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Von der Dorfschule Westerbeverstedt zur Mittelpunktschule Lunestedt


Rückblick auf die schulischen Verhältnisse vor 1866

Das Schulwesen zu verbessern, war eines der Anliegen der lutherischen  Reformation. Derartige Bestrebungen, die sich im 16. und 17. Jahrhundert  zunächst nur in den Städten auswirkten, wurden auch für die Gemeinden der damaligen Herzogtümer Bremen und Verden, die zu dieser Zeit unter schwedischer Herrschaft standen, bedeutungsvoll. Im Jahre 1651 wurde in Stade ein Konsistorium eingerichtet, dem das Kirchen- und Schulwesen  unterstellt wurde. „Einer der Leiter dieses Konsistoriums, der Superintendent  Dr. Johannes Diekmann, der von 1683 bis 1720 im Amte war, kann geradezu als „Schöpfer des bremisch-verdischen Landschulwesens“ angesehen werden.  Bald nach seinem Dienstantritt erließ er eine „Verordnung über das Landschulwesen“, deren Durchführung Dr. Diekmann rührig überwachte.  Es wurde bestimmt, daß, soweit noch nicht bestehend, in jedem Kirchorte  eine Sommer- und Winterschule mit festangestelltem Lehrer einzurichten sei. Schulpflichtig waren alle Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahre, der Unterricht solle werktäglich gehalten werden und sechs Stunden dauern, mittwochs  und sonnabends drei Stunden. Lehrgegenstand waren: der Katechismus, Kernsprüche aus der Bibel, Kirchenlieder mit ihren Singweisen, Schreiben, Lesen geschriebener und gedruckter Schrift und Rechnen. Die Schule unterstand dem Ortsgeistlichen, der sie mindestens einmal in der Woche zu besuchen hatte.“ (Auszug aus: Dr. W. Stölting, Westerbeverstedt – 1100 Jahre Geschichte eines niedersächsischen Dorfes, 1960, S. 56)

Für Nebenorte, zu denen auch Westerbeverstedt zählte, war die  Durchführung des Unterrichts entsprechend den örtlichen Gegebenheiten freizügiger. Wann in Westerbeverstedt eine Schule eingerichtet wurde,  konnte noch nicht genau festgestellt werden. Jedenfalls ist urkundlich nachzuweisen,  daß von 1773 bis 1793, vermutlich bis 1800, der Schullehrer Ludolph Christopher Papen in Westerbeverstedt unterrichtete. Doch es gibt einen früheren Hinweis auf die Schulgeschichte aus dem (heutigen) Ortsteil Freschluneberg: die Schenkungsurkunde des Johann Lübken vom 13. Dezember 1725, in der Johann Lübken der Schule in Freschluneberg 50 Reichstaler vermachte. Die jährlichen Zinsen von 2,5 Talern sollte der Lehrer zu seinem vorwiegend aus Naturalabgaben bestehenden Einkommen erhalten.

Ludolph Christopher Papen war von der Westerbeverstedter Dorfschaft und  dem Pastoren des Kirchortes Beverstedt als Lehrer eingesetzt worden. Er unterrichtete anfänglich in angemieteten Räumen, u.a. in der Dönz eines Bauernhauses, besaß aber um 1793 ein eigenes Schulhaus. Vermutlich war es ein angemietetes Haus, noch nicht das Haus Nr. 29 „Alte Schule“, das sich heute im Besitz der Familie Johann Bock befindet.

Schule wurde damals nur im Winter gehalten. Das Beheizen des Gebäudes wurde abwechselnd von den Kindern besorgt. Auch mußte für jedes Kind 18 Grote (1 Grot = etwa 4 Pfennige) im Jahr gezahlt werden. Die Anzahl der Schüler mag in dieser Zeit etwa 30 betragen haben. Da nur im Winter unterrichtet wurde, dürfte es zutreffen, daß der Schullehrer – wie auch andere Einwohner – im Sommer nach Holland oder Ostfriesland gingen, um in dieser Jahreszeit dort Geld zu verdienen.

