DM, bei Elternpaaren 36.000,- DM nicht überstieg. Nach dem Regierungswechsel 1990 legte dann die SPD-geführte Landesregierung ein Stufenmodell zur Einführung der Lernmittelfreiheit vor. Das Hauptargument war, Familien zu entlasten und Kindern einen vom Einkommen unabhängigen Zugang zu allen Schulen zu ermöglichen. Der Vorwurf des „Gießkannenprinzips“ und des außerordentlichen Verwaltungsaufwandes begleitete die Einführung von Anfang an. Seit der Einführung 1991 bis zu ihrer jetzigen Abschaffung am 31. Juli 2004 hat das Land insgesamt 679,14 Millionen DM beziehungsweise 342,13 Millionen Euro für die Lernmittelfreiheit aufgewendet. Ausschlaggebend für die Abschaffung der Lernmittelfreiheit zum Schuljahresende waren aber nicht die o. g. Vorwürfe, sondern die durch die desolate Haushaltslage notwendigen Sparmaßnahmen der CDU-Landesregierung.

Zum Ende des Schuljahres hatten die Eltern jetzt die Wahl, die Lernmittel selbst zu kaufen oder gegen ein Entgelt von der Schule auszuleihen, wobei die Leihgebühr ca. ein Drittel des Neupreises betrug. Damit kam erneut ein großer Verwaltungsaufwand auf die Schulen zu, denn die am Schuljahresende abgegebenen Bücher mussten von den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern genau auf ihre weitere Brauchbarkeit überprüft werden. Danach wurden freundliche Brief an etliche Eltern verschickt, verbunden mit der Bitte, den vollständigen Kaufpreis oder einen Wertminderungsbetrag zu erstatten. Parallel dazu mussten die Kontoauszüge eines eigens für die Lernmittelausleihe eingerichteten Kontos überprüft werden, wobei sich natürlich herausstellte, dass einige Familien, die sich für die Ausleihe angemeldet hatten, unter Gedächtnisschwäche litten und deshalb noch einmal (oder mehrmals) telefonisch zur Zahlung aufgefordert werden mussten.

Nach über vierzig Jahren Schuldienst – die meisten davon an der GS Lunestedt – wurde Gerold Oltmer zum 31. Juli 2004 pensioniert. Nachdem sich alle Schülerinnen und Schüler feierlich von ihm im Rahmen eines „Großen Regenbogens“ verabschiedet hatten, wurde in einer kleinen Feierstunde eine Urkunde der Bezirksregierung Lüneburg für „langjährige gute Arbeit und treue Dienste“ überreicht. Gerold Oltmer hatte im Laufe von mehr als vier Jahrzehnten fast drei Schülergenerationen unterrichtet. Dabei hatte er auch mit viel Engagement und gewohnter Zuverlässigkeit die Tätigkeit des Verkehrsobmannes ausgeübt und beispielsweise mit der „Aktion kleine Füße“ für die Sicherheit der Kinder gesorgt.


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Gerold Oltmer erhält seine „Entlassungspapiere“


Mit 197 Schülerinnen und Schülern begann am 19. August der Unterricht des Schuljahres 2004/05. Die 106 Mädchen und 91 Jungen verteilten sich dabei allerdings erstmals auf 9 Klassen, da der 2. Jahrgang aufgrund der hohen Schülerzahl auf drei Klassenverbände aufgeteilt werden musste. Die durchschnittliche Klassenfrequenz lag bei 22 Schülerinnen und Schülern, wobei die Spanne von 19 bis 26 Kindern reichte.

Aber nicht nur die Schülerzahl hatte sich erhöht. Auch im Hinblick auf die Unterrichtsversorgung gab es einen Anstieg zu verzeichnen. Dieser resultierte aber vorwiegend aus einem geschickten Rechentrick der Landesregierung, die einfach die Berechnungsfaktoren verändert hatte und dadurch aus unseren 95 Prozent vom Vorjahr plötzlich 101 Prozent geworden waren. Für die Öffentlichkeit war dies sicherlich eine erfreuliche Zahl, für die tägliche Arbeit war es aber wenig hilfreich.

Nach den Um- und Anbaumaßnahmen der letzten Jahre sollte im Herbst mit der Umgestaltung der Außenanlagen das Kapitel „Sanierung und Erweiterung unserer Schule“ erst einmal abgeschlossen werden. Nachdem der „Fahrradparkplatz“ bereits vom Pausengelände in den Bereich vor das Schulgebäude zur Schulstraße verlegt worden war und die neuen Spielgeräte vor und in den Sommerferien montiert werden konnten, mussten jetzt nur noch etliche Hecken und ein paar Bäume gepflanzt werden. Dank vieler helfender Hände – und trotz gelegentlicher Regenschauer – war die Arbeit bis zum Nachmittag erledigt. Genießen konnten wir den Anblick allerdings erst im folgenden Jahr, als sich die Natur in voller Pracht entfaltete.

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                          Binnen weniger Stunden wurden 350 Buchenpflanzen gesetzt


Sowohl in der Elternschaft als auch bei den Lokalpolitikern wurde die Frage diskutiert, ob Schülerinnen und Schüler der Samtgemeinde Beverstedt die KGS (Kooperative Gesamtschule) in Hambergen besuchen sollten. Durch die Abschaffung der Orientierungsstufe und die vorgezogene Schullaufbahnentscheidung, die jetzt schon nach der 4. Klasse erfolgte, waren viele Eltern unsicher, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken sollten. Der „Ausweg“, die Gesamtschule in Hambergen zu besuchen, erwies sich dabei als echte Alternative, was allerdings dazu führte, dass die Haupt- und Realschule in Beverstedt einen drastischen Rückgang der Schülerzahlen hinnehmen musste. Aufgrund der großen Entfernung entschieden sich letztendlich zunächst nur vier Familien für den Schulbesuch in Hambergen – in Beverstedt und Bokel waren die Zahlen aber weitaus höher. Da die Zahl der „Abwanderer“ nach Hambergen kontinuierlich zunahm, erwies sich die Mitte der neunziger Jahre gefällte Entscheidung des Landkreises, in Beverstedt keine Gesamtschule einzurichten, nachträglich als Bumerang.

Die Überraschung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als Klaus Dieckmann am 30. Oktober 2004 die Haustür öffnete und einen Kinderchor erblickte. Anlässlich des 70. Geburtstags des ehemaligen Schulleiters der Grundschule hatten Gudrun Plesse und Frauke Wöltjen mit einer Schar einheimischer Schülerinnen und Schüler ein Geburtstagsständchen eingeübt. Selbstverständlich gab es auch noch ein Präsent des Kollegiums, das von der Schulleitung überreicht wurde. Bei einem Gläschen Sekt im Wohnzimmer des „Geburtstagskindes“ wurden dann schon bald Erinnerungen aus der aktiven Zeit ausgegraben und aufgefrischt.

Im Sommer 2004 hatten erstmals 2 Klassen unserer Schule am Schulwettbewerb um das Sportabzeichen teilgenommen. Veranstalter waren das Kultusministerium, der Landessportbund und die Barmer Krankenkasse. Da Gisela Hering, Hans Steckann und Michaela Becker als Mitglieder der Leichtathletikabteilung bereits die Prüfungen im 50- und 800-Meter-Lauf sowie im Weitsprung und Schlagballweitwurf abgenommen hatten, musste nach den Sommerferien nur noch die Schwimmdisziplin absolviert werden. Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 4a und sogar drei Viertel aus der Klasse 4b erfüllten die Anforderungen und erhielten somit ihr Abzeichen.

Eine Veranstaltung der besonderen Art fand am 23. Mai 2005 in der Turnhalle an der Grundschule statt. Im Rahmen der deutsch-litauischen Kulturwoche, die von der Samtgemeinde Beverstedt veranstaltet wurde, faszinierten elf Kinder aus dem Ort Silute mit unbekannten Instrumenten die erstaunten Zuhörer. Nachdem der Lunestedter Schulchor unter Leitung von Andrea Schulz zwei Begrüßungslieder gesungen hatte, führten sechs Mädchen und fünf Jungen in litauischer Tracht ihr Können auf Kankles (einer Art Zither), Birbynes (Blasinstrumenten) und einer Skrabalai (Trommel) vor. Im Anschluss begeisterten dann noch zehn Kinder der Beverstedter Ballettschule das Publikum mit ihrer Leichtigkeit.

Am letzten Freitag vor den Sommerferien fand – wie in jedem Jahr – ein „Großer Regenbogen“ statt. Dieses Mal gab es aber einen ganz besonderen Anlass, denn nach mehr als vierzigjähriger Dienstzeit wurde Gudrun Plesse in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Alle Klassen hatten ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk vorbereitet und natürlich fehlte auch nicht der inzwischen schon fast legendäre Kollegiumschor, der ein Abschiedslied zum Besten gab. Sichtlich ergriffen verabschiedete sich dann unser „Urgestein“ von ihren Schülern und Kollegen sowie den Mitarbeitern der Schule. Nachdem Gudrun Plesse im Rahmen einer kleinen Feierstunde ihre Urkunde erhalten hatte, zog sie eine einfühlsame Bilanz ihres bewegten Lehrerdaseins. Dabei wurde dann auch noch einmal ganz deutlich, mit welch großem Engagement sie ihren Beruf ausgeübt hatte.

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Die "Mutter der Bücherei" wird mit einem bunten Strauß verabschiedet


Im Schuljahr 2005/06 erreichte der Schülerberg seinen Höhepunkt: 203 Schülerinnen und Schüler besuchten zu Schuljahresbeginn unsere Schule, aber im Laufe des Jahres stieg die Zahl sogar noch auf 208 an. Während in der Klasse 3b aufgrund der Drittelung des Jahrgangs nur 16 Kinder im Klassenraum verstreut waren, mussten sich in der Klasse 2b insgesamt 28 Mädchen und Jungen ein freies Plätzchen suchen.

Probleme gab es mal wieder bei der Lehrerversorgung. Da zwei eingeplante Zugänge zu Ferienbeginn aus „personaltechnischen“ Gründen abhanden gekommen waren, herrschte während der Sommerferien hektische Betriebsamkeit. Schon nach wenigen Ferientagen gab uns Mirja Witte von der Haupt- und Realschule Beverstedt ihre Zusage, ein 1. Schuljahr als Klassenlehrerin zu übernehmen. Mit viel Glück und nach zahlreichen Telefonaten konnte dann in der zweiten Ferienhälfte Anne Beneke aus der Nähe von Vechta „an Land gezogen“ werden, so dass doch noch rechtzeitig zu Schuljahresbeginn ein regulärer Stundenplan erstellt werden konnte. Die letzten fehlenden Stunden erhielten wir wieder einmal aus der GS Bokel, wo zwei Kolleginnen mit vier bzw. sieben Stunden zu uns „abgeordnet“ wurden.

So trübe wie das Wetter war auch die Unterrichtsversorgung im Herbst. Zunächst musste eine Kollegin ins Krankenhaus, um sich einer Operation zu unterziehen, der dann auch noch eine Reha-Maßnahme folgte. Eine weitere Klassenlehrerin musste ebenfalls operiert werden und fiel dann bis zum Schuljahresende aus. Während wir den Ausfall der 1. Kollegin mit „Bordmitteln“ kompensieren konnten, wurde im 2. Fall kurzfristig eine „Feuerwehrlehrerin“ eingestellt. Letztere blieb uns aber leider auch nur für wenige Wochen erhalten, da sie zu Beginn des 2. Halbjahres eine „richtige“ Stelle an einer Schule im Wendland erhalten hatte. Als Ersatz für den Ersatz wurde erneut eine „Feuerwehrkraft“ eingestellt. Sie war somit nach 6 Monaten bereits die dritte Klassenlehrerin, an die sich die Kinder gewöhnen mussten.

Ende Mai gab es dann erneut Probleme in der Unterrichtsversorgung. Die Klassenlehrerin der Klasse 3b, die dem Kollegium die freudige Nachricht überbrachte, sich in „anderen Umständen“ zu befinden, hatte leider gesundheitliche Probleme während ihrer Schwangerschaft und konnte deshalb ihren Unterricht nicht mehr erteilen. Da es trotz intensiver Suche nicht gelang, eine arbeitslose Lehrkraft zu finden, musste die Klasse 3b zunächst aufgeteilt werden und später mit der Klasse 3c gemeinsam in einem Raum unterrichtet werden. Kurz vor Schuljahresende wurde dann doch noch mit viel Glück ein „Feuerwehrlehrer“ gefunden, der für fünf Wochen die Funktion des kommissarischen Klassenlehrers übernahm und auch spontan die längst geplante Klassenfahrt durchführte.

Für viel Aufsehen sorgte der Fitnesstest, der im November in diesem Jahr erstmals flächendeckend in ganz Niedersachsen durchgeführt wurde und in den nächsten zwei Jahren wiederholt werden sollte. Ziel des Kultusministeriums war es, den Bewegungsstatus aller Kinder und Jugendlichen der Schuljahrgänge 1 bis 10 zu erfassen. Der organisatorische Aufwand und die Aussagekraft der Übungen gaben Anlass zu heftigen Diskussionen, die bis zu einem Boykottaufruf führten. Letztendlich wurden dann doch rund 750.000 Schülerinnen und Schüler an ca. 3.200 Schulen überprüft. Als schließlich die Daten per Computer an das Ministerium übermittelt werden sollten, brach der Server in Hannover unter der großen Datenmenge zusammen und wurde für mehrere Tage vom Netz genommen. Als er dann endlich wieder für eine „optimierte Dateneingabe“ zur Verfügung stand, folgte binnen weniger Stunden der nächste Absturz, was unter den Lehrkräften erhebliche „Freude“ auslöste.  Wie schon bei der Eingabe der Daten, so gab es auch bei der Auswertung wieder zahlreiche Pannen und Verzögerungen. Außerdem stellte sich heraus, dass einige Schulen die Dateneingabe einfach boykottiert hatten. Die Quintessenz für unsere Schule war die Erkenntnis, dass unsere Schülerinnen und Schüler über mehr Kraft und Ausdauer als der Landesdurchschnitt verfügen, dafür aber Mängel hinsichtlich der Zielgenauigkeit beim Werfen mit einem kleinen Sandsack beheben müssen. Aufgrund der massiven Kritik, die auch nach der Bekanntgabe der „Fitnesslandkarte“ nicht verstummte, sollte die Durchführung des Fitnesstests künftig auf freiwilliger Basis stattfinden.

Geändert wurde der gültige Erlass für die Sprachförderung vor der Einschulung. Die Erziehungsberechtigten melden nun ihre schulpflichtigen Kinder bereits im Mai des Vorjahres in der für sie zuständigen Grundschule an, wo auch die Feststellung der deutschen Sprachkenntnisse erfolgt. Mit Beginn des Schuljahres 2006/07 beginnt dann die Sprachförderung bereits ein Jahr vor der Einschulung, wobei wöchentlich eine Förderstunde pro Kind zur Verfügung steht. Die bisherige Förderung, die erst sechs Monate vor der Einschulung einsetzte und 1,5 Stunden pro Schülerin oder Schüler betrug, hatte sich als zu wenig effektiv erwiesen.

Nachdem das Kabinett bereits am 19. April 2005 beschlossen hatte, die Niedersächsische Schulinspektion mit Sitz in Bad Iburg zu errichten, erschien der offizielle Erlass erst im Mai 2006 im Schulverwaltungsblatt. Die ersten 25 Schulinspektorinnen und -inspektoren waren bereits seit Februar 2006 im Einsatz. Zu ihren Aufgaben gehören die Qualitätsermittlung der einzelnen Schulen sowie die Evaluation verschiedener Bereiche. Durch die Analyse der Stärken und Schwächen soll die Qualität der jeweiligen Schule und der langfristige Verbesserungsbedarf ermittelt werden. Die Bewertung erfolgt auf der Basis eines Qualitätsprofils, das insgesamt 16 Qualitätskriterien und rund 100 Teilkriterien umfasst, die teilweise schulformspezifisch variieren. Der Termin des „Schul-TÜVs“ wird etwa sechs bis acht Wochen vorher angekündigt. Zuvor werden bereits die verfügbaren Daten zur Schule (Ergebnisse bei landesweiten Vergleichstests, Wiederholerquote, Schulprogramm, …) erhoben. Die Inspektion umfasst eine Analyse der Leistungs- und Entwicklungsdaten, unangekündigte Unterrichtsbeobachtungen bei mindestens 50 Prozent der Lehrkräfte, Gespräche mit Eltern, Schüler und Lehrkräften und einen Schulrundgang. Am Ende steht ein Abschlussgespräch, dem nach ca. drei Wochen ein schriftlicher Bericht folgt, in dem die Stärken und Schwächen der Schule detailliert aufgeführt werden.

Stärke bewiesen unsere Schülerinnen und Schüler am 18. Juli 2006. Im Rahmen des alljährlichen Sommerfestes fand die Aktion „Kinder laufen für Kinder“ zugunsten von UNICEF statt. Im Vorfeld des Laufes suchten sich die Läuferinnen und Läufer Sponsoren (Verwandte, Nachbarn etc.), die bereit waren, für jede gelaufene Runde einen festgelegten Geldbetrag zu spenden. Die Gesamtsumme sollte dem Projekt „Schulen für Afrika“ zugutekommen. Das Ergebnis war überwältigend. 458 Sponsoren „durften“ insgesamt mehr als 4.000 Euro spenden. Die Höchstleistung vollbrachte ein Zweitklässler, der es auf 22 Runden gebracht hatte, als er wegen zu großer Hitze sicherheitshalber aus dem Rennen genommen wurde.

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Nach jeder Runde stieg die Spendensumme

 


2. Aktualisierung  -  Oktober 2011

Erneut mit 9 Klassen, aber mit rund 20 Schülerinnen und Schüler weniger als im Vorjahr begann das Schuljahr 2006/07. Dafür gab es jedoch einen Anstieg bei der Unterrichtsversorgung, denn mit 103 Prozent lagen wir deutlich über der magischen 100%-Grenze. Eine Woche vor den Weihnachtsferien verließ uns allerdings die Kollegin Mirja Witte. Da für Ende Januar die Geburt ihres 2. Kindes in Aussicht stand, begann die Mutterschutzfrist und somit wurde eine neue Klassenlehrerin für die 2b benötigt. Während es im letzten Schuljahr noch mehr als schwierig war, eine „Feuerwehrlehrerin“ zu bekommen, hatten wir dieses Mal mehr Glück. Inga Dierkes, die wenige Wochen zuvor an der Grundschule Beverstedt ihre 2. Lehrerprüfung abgelegt hatte, konnte am 18. Dezember ihren Dienst aufnehmen, blieb dann aber leider nur bis Ende Januar 2007 bei uns, da sie wider Erwarten zum 1. Februar eine Beamtenstelle in Oldenburg bekam. Zum Glück gelang es der Landesschulbehörde erneut binnen kurzer Zeit, in Person von Hatice Dardagan eine neue Vertretungslehrkraft zu finden, die dann tatsächlich bis zum Schuljahresende unterrichtete. Bereits im Juli 2000 hatte sich Frauke Mehrtens vom Kollegium verabschiedet. Damals war sie allerdings noch nicht pensioniert worden, sondern hatte sich einfach unter Wegfall der Bezüge für mehrere Jahre beurlauben lassen. Sechseinhalb Jahre später wurde sie nun am 31. 01. 2007 endgültig in den Ruhestand versetzt.

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Wenige Wochen später folgte ihr Monika Hinze. Sie hatte aus gesundheitlichen Gründen bereits seit mehr als einem Jahr keinen Unterricht mehr erteilt. Da die Mühlen der Bürokratie je bekanntlich sehr langsam und gründlich mahlen, dauerte es bis zum März 2007, ehe wir eine weitere langjährige Kollegin unserer Schule mit einem „Großen Regenbogen“ verabschieden konnten.

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Zum Schuljahresende mussten wir uns dann von zwei weiteren Kolleginnen trennen, die allerdings nur kurz an unserer Schule unterrichtet hatten. Der Feuerwehrvertrag von Hatice Dardagan war ebenso ausgelaufen wie die Abordnung von Ulla Pawlik, die zurück an ihre Stammschule nach Loxstedt ging. Bettina Bohlmann, die aus Drangstedt zu uns abgeordnet worden war, durfte hingegen in Lunestedt bleiben, da ihr Versetzungsantrag nach zähem Ringen letztendlich genehmigt wurde. Dass sich Geduld auszahlt, zeigte sich auch im Falle von Anja Koob. Nach drei Schulhalbjahren Tätigkeit als „Feuerwehrlehrerin“ bekam sie nach 18 Monaten Ungewissheit endlich einen „richtigen“ Vertrag und konnte somit nun endgültig an unserer Schule bleiben.

Neben den traditionellen Treffen unter dem Regenbogen gab es auch wieder ein paar außergewöhnliche Veranstaltungen. "Echt klasse!" hieß die für Grundschulen konzipierte Ausstellung zum Thema "Sexueller Missbrauch". Dank der Unterstützung durch die Jugendpflege Beverstedt hatten unsere Schülerinnen und Schüler der Klassen 2 bis 4 am 9. und 10. Oktober 2006 die Möglichkeit, sich spielerisch und handlungsorientiert mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Bei dem Mitmach-Parcours, der aus mehreren Spielstationen bestand, ging es um Berührungen, Gefühle, Geheimnisse, Hilfe holen, den eigenen Körper und das "Ja zum Nein". Dabei konnte man Bilder und Begriffe zuordnen, durch Schlüssellöcher schauen, Klappen öffnen, sich einen schwergewichtigen Sorgenmantel umhängen oder in einer Kiste das Wertvollste auf der Welt entdecken – nämlich das eigene Gesicht im Spiegel. Wer ganz mutig war, steckte seine Hand in einen Fühlkasten oder den Kopf in einen Trichter, um dann ganz laut "Nein!" zu schreien, wodurch ein paar Lampen zum Leuchten gebracht wurden. Ein Informationsabend für Eltern gehörte ebenfalls zum Angebot. Dort gab es nach einem Einführungsreferat die Möglichkeit, sich einen eigenen Eindruck von der Ausstellung zu verschaffen und außerdem Bücher, Filme, CDs und Informationsbroschüren anzusehen, um sich auch für ein Gespräch im Kreise der Familie vorzubereiten. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, unseren Schülerinnen und Schülern Selbstvertrauen und Handlungskompetenz zu vermitteln, um in kritischen Situationen angemessen reagieren zu können.

Ein "Großer Regenbogen" der besonderen Art fand unmittelbar vor den Herbstferien statt. Zunächst gab es wieder einen bunten Reigen an Beiträgen von allen Klassen, aber danach wurde es ganz schnell ruhig, denn Claudia Kaschorek, die im Sommer gemeinsam mit Anne Beneke die Aktion "Kinder laufen für Kinder" organisiert hatte, überreichte Jutta Lücke von UNICEF einen überdimensionalen Scheck. Mehr als 4000 Euro hatten unsere Schülerinnen und Schüler im Sommer durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren erlaufen und davon wurden dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen nun 3664 Euro für eine Schule in Ruanda übergeben. Als Frau Lücke dann erzählte, dass 45 Millionen Kinder in Afrika keine Schule haben, sah man ungläubiges Staunen in den Gesichtern der Zuhörer.

Ein kleines Jubiläum konnten wir im November 2006 feiern, denn zum 25. Mal fand in unserer Schule eine Autorenbegegnung statt, die alljährlich in Zusammenarbeit mit dem Bödecker-Kreis organisiert wird. In diesem Jahr war Karlhans Frank zu Gast, der bereits als Zehnjähriger beschlossen hatte, Schriftsteller zu werden und inzwischen mehr als 100 Bücher veröffentlicht hat. Auch beim Fernsehen ist er kein Unbekannter. So hat er beispielsweise für die „Sendung mit der Maus“ und die „Sesamstraße“ gearbeitet. Samson und Tiffi sind Erfindungen von ihm.

Seit Beginn des 2. Schulhalbjahres hatte unsere Schule einen neuen Untermieter namens Luni. "Luni der Bücherwurm" war ein neues Leseprojekt unserer Schule, dessen Ziel es war, unseren Schülerinnen und Schülern den Spaß am Lesen zu vermitteln. Wie "Luni" dies schafft? - Es funktioniert ganz einfach: Die Kinder haben die Möglichkeit, durch ein Los etwas zu gewinnen. Diese Lose kann man aber nicht kaufen, sondern sie müssen für jedes gelesene Buch "verdient" werden. Die gelesenen Bücher werden den Mitschülerinnen und Mitschülern im Unterricht vorgestellt oder es werden im Internetportal "Antolin" Fragen zu den entsprechenden Büchern beantwortet. Ist nun gesichert, dass ein Buch gelesen wurde, bekommt das Kind ein Bücherwurmlos. Dieses Los wird von der Schülerin oder dem Schüler künstlerisch gestaltet und anschließend an die Lehrkraft zurückgegeben. Am Ende des Leseprojektes kommt es dann zur Ziehung der Lose. Je mehr Bücher gelesen wurden, desto größer ist die Chance, einen Preis zu gewinnen.

Vor einem ganz anderen Hintergrund ist das Projekt „Faustlos“ des Heidelberger Präventionsrates entstanden. Fehlende Empathie und zunehmende Gewaltbereitschaft unter Kindern waren die Auslöser, um dieses Gewaltpräventionskonzept zu erstellen. Spielerisch lernen die Kinder gewaltfrei mit Konflikten umzugehen, wobei soziale Kompetenzen aufgebaut und Aggressionen reduziert werden. Im Januar veranstaltete der Präventionsrat der Samtgemeinde Beverstedt im Rathaus eine ganztägige Fortbildung, an der die Lehrkräfte aus den Grundschulen in Beverstedt, Bokel und Lunestedt teilnahmen, um zu lernen, wie das Programm umgesetzt werden kann. Da sich der Schulträger zudem bereit erklärte, die Kosten für das Unterrichtsmaterial zu übernehmen, konnten die neu erworbenen Kenntnisse schon bald mit Erfolg im Schulalltag eingebracht werden.

Der Februar war dann der Monate der Geschenke. Zunächst überreichten uns die Beverstedter Landfrauen einen Scheck über 500 Euro, der für die zusätzliche Ausstattung unserer Schülerbücherei bestimmt war und wenige Tage später spendete die Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln mehrere Computer, die dort aussortiert worden waren, für den schulischen Gebrauch aber durchaus die notwendige Leistungsfähigkeit mitbrachten.