Als Nachfolger von Lehrer Papen wird für das Jahr 1800 Hermann Böschen benannt, der im Dorf 51 Jahre als Lehrer tätig war. Er war in Westerbeverstedt geboren und besaß eine kleine Anbauerstelle, die er nebenbei bearbeitete. Zu seiner Zeit war das Gehalt bis zu 50 Taler im Jahr gestiegen. Zusätzlich erhielt der Lehrer jährlich Naturalleistungen, je Kind ein Schwarzbrot und eine Mettwurst.

Nach 1848 wurde durch die Aufsichtsbehörde, der Superintendent Wiedemann in Beverstedt angehörte, beabsichtigt, für Freschluneberg und Westerbeverstedt eine gemeinsame Schule zu errichten. Diese Schule hätten etwa 50 Westerbeverstedter und 40 Freschluneberger Kinder besucht. Der Standort des neuen Gebäudes sollte etwa in der Mitte zwischen beiden Ortschaften liegen, so daß der Schulweg für alle Kinder vertretbar gewesen wäre. Die Beratungen über diesen Plan verliefen jedoch ohne Ergebnis, so daß 1850 die „Kirchenkommission für Beverstedt“ nach Stade berichten mußte, daß keine Einigung erzielt werden konnte, weil Westerbeverstedt auf seinem Recht bestand, eine eigene Schule zu besitzen.

Nachfolger von Lehrer Böschen wurde 1851 der Lehrer Claus Wellbrock. Er erteilte im Winter 30 Stunden und im Sommer 18 Stunden Unterricht wöchentlich. Die Schüler, insbesondere die älteren Jungen, wurden in der Erntezeit als Hilfskräfte benötigt. Sie wurden aber auch zum Hüten der großen Schafherden benötigt. Die Schule war in der damaligen Zeit noch nicht so wichtig.

In den 60er Jahren wurde die Schule gleich zweimal vom Unglück verfolgt: Es ist nicht zu klären, ob es an den Wohnverhältnissen im Schulhaus oder an der jeweils persönlichen Veranlagung lag, daß der Lehrer Wellbrock 1863 und sein Nachfolger Johann Schade 1866 an der Schwindsucht starben, Wellbrock im Alter von 31 Jahren, Schade im Alter von 26 Jahren. Johann Schade war vor seiner Bewerbung nach Westerbeverstedt Lehrer an der Freschluneberger Schule.



Die Schulentwicklung von 1866 bis 1945

Der neu gewählte Lehrer Hermann Brandt trat am 14. Oktober 1866 sein Amt an, das er bis 1907 versah. In der Zwischenzeit war Hannover preußisch geworden. Am 1. Oktober 1867 traten auch preußische Gesetze an die Stelle der hannoverschen, die im schulischen Bereich zunächst noch nicht zu Änderungen führten. Die ständig steigende Anzahl der Schüler veranlaßte Lehrer Brandt im Jahre 1873, auf die Notwendigkeit einer Schulerweiterung hinzuweisen. Ein Umbau erfolgte 1874, doch für etwa 70 Schüler war die Schule immer noch zu klein.

Im Jahre 1897 wurde der nächste Schritt zu Verbesserung der Schulverhältnisse unternommen. Die inzwischen alte Schule mit einem Raum für 87 Kinder war in räumlicher wie in hygienischer Hinsicht nicht mehr den Anforderungen gewachsen. Auf 14 Bänken von je 2,40 m Länge mußten jeweils fünf bis sieben Schüler sitzen. Nur ein Neubau konnte hier noch Abhilfe schaffen. Er wurde zur wichtigsten Gemeinschaftsaufgabe des Ortes und konnte im Oktober 1901 fertiggestellt werden.