Zum Thema Computer sollte auch noch erwähnt werden, dass unsere Schule seit dem Herbst 2006 über eine eigene Homepage verfügt. Daniele Draheim und Anja Koob hatten gemeinsam mit ihrem Schulleiter an einer mehrtägigen Fortbildungsveranstaltung teilgenommen, um der interessierten Öffentlichkeit einen Einblick in unser vielfältiges Schulleben zu ermöglichen. Außerdem wird Eltern und Schülern so die Möglichkeit eröffnet, sich kurzfristig über Termine und Sachverhalte zu informieren. Die vielen positiven Einträge im Gästebuch haben uns derartig motiviert, dass aus der ursprünglich geplanten „kleinen Selbstdarstellung“ inzwischen ein riesiger Internetauftritt geworden ist.

Der Geburtenrückgang in der Samtgemeinde Beverstedt machte sich auch im Schuljahr 2007/08 erneut deutlich bemerkbar. Mit 166 Schülerinnen und Schülern lag der Wert erheblich unter dem des Vorjahres. Eine langfristige Prognose wies aus, dass die Grundschule Lunestedt bis zum Jahr 2013 einen Rückgang der Schülerzahlen um 54 Prozent zu erwarten habe, während für Beverstedt und Bokel „nur“ 32 Prozent prognostiziert wurden.

Etwas besser sah es bei der Unterrichtsversorgung aus, denn dort standen den 224 Soll-Stunden doch tatsächlich 224,5 Ist-Stunden gegenüber, was zu einer statistischen Überversorgung von 0,2 Prozent führte. Unterrichtsausfall durch Fortbildungen, Krankheiten usw. war in diesen Zahlen natürlich nicht eingerechnet. Allein der Schulleiter musste in diesem Schuljahr an 12 ganztägigen Qualifizierungsmaßnahmen wegen der Einführung der „Eigenverantwortlichen Schule“ teilnehmen. Der daraus resultierende Vertretungsunterricht tauchte aber in keiner Statistik auf.

Ungewohnt war, dass es im Hinblick auf die Personalsituation erstmals seit mehreren Jahren in den Ferien keine Veränderung gegeben hatte. Traurige Gesichter gab es allerdings am Schuljahresende, denn nach drei Jahren wurde Anne Beneke verabschiedet, die aus familiären Gründen einen Versetzungsantrag in Richtung Vechta gestellt hatte, der mit viel Einsatz und der berühmten Portion Glück dann auch genehmigt wurde.

Als die Sanierung der Turnhalle beschlossen wurde, sollten ursprünglich nur die Glasbausteine ersetzt und der Fußboden etwas ausgebessert werden, doch daraus wurde dann ein Bauvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 350.000 Euro. Die alte Turnhalle erhielt nicht nur ein neues Dach, sondern auch neue Prallschutzwände und Oberlichter sowie einen versiegelten Schwingfußboden. Der Anbau, mit einer Grundfläche von 24 mal 8 Metern, bekam eine ballwurfsichere Glaswand und konnte dadurch als separate Halle oder als Zuschauerraum genutzt werden. Wesentlich zur Realisierung des Anbaus haben die Vereinsmitglieder des TSV Lunestedt beigetragen, die durch Eigenleistungen im Gegenwert von 80.000 Euro die Baukosten erheblich reduzieren konnten.

„Runderneuert“ wurde auch die Schulverwaltung, denn bei der Einführung der bereits erwähnten „Eigenverantwortlichen Schule“ ging es nicht nur darum, den Schulleitungen mehr Flexibilität bei ihren Entscheidungen zu ermöglichen, sondern auch um die Einsparung einer Vielzahl von Stellen im Zuge der Verwaltungsreform und der damit verbundenen Umstrukturierung der Bezirksregierungen sowie der daraus resultierenden Verlagerung von Aufgaben an die Schulen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt war die sog. „Output-Steuerung“, die durch verbindliche Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und Schulinspektionen die Qualität an den Schulen verbessern sollte.

Das neue Schulgesetz verpflichtete jede Schule, ein Schulprogramm zu erarbeiten, in dem Grundsätze festgelegt werden, wie der Bildungsauftrag erfüllt werden soll. „Das Schulprogramm muss darüber Auskunft geben, welches Leitbild und welche Entwicklungsziele die pädagogische Arbeit und die sonstigen Tätigkeiten der Schule bestimmen. Der Zusammensetzung der Schülerschaft und dem regionalen Umfeld ist in dem Schulprogramm und in der Unterrichtsorganisation Rechnung zu tragen. Die Schule beteiligt bei der Entwicklung ihres Schulprogramms den Schulträger und den Träger der Schülerbeförderung sowie die Schulen, mit denen sie zusammenarbeitet. Die Schule überprüft und bewertet jährlich den Erfolg ihrer Arbeit. Sie plant Verbesserungsmaßnahmen und führt diese nach einer von ihr festgelegten Reihenfolge durch. Die Schule bewirtschaftet ein Budget aus Landesmitteln nach näherer Bestimmung im Haushaltsplan des Landes.“ (NSchG, § 32).

Um die Schulleitungen auf diese Aufgabenvielfalt vorzubereiten, wurde vom Kultusministerium angeordnet, dass das NILS (Niedersächsisches Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung) schnellstens eine insgesamt zwölftägige Schulleitungsqualifizierungsmaßnahme (früher hieß das Fortbildung) anzubieten habe, die sich dann fast über ein ganzes Jahr erstreckte.

Durch die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule hatte die Gesamtkonferenz erheblich an Bedeutung verloren. Ihre Mitglieder waren jetzt nur noch für wenige Bereiche zuständig. Viele ehemalige Aufgaben der Gesamtkonferenz und etliche weitere hatte nun der neu eingerichtete Schulvorstand zu erledigen, der damit zum mächtigsten Gremium wurde.

Die Zusammensetzung des Schulvorstands war abhängig von der Anzahl der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer, wobei an Grundschulen sowohl die Erziehungsberechtigen als auch die Lehrkräfte jeweils die Hälfte der Mitglieder stellten. Für die GS Lunestedt bedeutete dies, dass vier gewählte Elternvertreter und vier von der Gesamtkonferenz bestimmte Lehrkräfte, zu denen der Schulleiter automatisch kraft seines Amtes gehörte, den Schulvorstand bildeten. Die konstituierende Sitzung fand am 4. Dezember 2007 statt.

Bei den zentralen Themen der Eigenverantwortlichen Schule stach ein Begriff besonders heraus: Evaluation. Gemeint ist damit die Analyse und Bewertung der täglichen Arbeit. Kurz vor den Weihnachtsferien wurde deshalb ein sechs Seiten umfassender Fragebogen an die Eltern verteilt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, die Qualität der Schule und des Unterrichts zu beurteilen und Veränderungswünsche zu äußern. Zur allgemeinen Freude war nicht nur die Rückgabequote mit 75 Prozent extrem hoch, sondern auch die Zufriedenheit, die durch viele positive Äußerungen dokumentiert wurde, wenngleich es auch kritische Rückmeldungen gab, die in der Folge als Grundlage für Verbesserungsmaßnahmen dienten.

„Sparen ist wichtig, helfen auch!“ – unter diesem Motto lud die Volksbank die Schulleitungen des Landkreises Cuxhaven in die Filiale nach Beverstedt ein, um dort anlässlich des Weltspartages überdimensionale Schecks zu verteilen. Während früher die Kinder am 31. Oktober an den Sparkassenschaltern kleine Spiele oder Kuscheltiere erhielten, mit denen sie meistens nicht viel anfangen konnten, bekamen nun 42 Grundschulen – je nach Größe – eine beträchtliche Geldspende, die sich insgesamt auf 20.000 Euro belief und für Projekte ausgegeben werden sollte, die sonst wegen der angespannten Haushaltslage, nicht zu finanzieren gewesen wären. Knapp drei Wochen später folgte bereits die nächste „Finanzspritze“, denn die Organisatoren von „Lubi rockt“ hatten bei ihrer Veranstaltung einen beachtlichen Überschuss erwirtschaftet und spendeten davon nun für das Lubi-Bad und die Grundschule Lunestedt jeweils 400 Euro.

Bei so viel Spendenbereitschaft konnte natürlich auch das Kollegium nicht zurückstehen und opferte zwei kostbare Ferientage, um in den Herbstferien im Rahmen einer Klausurtagung die Arbeit am Schulprogramm voranzutreiben. Dabei ging es zunächst darum, das gemeinsame Grundverständnis  über das Miteinander und die Arbeit in unserer Schule zu klären. Als Konsequenz daraus wurde dann ein gemeinsames Leitbild erstellt, das Auskunft über die maßgeblichen Werte und Normen für die Lernkultur, das Schulleben und die Einbindung in die Region geben sollte.

Dass die Leseförderung an der Grundschule Lunestedt seit jeher einen hohen Stellenwert besaß, war weithin bekannt, aber als die Samtgemeinde 2008 die Ausleihzahlen der Schulbüchereien anforderte, traute der zuständige Sachbearbeiter seinen Augen nicht. 6916 Bücher hatte die GS Lunestedt im vorangegangenen Jahr ausgeliehen, während die anderen Schulen auf 323 bis 2533 Exemplare kamen. Rein rechnerisch hieß dies, dass sich jede Schülerin und jeder Schüler in den 40 Schulwochen des Jahres durchschnittlich pro Woche ein Buch ausgeliehen hatte. Da dieses Ergebnis nicht nur im Samtgemeinderat für Aufsehen sorgte, sondern sogar bis ins Kreishaus nach Cuxhaven vordrang, wurde unserer Schule Mitte Juni eine ganz besondere Ehre zuteil. Die beiden Vorsitzenden der Bibliotheksgesellschaft Cuxhaven und der Leiter des Kulturreferates des Landkreises Cuxhaven machten sich auf den Weg nach Lunestedt, um die Schule für ihre engagierte Leseförderung auszuzeichnen. Überreicht wurde nicht nur eine eigens für dieses Ereignis angefertigte Urkunde, sondern auch noch ein dickes Bücherpaket im Wert von 300 Euro.

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Faszination pur - so könnte man das Ergebnis der Projektwoche mit dem Zirkus Eldorado beschreiben. Nachdem sich alle Schülerinnen und Schüler zu Wochenbeginn das komplette Repertoire an Übungsmöglichkeiten angesehen hatten, bestand die "Hausaufgabe" darin, sich zum nächsten Tag für eine Zirkusnummer zu entscheiden. Geprägt von den eigenen Interessen und Fähigkeiten entstand so eine bunte Mischung verschiedenster Kunststücke. Während in der Turnhalle die Lassos und Hula-Hoop-Reifen kreisten oder die Akrobaten und Cheerleader ihre Bewegungsabläufe einstudierten, wurden im großen Zelt Balanceakte am Trapez geübt und Jongliernummern geprobt. Großer Beliebtheit erfreuten sich natürlich die Dressurnummern mit den Pferden, Ziegen und sogar Lamas. Selbstverständlich kam auch der Spaß nicht zu kurz. So sorgte beispielsweise eine ungewöhnliche Zahnarztbehandlung immer wieder für allgemeine Erheiterung. Die größte Freude aber war es, zu sehen, mit welcher Begeisterung und Ausdauer alle Kinder bei der Sache waren. Von Unruhe oder Langeweile war keine Spur und Schülerinnen und Schüler, die sonst eher schüchtern waren, traten plötzlich richtig selbstbewusst auf. Bei der Generalprobe am Freitag konnte man in einigen Gesichtern schon etwas Lampenfieber erkennen und als es dann am Samstag "Manege frei" hieß, war die Anspannung natürlich riesengroß. Rund 700 Zuschauer wollten sich das große Ereignis nicht entgehen lassen. Sie wurden für ihr Kommen mit zwei fantastischen Vorstellungen belohnt. Was unsere Schülerinnen und Schüler in den wenigen Tagen einstudiert hatten und nun geschminkt und in tollen Kostümen präsentierten, war sensationell. Wahre Beifallsstürme des Publikums waren der verdiente Lohn für eine beeindruckende Darbietung.

Ein Konzert der besonderen Art fand Ende April in der Pausenhalle statt. 18 Besucher der Musikschule aus Silute (Litauen) im Alter von 9 bis 18 Jahren waren im Rahmen des Deutsch-Baltischen Kulturjahres in die Samtgemeinde gekommen, um dort an mehreren Tagen zu musizieren. Das Programm, das an unserer Schule aufgeführt wurde, umfasste genau ein Dutzend Darbietungen. Neben klassischen Stücken, in denen meistens das Klavier im Mittelpunkt stand, wurden auch Volkslieder als Instrumentalstücke vorgetragen, die bei den Schülerinnen und Schülern besonders gut ankamen und sogleich mit rhythmischem Klatschen oder schnippenden Fingern begleitet wurden. Besonders verblüffend war allerdings der Kommentar eines Drittklässlers wenige Minuten nach dem Konzert: "Das war besser als Rock."

Nachdem im Vorjahr in ganz Niedersachsen in allen 3. Klassen eine einheitliche Deutscharbeit geschrieben werden musste, stand nun VERA auf dem Terminkalender, ein Projekt, um den Leistungsstand von Schülern in den Fächern Deutsch und Mathematik zu ermitteln. Dies sollte eine gezielte Förderung der Schülerinnen und Schüler ermöglichen, um ggf. Defizite im Hinblick auf die Bildungsstandards ausgleichen zu können. VERA ist die Abkürzung für „VERgleichsArbeiten in der Grundschule“ und wurde 2004 als Gemeinschaftsprojekt von sieben Bundesländern gestartet.

Pünktlich um 9.00 Uhr saßen alle Schüler erwartungsvoll auf ihren Plätzen. Wenige Minuten später konnte man bei etlichen von ihnen das nackte Entsetzen in den Augen erkennen. Im Fach Mathematik bestand das Test-Heft aus 21 Seiten, während der Deutsch-Test „nur“ 17 Seiten umfasste. Da die Leseanteile aber gerade im Fach Deutsch sehr hoch waren, wurde allein etwa eine halbe Stunde benötigt, um den Inhalt zu erfassen. Für die Beantwortung der Fragen blieb somit nicht mehr viel Zeit. In Anbetracht der Tatsache, dass der Umfang der Vergleichsarbeit weit über dem einer normalen Klassenarbeit lag, war es auch nicht verwunderlich, dass die Schülerinnen und Schüler gegen Ende der Stunde völlig erschöpft waren und teilweise die Antworten nur noch erraten, aber nicht mehr durchdacht wurden.

Kritik kam aber auch von Seiten der Lehrkräfte. Da die Aufgabenstellungen insgesamt über 38 Seiten verteilt waren, bedeutete dies bei nur einer Klasse von 25 Schülern bereits einen Sachaufwand von über 900 Kopien. Nach der Vervielfältigung und der Korrektur der vielen Blätter musste dann auch noch die Auswertung im Internet eingegeben werden, was einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeutete.

Abschließend sollte auch noch erwähnt werden, dass die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht weder dem Kriterium der Objektivität noch der Reliabilität entsprechen, da die Aufgaben den durchführenden Klassen- bzw. Fachlehrkräften schon in der Vorwoche bekannt waren. Besonders pikant: Die Hannoversche Allgemeine Zeitung stellte den Fragebogen ins Netz - bevor die Schülerinnen und Schüler in Berlin und anderen Bundesländern die Vergleichsarbeit überhaupt geschrieben hatten. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sprach deshalb sofort von Wettbewerbsverzerrung und die Universität Landau, die für die gesamte Durchführung zuständig war, beabsichtigte sogar eine Klage gegen die Zeitung einzureichen.

Genaue Zahlen gibt es aufgrund der hohen Dunkelziffer zwar nicht, doch nach Expertenschätzungen wird jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder achte bis neunte Junge im Laufe der Kindheit zumindest einmal Opfer von sexueller Gewalt. Aus diesem Grunde  hatten die Jugendpflege und der Präventionsrat das Theaterprojekt „Power-Child“ in die Samtgemeinde Beverstedt geholt. Nach einer Vorstellung des Vereins und seiner Arbeit im Rathaus, fanden in den Grundschulen und vorschulischen Einrichtungen zunächst Fortbildungen mit den Lehrkräften und Erzieherinnen statt und danach wurden dann die Erziehungsberechtigten mit dem Projekt vertraut gemacht. In dem Theaterstück "NEIN heißt NEIN" ging es um eine eindeutige Botschaft: Auch und gerade Kinder haben ein Recht, „nein“ zu sagen und den Anspruch, dass Erwachsene dieses Nein auch respektieren. Dank der tollen Gestik und Mimik der professionellen Schauspieler sowie einer äußerst ansprechenden musikalischen Untermalung waren alle Schülerinnen und Schüler sofort von der Vorführung fasziniert. Ihren Gesichtern war deutlich anzusehen, wie sehr sie sich mit den Protagonisten identifizierten und somit selbst am Geschehen teilnahmen. Entsprechend groß war am Ende der Beifall und als die Schauspieler allen Kindern nach der Aufführung eine CD mit den Liedern des Theaterstückes überreichten, wuchs die Begeisterung noch mehr an.

Im Juni 2008 fand in der Wingst zum mittlerweile fünften Mal der weltgrößte Triathlon für Schüler statt und erstmals war auch die GS Lunestedt am Start. 28 Grundschulen aus dem Landkreis Cuxhaven hatten insgesamt rund 1000 Teilnehmer gemeldet, von denen 25 aus unserer Schule kamen. Nachdem alle Fahrräder und Sporttaschen verstaut worden waren, machten sich unsere Wettkämpfer mit zwei Lehrkräften und einigen Eltern am frühen Morgen auf die Reise in die Wingst. Während die Zweitklässler recht zügig an den Start gehen konnten, wurde die Geduld der Dritt- und Viertklässler doch etwas strapaziert, was die erwartungsvolle Aufregung nicht gerade reduzierte. Nach dem Sprung ins kühle Nass, dem anschließenden Radfahren und dem Abschlusslauf wurde allen Kindern im Ziel zunächst einmal Wasser und Obst gereicht, damit sie sich von den Strapazen erholen konnten. Erfolgreichster Teilnehmer unserer Schule war Nils Wulff, der in seiner Altersklasse einen beachtlichen 15. Platz belegte.

Unter ungünstigen äußeren Voraussetzungen fand im Schuljahr 2008/09 die Einschulungsfeier statt. Da die Renovierungsarbeiten in der Turnhalle nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten, musste die Veranstaltung kurzerhand in die Pausenhalle verlegt werden, was natürlich zu erheblichen Raumproblemen führte. So konnte nur für die Erstklässler eine Stuhlreihe aufgebaut werden, während die zahlreichen Gäste mit einem Stehplatz vorliebnehmen mussten und somit auch der Blick zur Bühne nicht für alle frei war. Das war besonders bedauerlich, denn die Klassenlehrerinnen der beiden 3. Klassen hatten mit ihren Schülerinnen und Schülern das Theaterstück "Als die Raben noch bunt waren" eingeübt, das auch mit viel Applaus bedacht wurde. Anschließend wurden dann alle Abc-Schützen einzeln aufgerufen und von ihren Paten aus der 3a und der 3b in die Klasse geführt, wo die erste "offizielle" Unterrichtsstunde stattfand. Die Familienangehörigen und ihre Gäste hatten in der Zwischenzeit Gelegenheit, im Café des Schulelternrates, das wegen des schlechten Wetters ausnahmsweise nicht auf dem Pausenhof aufgebaut werden konnte, eine Tasse Kaffee zu trinken und ein paar Kekse zu knabbern. Dass die Einschulungsfeier trotz der Enge im Schulgebäude doch noch zu einer gelungenen Veranstaltung wurde, lag vor allen Dingen daran, dass von allen Seiten viel Verständnis für die Notsituation aufgebracht wurde.

Hatten in den letzten Jahren wiederholt Kolleginnen aus privaten Gründen auf eigenen Wunsch unsere Schule verlassen, so mussten wir nun erstmals einen „Feldverweis“ aussprechen. Weil für das kommende Schuljahr nur 23 Erstklässler auf der Liste standen und somit der 1. Jahrgang dann einzügig sein würde, war ein erheblicher Überschuss an Lehrerstunden entstanden, der durch eine Abordnung abgebaut werden musste. Daniele Draheim hatte leider das Pech, dass wir auf ihre Unterrichtsfächer am ehesten verzichten konnten und bekam deshalb den berühmten „Schwarzen Peter“ zugesteckt. Dass die GS Drangstedt, an der sie dann unterrichten sollte, nicht weit von ihrem Wohnort entfernt liegt und somit zumindest die Fahrtzeit ein wenig reduziert werden kann, dürfte für die Kollegin nur ein schwacher Trost gewesen sein.

Wenige Tage vor Schuljahresende erreichte uns dann eine weitere Hiobsbotschaft. Auch wenn Monika Hinze bereits im Frühjahr 2007 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Schuldienst ausgeschieden war, so waren wir doch alle sehr betroffen, als ihr Mann uns darüber informierte, dass unsere ehemalige Kollegin am 17. Juni 2009 für immer von uns gegangen war. Monika Hinze hatte auch nach Beendigung ihrer beruflichen Tätigkeit noch intensiven Kontakt zur Schule und war irgendwie auch weiterhin Teil des Kollegiums. Ihre Lebensfreude, die sie sich trotz ihrer Krankheit bewahrt hatte, und ihre ausgleichende Art werden uns fehlen.

Später als geplant wurden die An- und Umbaumaßnahmen an der Turnhalle abgeschlossen. Nachdem die freiwilligen Helfer des TSV Lunestedt in der Vorbereitungsphase dem Zeitplan sogar um einige Tag voraus gewesen waren, warf ein kräftiger Regenschauer – gerade zu dem Zeitpunkt, als die Halle keine Fenster hatte – alle Planungen über den berühmten Haufen. Der Wasserschaden sorgte für die erste Verzögerung, der neue Zeitplan brachte dann den Terminkalender der beteiligten Firmen völlig durcheinander und so geschah es, dass die Turnhalle nicht rechtzeitig zu Schuljahresbeginn fertig wurde, was wiederum zur Folge hatte, dass die Einschulungsfeier – wie eingangs erwähnt – kurzerhand in die Pausenhalle verlegt werden musste. Die offizielle Einweihungsfeier fand schließlich am 10. 10. um 10.10 Uhr statt.

Gleich zwei Projekte initiierte der Kirchenkreis Wesermünde-Süd. Nach gründlicher Vorbereitung wurde an den Grundschulen der Samtgemeinde Beverstedt im April 2009 die Aktion „Obstkorb“ gestartet, deren Ziel es war, allen Schülerinnen und Schülern eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse anzubieten. Kreissparkasse, AOK, Landfrauenverein Beverstedt, Schulverein und der Verein „Bürger für Bürger“ unterstützten das Projekt finanziell, während sich die Eltern um die konkrete Umsetzung kümmerten. Außerdem wurde unter dem Titel „Ranzen und Co.“ eine Schulmaterialbörse eingerichtet, die es Familien mit geringem Einkommen ermöglichen sollte, günstig an gut erhaltene Schulsachen zu kommen. Nachdem gleich nach den Osterferien Schultaschen, Turnbeutel, Federmappen etc. gesammelt worden waren, erfolgte die Ausgabe am 25. Juni, den ersten Tag der Sommerferien. Leider war die Spendenbereitschaft weit größer als die Nachfrage, was zu enttäuschten Gesichtern bei den Organisatoren führte. Der Grund dafür, dass nur wenige Familien das Angebot nutzten, lag möglicherweise darin, dass sie sich stigmatisiert fühlten, auch wenn dazu kein Anlass bestand. Da sich auch in der Folgezeit kaum Interessenten für die teilweise fast neuwertigen Sachen fanden, wurde die Aktion schweren Herzens eingestellt.

Ein Sturm der Entrüstung ging im Februar durch die Schulen Niedersachsens und ganz besonders durch die sechs Vollen Halbtagsgrundschulen im Landkreis Cuxhaven. Nachdem die Einführung des Turbo-Abiturs an den Gymnasien landesweit für Unmut gesorgt hatte, weil die Schülerinnen und Schüler das Stoffpensum bis zum Abitur jetzt innerhalb von acht Jahren bewältigen müssen, was schon in vielen Fällen zu erheblichen Problemen geführt hatte, beabsichtigte die Landesregierung nun, das Schulgesetz komplett zu überarbeiten. Kernpunkte des Entwurfs waren die Einführung des Turbo-Abiturs auch an den Gesamtschulen und die Umwandlung der verbliebenen Vollen Halbtagsgrundschulen in Verlässliche Grundschulen. Hintergrund dieser Planungen war der dramatische Lehrermangel, den das Kultusministerium ganz „überraschend“ entdeckt hatte. Nachdem die Lehrerverbände jahrelang auf die bevorstehende Pensionierungswelle hingewiesen hatten und außerdem lange bekannt war, dass die zehn Jahre lang angesparten Mehrstunden der Arbeitszeitkonten nun „abgebummelt“ werden müssen, stand die Landesregierung plötzlich vor großen Problemen. Jedes Privatunternehmen hätte mit einer derartigen Personalpolitik vermutlich längst Konkurs anmelden müssen.

Ziel der Abschaffung der Vollen Halbtagsgrundschulen war es, durch die Einsparung des Zusatzbedarfes und durch die Einstellung von pädagogi­schen Mitarbeitern als Betreuungskräfte, zusätzliche Unterrichtsstunden zu gewinnen, um damit an anderen Schulen Löcher in der Unterrichts­versorgung stopfen zu können. Damit wurde eine Protestwelle losgetre­ten, mit der man in Hannover offenbar nicht gerechnet hatte. Binnen we­niger Tage wurden allein im Landkreis Cuxhaven mehrere Tausend Unterschriften gesammelt und an die Landesregierung gefaxt oder persönlich überge­ben. Außerdem wurden an mehreren Schulstandorten Pro- testveranstaltungen durchgeführt, die dazu dienten, die Elternschaft zu mobilisieren. Besonders aktiv waren hier einige Elternvertreter unserer Schule, allen voran Sandra Brinkmann, die es nicht nur schaffte, in der Turnhalle des Schulzentrums Beverstedt eine große Informationsveranstaltung durch­zuführen, sondern auch noch den Fernsehsender RTL in unsere Schule holte, damit dieser über die Vorteile der Vollen Halbtagsgrundschule berichten konnte.

Erstaunlich aktiv war auch die regionale Presse, die einen gründlichen Überblick über den Verlauf der Protestaktionen bis hin zum Kabinettsbeschluss zur Abschaffung der VHGS vermittelte. Letzterer wurde übrigens auch von Abgeordneten der Landesregierung unterstützt, die sich vor Ort noch für den Erhalt unserer Schulform ausgesprochen hatten. Mit Überschriften wie „Ministerin streicht Vorzeigeschule“ oder „Bildung im Kanal bestattet“ berichtete insbesondere die Nordsee-Zeitung ausführlich und zeitweise fast täglich über den Widerstand der Vollen Halbtagsgrundschulen.