Das Schulwesen zu verbessern, war eines der Anliegen der lutherischen  Reformation. Derartige Bestrebungen, die sich im 16. und 17. Jahrhundert  zunächst nur in den Städten auswirkten, wurden auch für die Gemeinden der damaligen Herzogtümer Bremen und Verden, die zu dieser Zeit unter schwedischer Herrschaft standen, bedeutungsvoll. Im Jahre 1651 wurde in Stade ein Konsistorium eingerichtet, dem das Kirchen- und Schulwesen  unterstellt wurde. „Einer der Leiter dieses Konsistoriums, der Superintendent  Dr. Johannes Diekmann, der von 1683 bis 1720 im Amte war, kann geradezu als „Schöpfer des bremisch-verdischen Landschulwesens“ angesehen werden.  Bald nach seinem Dienstantritt erließ er eine „Verordnung über das Landschulwesen“, deren Durchführung Dr. Diekmann rührig überwachte.  Es wurde bestimmt, daß, soweit noch nicht bestehend, in jedem Kirchorte  eine Sommer- und Winterschule mit festangestelltem Lehrer einzurichten sei. Schulpflichtig waren alle Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahre, der Unterricht solle werktäglich gehalten werden und sechs Stunden dauern, mittwochs  und sonnabends drei Stunden. Lehrgegenstand waren: der Katechismus, Kernsprüche aus der Bibel, Kirchenlieder mit ihren Singweisen, Schreiben, Lesen geschriebener und gedruckter Schrift und Rechnen. Die Schule unterstand dem Ortsgeistlichen, der sie mindestens einmal in der Woche zu besuchen hatte.“ (Auszug aus: Dr. W. Stölting, Westerbeverstedt – 1100 Jahre Geschichte eines niedersächsischen Dorfes, 1960, S. 56)


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                                                           Alte Schule vor 1901


Über die Einweihung der neuen Schule am 20. Oktober 1901 berichtet die Schulchronik wie folgt: „Am Morgen desselben Tages versammelten Lehrer und Schüler sich in dem alten Schullokal, woselbst sich auch die Schulvorsteher und viele Glieder der Gemeinde eingefunden hatten. Der Lokalschulinspektor Pastor Böschen aus Beverstedt erschien ebenfalls. Nach Gesang und Gebet wurde von demselben eine Abschiedsrede gehalten, welche recht zu Herzen gehend war. Hierauf wurde zum Schluß noch gesungen: ´Unsern Ausgang segne Gott´. Nun wurde das alte Schullokal verlassen und in einem geschlossenen Zuge unter Gesang ging es nach dem neuen Schulhause hin. Nachdem nun noch vor demselben ein Gesang gesungen war, wurde nun das neue Schullokal betreten. Nach einer feierlichen Einweihungsrede wurde wieder gesungen, worauf dann die Gemeinde sich entfernte und der Lehrer seinen Unterricht mit den Schülern in der neuen Schule beginnen konnte.“

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Schüler der Volksschule Westerbeverstedt 1907


Nach dem Tode Lehrer Brandts im Jahre 1907 übernahm Lehrer Seeger die Leitung der seit 1906 zweiklassigen Schule. Im Jahre 1913 wurde mit dem Lehrer Backhaus die 1. Lehrerstelle an der Schule Westerbeverstedt besetzt, an der er bis 1936 als Lehrer und Schulleiter tätig war. Unterbrochen wurde seine Lehrertätigkeit durch seine Einberufung während des 1. Weltkrieges. Ab Dezem-ber 1918 war er wieder als 1. Lehrer im Schuldienst. Sein Nachfolger wurde am 1. April 1937 der Lehrer Johannes von dem Knesebeck.

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen veränderte sich die Anzahl der Schüler nur wenig. Sie muß sogar als leicht rückläufig bezeichnet werden, wie aus folgendem Überblick ersichtlich: 1918 - 116 Schüler, 1920 – 96 Schüler, 1925 – 110 Schüler, 1927 – 106 Schüler, 1929 – 97 Schüler, 1934 – 96 Schüler, 1939 – 80 Schüler.

Den vollen Ernst des 2. Weltkrieges erfuhren die Einwohner Westerbeverstedts jäh am Abend des 9. November 1942, als etwa 500 Brandbomben und eine Luftmine über dem Gemeindegebiet abgeworfen wurden. Die westlich des Schulgebäudes explodierende Luftmine zerstörte das Schulhaus mit der Lehrerwohnung teilweise. „Der schwerste Verlust (für die Gemeinde) war jedoch der Tod des Lehrers von dem Knesebeck, der vor dem Schulhause den Wirkungen der Luftmine erlag.“ (Dr. W. Stölting, a.a.O.,S.72)

Bis zum Frühjahr 1945 wurden die Schüler in dem zur Hälfte zerstörten Schulhaus von Lehrkräften der Nachbargemeinden mitbetreut. Es soll zeitweise nur an drei Tagen in der Woche Unterricht erteilt worden sein. Erwähnt werden die Lehrerinnen Frau Ahlers und Frau Langer sowie die Lehrer Herr Cordts und Herr Glüsen.