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Unter dem Motto "Vorfahrt für Bildung - Gemeinsam sind wir stark" fand am 24. April in ganz Niedersachsen ein Aktionstag statt, der vom Kreiselternrat Harburg koordiniert wurde. Daran beteiligte sich auch unser Schulelternrat, der eine Veranstaltung auf der Wiese gegenüber der Schule organisiert hatte. Die Elternratsvorsitzenden informierten die zahlreichen Anwesenden über die von der Landesregierung vorgesehene Abschaffung der Vollen Halbtagsgrundschule und die dagegen geplanten Maßnahmen seitens der Elternvertreter.

Gleichzeitig demonstrierten auch die Schülerinnen und Schüler ihre Meinung auf Plakaten mit teilweise sehr originellen Formulierungen. "Macht aus schlauen Füchsen keine dummen Esel" war dort ebenso zu lesen wie: "Sparen an der falschen Stelle macht Kinder nicht helle." "Versprochen - gebrochen" bezieht sich auf die vor Jahren gegebene Bestandsgarantie für die VHGS, die nun zurückgenommen werden soll. Mit einfachen Worten äußerte eine Erstklässlerin ihre Meinung auf einem Plakat, das sie ganz alleine angefertigt hatte, wie sie voller Stolz betonte: "Wir und unsere Eltern wollen, dass es so bleibt, wie es ist."

„Habt ihr schon gehört? RTL kommt!“ Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Lunestedt und ganz besonders schnell in unserer Schule. Ein dreiköpfiges Kamerateam stand pünktlich zur großen Pause im Lehrerzimmer, um Kontakt zum Kollegium aufzunehmen. In einem Vorgespräch wurden zunächst ein paar Details zu den geplanten Filmaufnahmen geklärt. Da ausgerechnet an diesem ganz besonderen Tag eine Kollegin ausgefallen war, mussten die beiden 3. Klassen zusammengelegt werden, womit die ganze Vorplanung über den Haufen geworfen wurde. Weil gerade die Arbeit mit Doppelbesetzungen und die daraus resultierende Bildung von Kleingruppen zu den wesentlichen Vorzügen der VHGS gehört, sollte dieses natürlich auch im Fernsehen gezeigt werden. So wurde dann kurzerhand improvisiert: Konrektorin Ellen Stehling, die eigentlich den Mathematikunterricht in der Klasse 3b erteilte, nahm sich ein paar Schülerinnen und Schüler aus den beiden dritten Klassen und ging mit ihnen in den Gruppenraum, während der Schreiber dieser Chronik mit den restlichen Kindern aus der 3a und der 3b aus dem Stehgreif eine „normale“ Mathematikstunde vorführte. Im Anschluss an eine etwa zehnminütige Unterrichtssequenz wurden dann noch im Klassenraum ein paar Interviews mit mehreren Schülern und den beiden Lehrkräften aufgezeichnet. Damit aber nicht genug. In der 2b wurde eine Hälfte der Klasse beim Büchertausch in der Bücherei gefilmt und anschließend die andere Hälfte im Computerraum, wo gerade im Internetportal „Antolin“ gearbeitet wurde. In einer weiteren Unterrichtsstunde wurde die Arbeit im Werkraum dokumentiert und zum Schluss wurde auch noch Sandra Brinkmann vor das Mikrofon geholt, um über die Aktivitäten der Elternschaft zu berichten.

Ein weiteres RTL-Fernsehteam tauchte dann am Abend in der Beverstedter Turnhalle auf, um die Podiumsdiskussion zu filmen, die von den Schulelternräten der beiden Vollen Halbtagsgrundschulen in Beverstedt und Lunestedt veranstaltet wurde. Rund 250 Zuschauer waren gekommen, um mit den Kreis- und Landtagsabgeordneten der verschieden Parteien zu diskutieren. Nachdem die Schulleiter der Grundschulen aus Beverstedt und Lunestedt die unbestrittenen Vorzüge der vollen Halbtagsgrundschule noch einmal herausgestellt hatten, ließ der Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, der Bernd Althusmann, schnell durchblicken, dass die Landesregierung wegen finanzieller Engpässe an der Abschaffung der VHGS festhalten wird. Auch wenn sich die Vertreter aller anderen Parteien für den Erhalt der Vollen Halbtagsgrundschule aussprachen und der Beverstedter Samtgemeinderat sogar einstimmig eine Resolution verabschiedet hatte, so wurde der Protest zwar zur Kenntnis genommen, aber die Marschrichtung der Landesregierung war deutlich zu erkennen: Augen zu und durch.

Ein mehrminütiger Beitrag über den Unterrichtsbesuch in der GS Lunestedt wurde ein paar Tage später tatsächlich in der Sendung „Guten Abend RTL“ gesendet, die Diskussion in der Beverstedter Schulturnhalle wurde hingegen mit keiner Silbe erwähnt.

Da die Elternschaft nach wie vor nicht bereit war, sich dem politischen Willen zu beugen, wurde im Mai vor dem Landtag in Hannover eine große Demonstration veranstaltet. Rund 2000 Eltern und Kinder, von denen allein 400 aus dem Landkreis Cuxhaven kamen, hatten sich mit Trillerpfeifen und Transparenten „bewaffnet“, um ihrem Unmut Luft zu machen. Da genau an diesem Tage das neue Schulgesetz im Landtag diskutiert werden sollte, wurde die Gelegenheit genutzt, um CDU-Fraktionschef David McAllister unzählige Papierhände zu überreichen – als Ausdruck dafür, dass das Land die Hände von der Halbtagsschule lassen soll. Leider hatte auch diese Aktion nicht die erhoffte Wirkung, denn einen Monat später wurde endgültig das Aus für die Vollen Halbtagsgrundschulen beschlossen. 

Nachdem im Vorjahr eine Elternbefragung stattgefunden hatte, wurde in diesem Schuljahr ein Fragebogen an die Kinder verteilt. Bei der Evaluation der Fragebögen fiel auf, dass sich die Kritik unserer Schülerinnen und Schüler vorrangig auf außerunterrichtliche Aspekte bezog. An erster Stelle wurde die noch nicht abgeschlossene Reparatur der Schaukelanlage bemängelt, die allerdings durch Probleme bei der Beschaffung geeigneter Ersatzteile bedingt war. Der Wunsch nach längeren Pausenzeiten war zwar durchaus verständlich, allerdings wurde dabei von den Kindern vermutlich übersehen, dass im Stundenplan bereits 55 Minuten als Pausenzeiten verankert sind. Berechtigter war da der Wunsch nach besseren Toiletten, aber auch hier gab es eine gute Nachricht, denn vor ein paar Monaten hatte es eine Begehung mit dem Schulträger gegeben und dabei wurde vereinbart, die Sanierung der Toilettenanlage in den Haushaltsplan für 2010 aufzunehmen. Dass uns Einnahmen aus dem Konjunkturpaket II ermöglichen würden, dieses Projekt sogar um ein Jahr vorzuziehen, konnte damals noch keiner ahnen.

Erfreulich waren die vielen positiven Anmerkungen. So lobten unsere Schülerinnen und Schüler die vielen Zusatzangebote und die Möglichkeiten, sich eigenständig Informationen beschaffen zu können. Große Zufriedenheit herrschte auch hinsichtlich des Lehrerverhaltens und der Unterrichtsatmosphäre. Selbst das häufig diskutierte Thema Hausaufgaben fand sich überraschend eindeutig in der „Pluszone“ wieder. Beeindruckend waren die Eintragungen zum Bereich Schulatmosphäre, die deutlich machten, dass sich die Kinder an unserer Schule wohlfühlen und ganz besonders das vielseitige Schulleben schätzen.

Fast ein halbes Jahr Vorbereitungszeit wurde benötigt, aber am 29. August war es dann endlich soweit: Der 1. Schulexpress im Landkreis Cuxhaven lief durch Lunestedt. Am letzten Schultag im Monat August trafen sich unsere Schülerinnen und Schüler an den insgesamt 11 Haltestellen und gingen gemeinsam mit Lehrern und Eltern zu Fuß zur Schule. Ziel des Projektes war es, das Verkehrschaos vor der Schule zu reduzieren und den Schülerinnen und Schülern mehr Bewegung zu Lunestedter_Schulexpress_klein.jpgermöglichen. Gleichzeitig wurden das Selbstvertrauen und der Gemeinschaftssinn der Kinder gestärkt. Auch Frau Nölle, die den Schulexpress vor 4 Jahren in Bremen ins Leben gerufen hatte, war nach Lunestedt gekommen, um an der Eröffnungsfeier teilzunehmen, die natürlich mit dem Schulexpress-Lied eingeleitet wurde. Eingefunden hatten sich auch unsere Sponsoren und die drei Mütter aus dem Schulelternrat, die in den letzten Wochen und Monaten mit viel Zeit und Energie den Schulexpress "angeschoben" haben. Nach einer Begrüßungsrede und ein paar Pressefotos wurde dann der eigentliche Projekttag gestartet, bei dem es an zahlreichen Lernstationen natürlich um das Thema Verkehrssicherheit ging. Beteiligt waren auch zwei Polizeibeamte, die u. a. an einem Bus die Gefahren des toten Winkels demonstrierten, was nicht nur bei den Kindern ungläubiges Staunen hervorrief. Nach einem ereignisreichen Vormittag begann dann der 2. Teil der "Völkerwanderung". Unsere Schülerinnen und Schüler machten sich wieder auf den Heimweg und hatten unterwegs bestimmt eine Menge zu erzählen.  

Die Resonanz auf den „Schulexpress“ war so positiv, dass sich immer mehr Kinder verabredeten und sich morgens an einer der 11 Haltestellen trafen, um den Weg zur Schule gemeinsam zurückzulegen. Da auch einige Fahrschülerinnen und Fahrschüler nicht auf dieses Gemeinschaftserlebnis verzichten wollten, stiegen etliche Hollener Kinder am Denkmalplatz aus dem Bus und legten den Rest des Schulweges zu Fuß zurück. Durch die Berichterstattung in der Presse erfuhren auch benachbarte Schulen von der Aktion und schon bald lief der „Schulexpress“ auch durch andere Gemeinden.

„Schulleiter Dieter Henken kann stolz auf seine Schüler sein“ – mit diesem Satz begann der Bericht der Nordsee-Zeitung über den Grundschulvergleichswettlauf des LAV Bokel, weil die Lunestedter Grundschüler mit Abstand die meisten vorderen Plätze belegt hatten. Allein in der Mannschaftswertung konnte unsere Schule fünf der insgesamt acht Wettbewerbe gewinnen. Hinzu kamen noch etliche vordere Plätze in der Einzelwertung - sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen. Im ersten Jahrgang gab es bei den Mädchen sogar einen Doppelsieg und im Mannschaftswettbewerb hieß bei den Mädchen und den Jungen der Sieger jeweils Lunestedt.

Absolut herausragend waren die Leistungen unserer Zweitklässler. Bei den Mädchen gingen Platz 1 und 3 an Lunestedt, die Jungen belegten sogar die ersten drei Plätze. Den Mannschaftswettbewerb der Jungen gewann die Lunestedter 2a vor der 2b und bei den Mädchen belegte ebenfalls unsere 2a den 1. Platz. Nicht ganz so gut lief es bei den Drittklässlern, die aber trotzdem mehrere gute Plätze im Mittelfeld belegten und in der Mannschaftswertung bei den Mädchen reichte es bei der Klasse 3b sogar für den 2. Platz.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgten die Jungen aus der Klasse 4b. Joshua Wrieden lief mit 3:22 Minuten nicht nur eine fantastische Tagesbestzeit, sondern gewann zusammen mit zwei Klassenkameraden auch noch den Mannschaftswettbewerb. Die zweite Mannschaft aus der 4b landete zudem noch auf dem 3. Platz. Schade, dass die Parallelklasse nicht in Bokel sein konnte, da sie ausgerechnet an diesem Tage ihr seit Wochen geplantes Abschlussfest feierte, aber die Mädchen und Jungen aus der 4a hatten bestimmt auch ihren Spaß.

Der demographische Wandel war einfach nicht aufzuhalten. Zwanzig Schülerinnen und Schüler weniger als im Vorjahr und deshalb auch nur sieben statt acht Klassen, das war die Bilanz zu Beginn des Schuljahres 2009/10. Da im August 2009 nur 23 Kinder eingeschult werden konnten, gab es zum ersten Mal seit langer Zeit nur eine Klasse im ersten Jahrgang. Neu war auch, dass das Einschulungsritual erstmals auf zwei Tage verteilt wurde. Der Einschulungsgottesdienst fand bereits am Freitagabend statt und die Einschulungsfeier in der Turnhalle konnte deshalb am Samstagmorgen schon eine Stunde früher beginnen, was die Anstrengung und Aufregung für die neuen Erstklässler spürbar reduzierte.

Rückläufig war auch die Unterrichtsversorgung. Lag sie im vergangenen Jahr noch knapp unter 100 Prozent, so waren es dieses Mal exakt 97 %, was einem Minus von sechs Lehrerstunden entsprach. Der Versuch der Landesschulbehörde, dieses Defizit möglichst schnell auszugleichen, scheiterte an den fehlenden Lehrkräften. So mussten wir dann bis Anfang November warten, ehe eine Kollegin an der GS Loxstedt als „Feuerwehrlehrkraft“ eingestellt werden konnte und mit ein paar Stunden nach Lunestedt „ausgeliehen“ wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir allerdings auch schon eine eigene Vertretungslehrkraft eingestellt, denn die Kollegin Frauke Wöltjen hatte das seltene Kunststück vollbracht, sich während der Pausenaufsicht die Hand zu brechen.

Zu Beginn des 2. Halbjahres kam eine alte Bekannte an unsere Schule zurück. Da Norma Strigas‘ Vertrag als Vertretungslehrerin ausgelaufen war, konnte Mirja Witte, die ihre Elternzeit beendet hatte, mit 12 Wochenstunden an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. Um weitreichende Veränderungen beim Einsatz der Fachlehrkräfte zu vermeiden, wurde Frau Witte zunächst für den Förderunterricht eingesetzt, da aber unsere Konrektorin schon bald erkrankte, wurden die Förderstunden schnell wieder gestrichen und bis zu den Osterferien in Vertretungsstunden umgewandelt. Leider stellte sich heraus, dass Ellen Stehlings Erkrankung gravierender als zunächst vermutet war und so musste nach den Osterferien eine Vertretungslehrkraft gefunden werden. Leider war der Markt zu diesem Zeitpunkt wie leer gefegt und so blieb uns nichts anderes übrig, als eine „Feuerwehrlehrerin“ aus Bremerhaven zu nehmen, die allerdings keine echte Hilfe für uns war, sondern nur für zusätzliche Probleme sorgte.

Damit aber nicht genug. Ellen Stehlings Erkrankung war so schwerwiegend, dass unsere Konrektorin zum Schuljahresende vorzeitig pensioniert und ihre Funktionsstelle ersatzlos gestrichen wurde. Infolge der rückläufigen Schülerzahlen waren wir unter die Mindestgröße von 180 Schülerinnen und Schülern gerutscht und somit hatten wir keinen Anspruch mehr auf eine neue Konrektorin. Damit gingen dann auch noch ihre vier sog. „Anrechnungsstunden“ verloren, während die Aufgaben natürlich bestehen blieben und nun zum Nulltarif auf mehrere Schultern verteilt werden mussten.

Der letzte "Große Regenbogen" des Schuljahres 2009/10 bot nicht nur den geeigneten Rahmen für die Abschiedsfeier, sondern zugleich auch ein Wechselbad der Gefühle, denn einerseits hatten zahlreiche Kinder und Erwachsene den berühmten Kloß im Hals, als unsere Konrektorin nach 26 Dienstjahren an der GS Lunestedt in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet wurde, aber andererseits herrschte zeitweise auch ausgelassene Stimmung in der Halle, weil mehrere Beiträge der Klassen von afrikanischen Rhythmen getragen wurden.

Der 2. Teil der Verabschiedung fand dann nach Unterrichtsschluss in der Schulküche statt. Ellen Stehling hatte zu einer Feier im kleinen Kreis eingeladen, die mit der obligatorischen Rede des Schulleiters begann, einem leckeren Frühstück zur Mittagsstunde fortgesetzt wurde und letztlich in einer gemütlichen Plauderrunde endete, in der viele alte Geschichten „aufgewärmt“ wurden. 

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Auch in diesem Jahr machte unsere Schule ihrem Ruf als Dauerbaustelle wieder alle Ehre. Das Konjunkturpaket II, das von der Regierung geschnürt worden war, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, eröffnete uns die Möglichkeit, die erst für 2010 geplanten Renovierungsarbeiten im Sanitärbereich schon ein Jahr früher in Angriff zu nehmen. Sowohl die Schüler- als auch die Lehrertoiletten wurden komplett erneuert. Dabei wurden nicht nur die Sanitärobjekte ausgetauscht, sondern auch die Toilettenkabinen ersetzt und neue Fliesen verlegt. Bewegungsmelder statt Lichtschalter und Wärmesensoren an den Urinalen sollten dazu dienen sowohl den Wasser- als auch den Stromverbrauch zu reduzieren. Dass zudem auch der optische Eindruck erheblich verbessert wurde, verleitete einen Schüler zu der Aussage: „Die neuen Toiletten sind richtig gemütlich.“ 

Eigentlich wollte der Schulträger schon in den Osterferien sein Versprechen eingelöst haben, unseren Hartplatz zu erneuern, aber aus organisatorischen und finanziellen Gründen hatte sich dieses Vorhaben bis zu den Sommerferien verzögert. Bedingt durch die Erweiterung unserer Turnhalle musste im letzten Jahr ein Teil des Hartplatzes „abgegeben“ werden, was dazu führte, dass ein Basketballkorb entfernt werden musste und außerdem zu wenig Platz für unser Fahrradturnier vorhanden war. Also musste die Spielfläche um 90 Grad gedreht und am Ende ein Stück angesetzt werden, um sowohl für den Fahrradparcours als auch für ein vernünftiges Basketballfeld genügend Freiraum zu haben.

Nachdem auch die zweite Korbanlage abmontiert worden war, dauerte es – sehr zum Leidwesen unserer Schüler – mehrere Wochen, bis endlich mit dem Ausheben der Erde begonnen wurde. Das Asphaltieren ging dann zwar relativ schnell vonstatten, aber da die Betonsockel, in denen die Halterungen für die Basketballanlage eingesetzt wurden, mehrere Wochen lang austrocknen mussten, wurde die Geduld unserer Schülerinnen und Schüler auf eine harte Probe gestellt. Rechtzeitig zur Fahrradwoche hatte dann unsere Verkehrsobfrau Claudia Kaschorek mit Unterstützung aus dem Kollegium die Markierungen für den Fahrradparcours angebracht, was gerade bei der großen Acht viel Geduld und Feinarbeit erforderte. So konnten sich unsere Schülerinnen und Schüler gründlich und in aller Ruhe an die neuen Positionen der jeweiligen Stationen gewöhnen und sich intensiv auf den großen Tag der Fahrradprüfung vorbereiten.

Im Obergeschoss unserer Schule eröffnete am 3. Oktober 2009 die Kunstschule „Bunte Ku(h)…nst“ ihre Pforten. Matthias Kopka, der vor zwei Jahren bereits mit den Schülerinnen und Schülern der damaligen Klasse 4a ein Schwarzlichttheaterprojekt durchgeführt hatte, das auf große Anerkennung gestoßen war, hat es sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Erwachsenen ein möglichst breites Spektrum an künstlerischen Betätigungsmöglichkeiten zu bieten. Bei den Kindern sollen Kenntnisse über die Farbenlehre, die Schulung des Sehens und Gestaltens, vor allem aber kreative Fähigkeiten vermittelt werden. Für die Erwachsenen ist beabsichtigt, Kurse in den Bereichen Malen, Bildhauern, Objekt- und Projektkunst anzubieten. Entsprechend gut war dann auch der Besuch beim „Tag der offenen Tür“ und besonders erfreut war Matthias Kopka vor allen Dingen darüber, dass etliche Besucher gleich ein Anmeldeformular für die ersten Kurse ausfüllten.

Sandra Brinkmann aus Hollen und Anita Detje aus Heerstedt gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Grundschule plus“, der unter Beteiligung unserer Elternvertreter in Verden gegründet wurde, um die Interessen der Grundschüler besser vertreten zu können. Der Verein war aus dem landesweiten Protest gegen die Abschaffung der Vollen Halbtagsgrundschulen hervorgegangen und wollte nicht nur diese Entscheidung mittels eines Volksbegehrens rückgängig machen, sondern sich gleichzeitig auch noch für die Erleichterung von Gesamtschulgründungen einsetzen. Folgerichtig luden die beiden engagierten Mütter im November 2009 zu einer ersten Informationsveranstaltung ein, die dann am 2. Dezember in der Haupt- und Realschule Beverstedt mit einer „Expertenrunde“ fortgesetzt wurde, zu der sich mehr als 50 Interessierte einfanden.

Nach den schlechten Erfahrungen hinsichtlich der Verlässlichkeit von Zusagen aus dem Kultusministerium hatte sich unser Kollegium lange „geziert“, am RIK (Regionales Integrationskonzept) teilzunehmen. Durch die Abschaffung der Vollen Halbtagsgrundschulen und dem damit verbundenen Wegfall der sog. Zusatzstunden sahen wir uns dann doch gezwungen, ein Konzept zu erarbeiten und einen Genehmigungsantrag zu stellen, was in unserem Falle etwas schwierig war, da im Normalfall alle Grundschulen eines Schulträgers gemeinsam am RIK teilnehmen, in der Samtgemeinde Beverstedt aber die beiden anderen Grundschulen (noch) nicht mitmachen wollten. Umso erstaunlicher war dann die Tatsache, dass wir die Genehmigung nicht auf dem offiziellen Dienstweg erhielten, sondern aus der Tageszeitung erfuhren.

Ursprünglich sollten die Vollen Halbtagsgrundschulen schon 2003 abgeschafft werden – nicht, weil sie sich nicht bewährt hatten, sondern weil sie teurer als die Verlässlichen Grundschulen waren. Die ehemalige „Vorzeigeschule“, die ursprünglich flächendeckend in ganz Niedersachsen eingeführt werden sollte, um die Unterrichtsqualität zu verbessern, sollte dem Rotstift des Finanzministeriums zum Opfer fallen. Durch Kürzungen in der Unterrichtsversorgung und den daraus resultierenden verschlechterten Arbeitsbedingungen sollten die Vollen Halbtagsgrundschulen „überredet“ werden, sich in Verlässliche Grundschulen umwandeln zu lassen, was in vielen Fällen auch geklappt hat. Keinen Erfolg mit dieser Taktik hatte das Kultusministerium im Landkreis Cuxhaven. Die sechs Vollen Halbtagsgrundschulen unserer Region gaben nicht auf und wehrten sich mit allen Mitteln gegen die geplante Abschaffung. Um dem Machtkampf ein Ende zu bereiten, wurde im Sommer 2009 von der Landesregierung kurzerhand das Schulgesetz geändert und damit die im August 1994 begonnene Ära der VHGS Lunestedt im Juli 2010 beendet.

Um die Schulleitungen auf die neue Situation vorzubereiten, fand im November 2009 in Lüneburg im Gebäude der Landesschulbehörde eine Fortbildungsveranstaltung statt, in der Schulleiterinnen und Schulleiter in einem „Crash-Kurs“ über die Einstellung und den Einsatz von „Pädagogischen Mitarbeitern“ unterrichtet wurden. Dazu gehörte nicht nur eine Lektion in puncto Arbeits- und Vertragsrecht, sondern auch ein Exkurs über das Stunden- bzw. Mittelbudget, das den Schulen zur Verfügung gestellt wurde. Dass Schulleiterinnen und Schulleiter weder Wirtschaftskunde noch Arbeitsrecht studiert haben, interessierte die Referenten wenig. Zum Glück bekamen alle Fortbildungswilligen ein dickes Informationspaket mit Tipps und Gesetzesgrundlagen ausgehändigt, das sich jeder (in den Ferien) in aller Ruhe zu Gemüte führen sollte.

Nachdem sich der Schreiber dieser Chronik mit den theoretischen Grundlagen zur „Verwaltung“ einer Verlässlichen Grundschule vertraut gemacht hatte, ging es darum, geeignete pädagogische Mitarbeiterinnen zu finden. Der Aufruf in der Nordsee-Zeitung wurde leider stark gekürzt und fiel deshalb etwas knapp aus, führte aber trotzdem zum erhofften Erfolg.

Als Vertretungslehrkraft konnte Martina Novara gewonnen werden, die schon einige Jahre als Kollegin an unserer Schule tätig gewesen war. Sie hatte sich aus familiären Gründen vorübergehend beurlauben lassen, war aber nicht abgeneigt, gelegentlich für ein paar Stunden an ihrer alten Wirkungsstätte auszuhelfen. Auch für die Betreuung nach Unterrichtsschluss konnten geeignete Bewerberinnen gefunden werden. Sabine Windhorst aus Bokel hatte bereits Erfahrung im „Nachmittagsprogramm“ der Haupt- und Realschule Beverstedt gesammelt, während Etta Riesenbeck nicht nur im Sportverein ständig Kontakt zu Kindern hatte, sondern gleichzeitig auch noch Vorsitzende des Schulelternrates unserer Schule war und somit auch die Gegebenheiten bestens kannte.

Wenige Tage nach Schuljahresbeginn wurden in der Lunestedter Grundschule zwei „Eisbären“ gesehen, was aber kein Anlass zur Panik war. Im Gegenteil - die beiden Bremerhavener Basketballer sorgten für viel Begeisterung bei unseren Schülerinnen und Schülern, denn Jugendtrainer Malte Haedecke und Torben Wendt führten unsere Zweit-, Dritt- und Viertklässler in die Grundtechniken des Basketballspiels ein. Sehr aufmerksam und wissbegierig lauschten die Mini-Basketballer den Anweisungen der Trainer und setzten die Tipps sofort in die Tat um. Nach Abschluss der drei "Schnuppertage" fand regelmäßig am Donnerstag eine Arbeitsgemeinschaft Basketball statt, zunächst für die vierten und später für die dritten Klassen.

Am letzten Novembertag bekamen wir dann „hohen Besuch“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Rahmen der Kooperation mit den Eisbären Bremerhaven hatten sich zwei Profis der Erstligamannschaft auf den Weg nach Lunestedt gemacht, um Werbung für den Basketballsport zu betreiben. Begleitet wurden Mannschaftskapitän Jan Lipke und sein amerikanischer Mitspieler Steve Esterkamp von Jugendtrainer Nedim Hizliates und "Zivi" Torben Wendt, der seit Schuljahresbeginn die Basketball-AG unserer Viertklässler leitete. Nachdem sich die Besucher vorgestellt hatten, wurden sie gleich mit etlichen Fragen "gelöchert". Dabei ging es allerdings nicht nur um das Thema Basketball, sondern auch um ganz private Dinge. Danach folgte der Gang in die Turnhalle, wo zunächst einige Schüler mit erstaunlich guter Ballbehandlung beeindruckten und anschließend Steve Esterkamp ein paar Kunststücke vorführte. Zurück in der Schule bekamen alle Kinder ein Saisonheft und einen Gutschein für das bevorstehende Punktspiel gegen Göttingen geschenkt. In der Halbzeitpause dieses Spieles präsentierten sich dann die Jungen unserer Basketball-AG im Rahmen des Eisbärchen-Cups vor knapp 3000 Zuschauern in der Stadthalle Bremerhaven, wobei fast 200 Fans aus der GS Lunestedt stammten.