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Durch Bombe zerstörte Schule in Westerbeverstedt (09.11.1942)


Von der Dorfschule zur Mittelpunktschule

Im Jahre 1945 konnte der Unterricht erst am 15. Oktober wieder aufgenommen werden. Die Aufgabe, unter kaum vorstellbaren Bedingungen Kinder zu unterrichten, übernahm damals Lehrer Oswald Luttkus. Herr Luttkus, als Flüchtling aus dem Memelland gekommen, war am 3. Oktober 1945 an die Schule versetzt worden. In dem zur Hälfte zerstörten Schulgebäude mußten zunächst einmal die räumlichen Voraussetzungen für den Unterricht geschaffen werden. Ein besonderes Problem ergab sich aus der Tatsache, daß die Schüler  -  sowohl einheimische wie auch evakuierte und die Kinder der Flüchtlinge  -  in der voraufgegangenen Zeit unzureichend oder gar nicht unterrichtet worden waren. Vor allem aber mußte Herr Luttkus bis zum 15. März 1946, bis der Lehrer Herbert Bartusch zu seiner Entlastung kam, etwa 150 Schüler betreuen!

Nur eine kurze Zeit, vom November 1946 bis zum März 1947, war auch der Lehrer Karl Füssel an der Schule tätig. Er war aus Freschluneberg gekommen und nach 5 Monaten an die Volksschule Nesse versetzt worden. Für diese kurze Zeitspanne darf das Lehrer-Schüler-Verhältnis von 3 zu 150 für damalige Verhältnisse als Ausnahme angesehen werden, denn es sollte noch bis Ostern 1950 dauern, bis die 3. Lehrerstelle wieder besetz wurde. Bis dahin stieg die Anzahl der Schüler auf 182! Doch zuvor, im Januar 1950, wurde Lehrer Bartusch an die Schule in Wulsbüttel versetzt. An seine Stelle trat im Februar 1950 der Lehrer Emil Bieder. Zu Ostern 1950 wurde dann mit dem Lehrer Karl Döbler auch die 3. Lehrerstelle besetzt.

Bevor zu Beginn des Jahres 1950 endlich das damals erneuerte Schulgebäude mit einem dritten Klassenraum und einer dritten Lehrerwohnung voll zur Verfügung stand, waren  -  vor allem in den ersten Nachkriegsjahren  -  viele Schwierigkeiten zu überwinden, wie z.B. die Zustimmung der Militärregierung für den Ausbau des Schulgebäudes, die Beschaffung fehlender Baumaterialien, die Finanzierung der Baumaßnahmen insbesondere durch die Währungsreform 1948.

Ein weiteres Problem dieser Zeit sollte nicht in Vergessenheit geraten:  der Ernährungszustand der Kinder. Bei einer ärztlichen Untersuchung, die am 11. Juni 1947 an 162 Kindern vorgenommen wurde, zeigte sich, daß nur 10 Kinder als gut ernährt angesehen werden konnten (Ernährungszustand Gruppe 1), dagegen 96 Kinder als unzureichend ernährt (Gruppe 3) bezeichnet wurden. Dieser 3. Gruppe gehörten somit über 59% aller Schulkinder an! Die vorgesehene Hoover-Schulspeisung fand jedoch erst ein Jahr später statt. Im Sommer 1948 erhielten 146 speisungsberechtigte Schüler (Normalverbraucher und Teilselbstversorger) an 11 Speisetagen die zugewiesenen Portionen. Eine zweite Speisungsaktion sollte in den Sommerferien erfolgen, doch sie konnte nicht durchgeführt werden. In der Schulchronik ist hierzu vermerkt: „Leider mußte die 2. Speisung eingestellt werden, weil der größte Teil der Eltern den Preis von 25 Pfennig pro Portion nicht bezahlen konnte.“

Ab Ostern 1950 war die Schule vierklassig. Jeweils gemeinsam unterrichtet wurden die Jahrgänge 1 und 2, 3 und 4, 5 und 6 sowie 7 und 8. Diese vier Klassen (1961: 143 Kinder)  mußten  jedoch  von  3 Lehrkräften versorgt werden.