Da der Gegner über ein erfahrenes und eingespieltes Team verfügte, während unsere Mannschaft erst vor wenigen Monaten mit dem Training begonnen hatte, waren wir natürlich krasser Außenseiter. Umso erstaunlicher war es deshalb, dass unsere Jungen anfangs fast ebenbürtig waren und sich erst in der Schlussphase geschlagen geben mussten. Trotz der knappen Niederlage bestand jedoch kein Grund zur Traurigkeit und als dann auch noch Maskottchen Dunky zum Mannschaftsfoto erschien, war die Begeisterung groß. Zum krönenden Abschluss gab es für jeden Spieler das Eisbären-Fanpaket, das von einigen Schülern gleich genutzt wurde, um Autogramme zu sammeln.

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Es hatte lange gedauert, aber schließlich war es uns doch noch gelungen, das Ensemble der PäPP (Pädagogische Puppenbühne der Polizei) aus Wilhelmshaven nach Lunestedt zu holen. Verkehrs- und Umwelterziehung sowie Gewaltprävention waren die Themen der drei Polizeibeamten, mit denen sie Woche für Woche quer durch Deutschland reisten und so insgesamt 13.000 Kinder pro Jahr begeisterten.

Im Mittelpunkt der Aufführungen für unsere Erst- und Zweitklässler, die noch "Besuch" von den zukünftigen Abc-Schützen aus Heerstedt, Hollen und Lunestedt bekommen hatten, stand eine Wanderratte, die auf der Suche nach einer neuen Wohnung war. Am Anfang wurde aber erst einmal zur Einstimmung ein Lied zur Verkehrserziehung gesungen und auch beim Puppentheater ging es zunächst um richtiges Verhalten im Straßenverkehr.

Lautes Kreischen rief dann der Auftritt der Wanderratte Willi hervor, die sich im Gully unter dem Marktplatz einquartieren wollte, aber dank des Straßenkehrers Beppo zur Müllkippe "umgeleitet" werden konnte. Abgesehen von der Erkenntnis, dass Müll ekelig ist und stinkt, wurde auch noch einmal betont, dass es wichtig ist, ihn zu sortieren.

Für die Kinder aus den 3. und 4. Klassen wurde das Stück "Gewalt ist keine Lösung!" aufgeführt. Zentrale Themen waren sowohl verbale und körperliche als auch psychische Gewalt. Punkie, dem zunächst die Jacke "gezockt" wurde, musste dann auch noch sein Taschengeld herausrücken und wurde außerdem aufgefordert, weiteres Geld zu beschaffen. Dass ihm Schläge angedroht wurden, falls er etwas verpetzen würde, erhöhte seinen Leidensdruck zusätzlich.

Um die unterschiedlichen Aspekte der Gewalt zu verdeutlichen, wurde das Stück zunächst pantomimisch und dann mit Sprache aufgeführt. Am Ende hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, selbst über die Fortsetzung des Geschehens zu entscheiden und eine Lösung des Problems herbeizuführen.

In der anschließenden Nachbesprechung befragten die Puppenspieler die Zuschauerinnen und Zuschauer gezielt nach bestimmten Verhaltensweisen und Gewalterlebnissen. Die Ergebnisse dieser intensiven Befragung wurden dann am Nachmittag im Rahmen einer zweistündigen Informationsveranstaltung den Eltern unserer Dritt- und Viertklässler vorgestellt und mit ihnen ausführlich besprochen.

Nachdem die anstehende Schulinspektion schon im Vorfeld für viel Aufregung und rege Betriebsamkeit im Kollegium gesorgt hatte, warf der erneute Unterrichtsausfall wegen Eisglätte die gesamte Planung über den berühmten Haufen. Eigentlich sollten am Vormittag des 3. Februars die ersten Unterrichtseinsichten stattfinden, aber da keine Kinder in der Schule waren, konnte auch kein Unterricht erteilt werden. Also musste kurzfristig umdisponiert werden, sodass zunächst der Schulrundgang durchgeführt wurde und danach die teilweise mehrstündigen „Interviews“ mit der Schulleitung, den Eltern, dem Kollegium und den Mitarbeiter/innen stattfanden. Glücklicherweise stabilisierte sich die Wetterlage rechtzeitig und deshalb konnten sich Frau Hienstorfer und Herr Kluth von der Niedersächsischen Schulinspektion doch noch genügend Unterrichtsstunden ansehen, um sich ein umfassendes Urteil über die Arbeit an unserer Schule bilden zu können. Das abschließende Ergebnis, das auch der Schulöffentlichkeit vorgestellt wurde, hat dann unsere kühnsten Hoffnungen übertroffen. Da der vollständige Inspektionsbericht 36 Seiten umfasste, wird nachfolgend nur das Qualitätsprofil in einer Kurzfassung veröffentlicht, denn zu den 16 Qualitätskriterien, von denen Punkt 1 noch nicht bewertet wurde, gab es insgesamt noch rund 100 Teilkriterien. Die Beurteilungskategorien entsprachen allerdings nicht den "normalen" Schulzensuren, sondern die "1" war die schlechteste und die "4" die beste Note, wobei Letztere nur sehr "sparsam" vergeben wurde.

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Bei aller Freude über das fantastische Ergebnis sollen natürlich auch die Schwachpunkte nicht verschwiegen werden. Verbesserungspotential gab es vor allen Dingen bei den Stoffverteilungsplänen und bei der Förderung des selbstständigen Lernens. Hart getroffen hat uns die Kritik am Drogenpräventionskonzept, das mit einer "2" beurteilt wurde, was leider dazu geführt hat, dass wir im Bereich 10 (Schulklima und Schulleben) als Gesamtnote nur eine "3" erhalten haben, obwohl acht der neun Teilkriterien mit der Bestnote "4" bewertet worden waren.

Da Zahlen aber nur über eine eingeschränkte Aussagekraft verfügen, sollen abschließend noch ein paar Sätze aus der Zusammenfassung des Inspektionsberichtes zitiert werden:

"Die Grundschule Lunestedt zeichnet sich durch ein ausgesprochen positives, entspanntes und wertschätzendes Lern- und Arbeitsklima aus, in dem die Erziehungsberechtigten ihre Kinder gut aufgehoben wissen. Der Schule gelingt es, vielfältige kreative, die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler entwickelnde die Gemeinschaft fördernde Angebote zu arrangieren.

Die Grundschule Lunestedt ist eine innovative Schule, die den Weg der Schulentwicklung mit Leitbildentwicklung und Schulprogrammarbeit begonnen, eigene Wege immer wieder an die normativen Vorgaben angepasst hat.

Die Schule wird engagiert geleitet und verwaltet. Die Schulleitung wirkt als förderliche Kraft in der Schulentwicklung. Die Beteiligten identifizieren sich in hohem Maße mit ihrer Schule und pflegen ein gutes Arbeitsklima. Die Schüler- und Elternschaft unterstützen die Schule. Die Lehrkräfte arbeiten an der Schulentwicklung mit und entwickeln schuleigene Arbeitspläne. Lehrkräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen sich als Team und leben ein hohes Arbeitsethos im Sinne der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler.

Das pädagogische Klima im Unterricht und darüber hinaus, die Eltern- und Schülerbeteiligung, die Kooperationen mit Kindertagesstätten, anderen Schulen und externen Partnern sowie das Verwaltungs- und Ressourcenmanagement sind vorbildlich."

Parallel zur 1150-Jahr-Feier der Gemeinde Lunestedt fand in der Zeit vom 1. bis 4. Juni 2010 unsere Projektwoche statt, die unter dem Oberthema "Wikinger" stand. Mehrere Tage lang folgten unsere Schülerinnen und Schüler den Spuren der Skandinavier, die gerne als Räuber, Raufbolde und tollkühne Seefahrer dargestellt werden. Vom Alltagsleben der Bauernfamilien in Nordeuropa ist hingegen nur wenig bekannt. Das sollte sich ändern und deshalb ging es in den ersten beiden Stunden des Tages meistens darum, im Klassenverband Informationen über die Wikinger zu sammeln, ehe dann nach der großen Pause in den klassenübergreifenden Gruppen praktisch gearbeitet wurde.

Während in einigen Räumen regelrechte Werkstätten eingerichtet wurden, in denen Schwerter und Schilde entstanden, wurden nebenan Wikingerhelme oder hübsche Produkte aus Leder und Filz hergestellt. Besonders groß war auch das Interesse an der Schmuckwerkstatt - allerdings nur bei den Mädchen. Handwerkliches Geschick war ohnehin gefragt, sowohl beim Verzieren von Ästen mit Runen als auch beim Basteln von Wikingerschiffen.

Da Wikinger gerne Wettkämpfe ausgetragen haben, durfte natürlich der Bereich Sport und Spiel nicht fehlen. Als besondere Attraktion entpuppte sich das Wikinger-Schach, das eigentlich "Kubb" heißt und sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen begeisterte. Zur Freude aller Beteiligten fand dann unser Ausstellungstag bei herrlichem Sommerwetter statt, sodass alle Stände im Freien aufgebaut werden konnten und die fantastischen Ergebnisse gründlich bewundert wurden.

135 Schülerinnen und Schüler hatten sich zum 1. Schultag eingefunden – das waren genauso viele wie im Vorjahr, aber trotzdem gab es im Schuljahr 2010/11 nur noch sechs Klassen, da sowohl im Jahrgang 1 als auch im Jahrgang 2 die Teilungsgrenze knapp verfehlt wurde. Insgesamt besuchten 67 Mädchen und 68 Jungen unsere Schule, von denen 13 in Heerstedt, 28 in Hollen und 94 in Lunestedt wohnten. Auffällig war die ungleiche Geschlechterverteilung in der 1. Klasse, denn dort saßen zwischen 20 Jungen nur 7 Mädchen.

Erfreulich war hingegen die Unterrichtsversorgung, die mit 104,1 Prozent sogar über dem Landesdurchschnitt lag und als kleines Trostpflaster für die verlorenen Zusatzstunden aus der Zeit der Vollen Halbtagsgrundschule angesehen wurde.

Zum Schuljahresende zeichneten sich dann plötzlich zwei Überraschungen ab. Die 1. Klasse bekam Zuwachs von verschiedenen Seiten (Zuzüge und Wiederholer) und somit war absehbar, dass die Teilungsgrenze überschritten wird, was eine Klassenteilung ermöglichte. Das gleiche „Schicksal“ ereilte zwei Wochen vor den Sommerferien die Klasse 2, die nun ebenfalls halbiert werden konnte und natürlich auch sollte.

Diese unerwartete Entwicklung hatte nicht nur zur Folge, dass Claudia Kaschorek nach Beendigung ihrer Elternzeit wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren konnte, denn durch den Anstieg von sechs auf acht Klassen fehlte uns für das kommende Schuljahr noch eine weitere Lehrkraft. Dank guter Beziehungen zum Kultusministerium gelang es dem für uns zuständigen Dezernenten, kurzfristig eine zusätzliche Planstelle zu beschaffen, die mit Benjamin Kudlik besetzt wurde, wodurch die Unterrichtsversorgung sichergestellt war.

Erstmals seit langer Zeit fanden in diesem Schuljahr keine größeren Baumaßnahmen statt. Aufgrund der Tatsache, dass es nur eine 1. Klasse gab, konnte der frei gewordene Raum, der für die Parallelklasse eingeplant war, als Betreuungsraum eingerichtet und genutzt werden. Erweitert wurde die Einrichtung unseres Förderraumes, der mit zusätzlichem Mobiliar und Material ausgestattet wurde und somit sowohl für Gruppenarbeit als auch für Fördermaßnahmen individueller Art oder im Rahmen des RIKs genutzt werden konnte.

Da bei einer Befragung durch die Samtgemeinde nur zwei Familien Interesse an einem Hortplatz bekundet hatten, konnte der für den Hort „reservierte“ Raum als Fernsehraum genutzt werden. Der für das Jahr 2011 geplante Umbau, der zur Ausgabe noch vorhandener Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II unbedingt durchgeführt werden sollte, musste dann allerdings gestrichen werden, weil durch die Teilung der Klassen in den Jahrgängen 1 und 2 neuer Raumbedarf entstanden war.

Raumbedarf bestand auch für die Kolleginnen, damit sie in Ruhe arbeiten oder Elterngespräche führen können. Da die ehemalige Hausmeisterwohnung im 1. Stock ohne erhebliche Investitionen nicht mehr vermietet werden konnte, wurde der Schulträger überredet, der Schule zwei Wohnräume zur Verfügung zu stellen. Dank eines günstigen Angebotes einer Firma aus Beverstedt wurden binnen kürzester Zeit zwei Räume renoviert und eingerichtet, die dann nicht nur als Arbeits- bzw. Beratungszimmer dienten, sondern gleichzeitig auch noch als Materiallager genutzt werden konnten, was unseren Lehr- und Lernmittelraum erheblich entlastete und zu mehr Übersichtlichkeit beitrug.

Für uns noch nicht von Bedeutung, aber landesweit heiß diskutiert wurde die beabsichtigte Einführung der Oberschule. Niedersachsen wollte sein dreigliedriges Schulsystem aufgeben und die Haupt- und Realschulen mittelfristig zu einer neuen Schulform vereinigen. So sollte auf lange Sicht ein zweigliedriges Schulsystem aus Oberschule und Gymnasium geschaffen werden. Während kommunale Spitzenverbände das Modell als Schritt in die richtige Richtung bewerteten, sah die Opposition im Landtag darin eine Benachteiligung für die Gesamtschulen, die allerdings vorerst als zusätzliches Angebot neben den Regelschulen bestehen bleiben sollten.

Die Oberschule sollte in zwei Formen angeboten werden, nämlich mit oder ohne Gymnasialangebot. Die Schüler werden von der fünften bis zur achten Klasse meist gemeinsam unterrichtet – außer in Deutsch, Mathematik und Englisch. Danach muss entschieden werden, welchen Abschluss ein Schüler machen will, um dann die Option auf das Abitur wählen zu können. Neue Gesamtschulen soll es nur noch in der Form von integrierten Gesamtschulen geben, die normalerweise fünfzügig geführt werden müssen.

Kurz vor Schuljahresende lagen dem Ministerium insgesamt 132 Anträge auf Einführung einer Oberschule vor, darunter auch sechs aus dem Landkreis Cuxhaven. In Bad Bederkesa, Beverstedt, Cadenberge, Dorum, Langen und Schiffdorf sollte die neue Schulform gestartet werden, aber nur Dorum bekam die Genehmigung für den begehrten Gymnasialzweig, für den es dann letztlich nur 15 Anmeldungen gab.

Seit Jahren hatte das Kultusministerium versprochen, die Arbeitszeit für Schulleiter neu zu regeln. Im Mai 2011 wurde dann endlich der entsprechende Verordnungsentwurf in die Anhörung gegeben, um sicherzustellen, dass „die Rahmenbedingungen des Berufsbildes an die Entwicklung der eigenverantwortlichen Schule angepasst werden“ – so formulierte es Kultusminister Bernd Althusmann. Die Aufgaben der Schulleiter seien in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden. Die Schulleiter würden deshalb mit der neuen Verordnung gestärkt werden, sagte Althusmann. Schulleiter sollten dem Entwurf zufolge abhängig von der Größe der Schule zu weniger Unterricht verpflichtet sein, wobei als Bemessungsgrundlage nicht mehr die Anzahl der Klassen, sondern die Lehrersollstunden dienen sollten. Den vollmundigen Versprechungen aus dem Ministerium folgte ein Sturm der Entrüstung aus den Schulen. Der Schreiber dieser Chronik wäre nach dem neuen Erlass nicht entlastet worden, sondern hätte eine Stunde mehr arbeiten müssen und war wohl nicht der Einzige, auf den das zutraf. Der landesweite Widerstand führte schließlich dazu, dass die geplante Verordnung während der Sommerferien unauffällig zurückgenommen und eine „Optimierung“ für das Frühjahr 2012 angekündigt wurde.

Erneut unter Beschuss geriet Kultusminister Althusmann, als im Sommer 2011 der Verdacht aufkam, dass er in Teilen seiner Doktorarbeit die Nutzung fremder Quellen verschleiert habe. Eine spezielle Kommission untersuchte den Plagiatsverdacht, während der Kultusminister jede Unterstellung einer Täuschung weiterhin entschieden zurückwies und auch nicht bereit war, sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. In Hannover wurde schon bald über mögliche Nachfolger und eine eventuelle Kabinettsumbildung im Herbst spekuliert, aber auch da war Herr Althusmann noch als Kultusminister tätig.

Aktiv war auch der Schulvorstand, wenngleich es dort weitaus unaufgeregter zuging. Im Vordergrund stand die Genehmigung diverser Konzepte, deren Überarbeitung – zum Teil wegen der Einführung der Verlässlichen Grundschule – notwendig geworden war. Neben dem Vertretungs- und dem Betreuungskonzept wurde auch über das Sicherheits- und Gewaltpräventionskonzept beraten. Dabei wurden die Vorgaben des Erlasses aus dem Schulverwaltungsblatt und deren Umsetzungsmöglichkeiten erörtert. Da das Präventionskonzept aus dem Jahr 2009 von der Schulinspektion für gut befunden worden war, bestand kein „schriftlicher Handlungsbedarf“. Beschlossen wurde allerdings eine engere Zusammenarbeit mit dem Präventionsrat der Samtgemeinde Beverstedt.

Abgeschlossen wurde auch die Evaluation der Kollegiumsbefragung, die zwar viele positive Ergebnisse gebracht hatte, aber auch an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotential aufzeigte. Aus diesem Grunde entschied sich das Kollegium, im kommenden Schuljahr eine Supervision unter der Leitung von Frau Ursel Gerdes aus Bremen durchzuführen.

Die ursprünglich schon für das letzte Schuljahr geplante Fortbildung zum Thema Kinesiologie, die dann leider von der Dozentin aus privaten Gründen verschoben werden musste, konnte im Oktober nun endlich stattfinden und wurde gemeinsam mit den vorschulischen Einrichtungen durchgeführt. Im Laufe des Nachmittags erfuhren wir nicht nur etwas über die Vorlieben der linken und rechten Großhirnhemisphäre bei der Verarbeitung von Reizen, sondern wir lernten auch, dass die Entwicklung der Stirnlappen durch unterschiedliche Stressoren eingeschränkt wird und dadurch Hyperaktivität ausgelöst wird. Glücklicherweise wurden zwischen den Theorieteilen immer wieder Beispiele für den schulischen Alltag eingestreut und da zwischendurch auch ein paar praktische Übungen auf dem Programm standen, verging die Zeit schneller als gedacht.

Eigentlich sollte – wie immer am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien – der “Große Regenbogen“ in der Turnhalle stattfinden, aber nachdem schon im November zweimal unsere Fahrradkontrolle wegen des schlechten Wetters ausgefallen war, fiel nun auch unsere traditionelle Jahresabschlussfeier den Witterungsverhältnissen zum Opfer. Aufgrund der gefährlichen Straßenverhältnisse hatte der Landkreis Cuxhaven bereits an den beiden vorherigen Tagen den Unterricht abgesagt und da sich das Wetter nicht gebessert hatte, mussten die Kinder nun erneut zu Hause bleiben, worüber die meisten sehr traurig waren, denn sie hatten sich gründlich auf ihre Auftritte vorbereitet, die nun leider ausfallen mussten. Auch die Lehrkräfte waren nicht begeistert, denn geplante Klassenarbeiten mussten ins neue Jahr verschoben werden und außerdem konnten wir uns nicht mehr von den Kindern verabschieden.

Wie katastrophal die Lage war, zeigt die Entscheidung der Landeschulbehörde, die eine für den Vortag geplante Schulleiterdienstbesprechung in Bremerhaven abgesagt hatte, um die Gesundheit der Schulleiterinnen und Schulleiter nicht zu gefährden. Die 80 Schokoladenweihnachtsmänner, die ursprünglich verteilt werden sollten, mussten nun im Kreishaus in Cuxhaven unter die Leute gebracht werden, worüber der eine oder andere Mitarbeiter bestimmt nicht traurig war.

Erstmals in diesem Schuljahr gab es keinen gemeinsamen Elternsprechtag für alle Klassen an einem  Tag, sondern die Elternberatung wurde auf drei Tage verteilt. Das brachte den Lehrkräften zwar zusätzliche Arbeitszeit ein, hatte aber den Vorteil, dass bei den Gesprächen jeweils zwei Kollegen (Klassenlehrer + Fachlehrer) gleichzeitig anwesend waren und die Eltern somit in einem gemeinsamen Gespräch auch unterschiedliche Gesichtspunkte ausführlich besprechen konnten. Die Resonanz auf dieses neue „Verfahren“ war in der Elternschaft äußerst positiv und so wurde beschlossen, dieses Organisationsmodell auch im kommenden Jahr wieder anzubieten.

Zwei weiße Kugeln sind so schwer wie eine schwarze Kugel und drei rote Kugeln sind so schwer wie eine weiße Kugel. Wie viele rote Kugeln sind so schwer wie zwei schwarze Kugeln? Diese Aufgabe stammt aus der MONI (Mathe-Olympiade Niedersachsen), an deren erster Runde im November 51 Schülerinnen und Schüler unserer 3. und 4. Klassen teilnahmen. 37 von ihnen qualifizierten sich für die zweite Runde und in der Landesrunde im März waren dann immerhin noch 14 Dritt- und Viertklässler im Rennen, die für ihre guten Leistungen alle mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden.

Nachdem sich unsere Schule mehrmals an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ beteiligt hatte, wurde in diesem Jahr für die Toys Company gesammelt, die gebrauchtes Spielzeug aufarbeitet, das dann hinterher wie neu aussieht. Den Kontakt zu der Langener Übungsfirma hatte der Schulelternrat hergestellt. Das soziale Projekt der ARGE Cuxhaven und der DEKRA-Akademie schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits qualifiziert es Arbeitssuchende im Betrieb, andererseits wird Hartz-IV-Beziehern ermöglicht, monatlich pro Person drei Teile von den (gereinigten und eingeschweißten) Sachen für  ihre Kinder unentgeltlich zu holen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen in ihren Kinderzimmern mächtig aufgeräumt haben, denn die Sammelkiste auf der Bühne in der Pausenhalle war ruck zuck gefüllt und daneben stapelten sich schon bald Berge von Spielzeug und Kuscheltieren.

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Zwei Wochen später waren ganz andere Leute auf die Idee gekommen, in unserer Schule nach „Geschenken“ zu suchen, wobei es ihnen allerdings nur um Bargeld ging. Mit einem großen Stein wurde ein Fenster im Lehrerzimmer eingeworfen, das Fenster geöffnet und der komplette Verwaltungstrakt durchsucht. Verschlossene Zimmertüren wurden eingetreten, abgeschlossene Büromöbel aufgebrochen, sämtliche Schränke und Fächer durchsucht. Mitgenommen wurden nur Geldscheine, während Geldstücke achtlos auf den Fußboden geworfen und Computer etc. gar nicht erst angetastet wurden. Insgesamt erbeuteten die Einbrecher weniger als 150 Euro, während der Sachschaden nach Schätzung der Polizei bei rund 5000 Euro lag. Glück im Unglück hatten wir, weil keine Geräte beschädigt wurden und auch die vielen Ordner im Sekretariat nicht angetastet wurden. Wäre bei den Eindringlingen die Zerstörungswut ausgebrochen, hätten wir die Hälfte der Osterferien damit zugebracht, alles wieder zu ordnen und einzusortieren. So sind wir mit einem blauen Auge davongekommen und der vom Schulträger ohnehin schon angedachte Einbau einer Alarmanlage wurde plötzlich wieder zum aktuellen Gesprächsthema.

Nachdem unsere Bundesjugendspiele zwei Tage zuvor noch bei strahlend blauem Himmel stattgefunden hatten, war die Wetterlage beim Sommerfest am 29. Juni nicht allzu sommerlich und so musste die Veranstaltung dann auch tatsächlich wegen eines Regenschauers kurz unterbrochen werden, was der guten Laune aber nicht schadete.

Das Beschäftigungsangebot war in diesem Jahr ohnehin besonders groß. Die einzelnen Klassen hatten nicht nur einen Stand aufgebaut, sondern hielten teilweise gleich eine ganze Palette an Angeboten bereit. Hinzu kam, dass noch ein paar "Selbstgänger" aufgestellt wurden, sodass die Beschäftigungsmöglichkeiten so zahlreich wie noch nie waren.

Wer es sportlich liebte, konnte sich beim Dosen- oder Schwammwerfen versuchen bzw. beim Puttwettbewerb den Golfschläger schwingen. Viel Geschick war auch beim Niedrigseilparcours oder auf dem Waveboard erforderlich. Kraft und ein gutes Reaktionsvermögen brauchte man an der Erbsenschlagmaschine, während beim Angelspiel eher Glück und Geduld im Vordergrund standen.

Wer es ruhiger angehen lassen wollte, war beim Fühlparcours zu finden oder bastelte Kopfschmuck am Indianerstand. Neben zahlreichen weiteren Angeboten kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz, denn etliche Eltern hatten wieder ein umfangreiches Frühstücksbüfett aufgebaut und der ständig umlagerte Waffelstand durfte natürlich auch nicht fehlen.

Parallel zu unserem Sommerfest wurde wieder ein Sponsorenlauf veranstaltet, an dem sich auch die angehenden Abc-Schützen des Kindergartens beteiligten. In diesem Jahr wurde das Geld für ein Hilfsprojekt in Ruanda gesammelt, das unsere Kollegin Frauke Wöltjen sich im letzten Jahr während ihres Urlaubs angesehen hatte. Da seit Tagen in unserer Pausenhalle diverses Informationsmaterial und viele persönliche Fotos ausgestellt waren, war der Ehrgeiz bei den Kindern natürlich besonders groß. So war es auch kein Wunder, dass etliche Läuferinnen und Läufer mehr als zehn Runden um den Sportplatz liefen. Insgesamt wurden fast 2400 Euro erlaufen, womit das Spendenergebnis des Vorjahres übertroffen wurde.

 

Lunestedt, im Oktober 2011

Dieter Henken

 

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