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Neue Schule um 1960


Am 1. April 1961 trat die Lehrerin z.A. Frau Marianne Hein (später Frau Pfeiffer) ihren Dienst an, so daß jede Klasse mit einem Klassenlehrer bzw. einer Klassenlehrerin versorgt war. Allerdings mußte Frau Hein wegen des fehlenden vierten Klassenraumes zunächst vorwiegend nachmittags unterrichten.

Mit der Ankündigung des 9. Pflichtschuljahres zu Ostern 1962 wurde eine Weiter-entwicklung der Volksschule Westerbeverstedt sowohl in organisatorischer wie auch in räumlicher Hinsicht erforderlich, da sie auf Grund ihrer Lage für eine Beschulung der 14- und 15jährigen Schüler aus den Nachbarorten Heerstedt, Freschluneberg, Hollen und Heise in Frage kam. So erwies es sich als richtig, daß bereits Anfang 1960 der Gemeinderat einen Erweiterungsbau mit 2 Klassen- und 2 Gruppenräumen beschlossen hatte. Dieser 1. Neubauabschnitt wurde im Januar 1962 bezugsfertig. Damit verfügte die Schule  über  5 Klassenräume  und 2 Gruppenräume. Für die Einführung des 9. Schuljahres reichten aber die inzwischen vorhandenen Räumlichkeiten nicht aus.  Deshalb  wurde  sogleich ein 2. Neubauabschnitt geplant und auch erstellt, mit dem 2 weitere Klassenräume und vor allem eine Lehrküche mit Servierraum und ein Werkraum entstanden. Dieser 2. Erweiterungsbau konnte am 1. März 1963 eingeweiht werden. In den Herbstferien 1963 erfolgte dann die Umgestaltung eines Klassenraumes im 1901 errichteten Altbau in einen Naturlehreraum.

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Die Erweiterung der Westerbeverstedter Schule wurde 1960 mit der bevorstehenden Einführung des 9. Schuljahres geplant. Das Foto zeigt bei der Vorstellung des Schulmodells mit den Neubauabschnitten 1 und 2 (von links nach rechts): Hr. Architekt Otten, Hr. Bürgermeister Ahrens, Hr. Oberkreisdirektor Kleemeyer, Hr. Schurat Speckhahn, Hr. Amtsrat Gieseke und Hr. Kreisrat Wrede.

Mit der Einführung des 9.Schuljahres ab Ostern 1962 besuchten die Schüler dieses Unterrichtsjahrgangs aus den benachbarten vier Orten gemeinsam mit den ortsansässigen Schülern die Schule Westerbeverstedt, nunmehr eine Mittelpunktschule. Schon bald folgte auch die Aufnahme der 7. und 8. Unterrichtsjahrgänge aus Hollen und Heise im Herbst 1962 und aus Freschluneberg zu Ostern 1963. Damit sollten die überfüllten Schulen dieser drei Nachbarorte entlastet und in Westerbeverstedt ab dem 7. Unterrichtsjahrgang Jahrgangs-klassen eingerichtet werden.

Nach den Sommerferien 1963 wurden auch die 5. und 6. Unterrichtsjahrgänge aus Hollen und Heise an die Mittelpunktschule (MPS) abgeschult. Von diesem Zeitpunkt an wurde an der MPS Westerbeverstedt vom 5. bis zum 9. Unterrichtsjahrgang in Jahrgangsklassen unterrichtet. Die Schule galt damit als vollausgebaute Mittelpunktschule  -  eine der ersten im Landkreis Wesermünde.

Für die Heiser und Hollener Schüler war eine Schulbusverbindung nach Westerbeverstedt eingerichtet worden. Träger der Schülerbeförderung war der Landkreis.

Mit der Fertigstellung der Schulturnhalle als 3. Neubauabschnitt im Februar 1967 war der letzte notwendige Fachraum geschaffen worden. Der Sportunterricht konnte nun auch bei ungünstiger Witterung und vor allem im Winter ohne Probleme stattfinden. Das behelfsmäßige Turnen in der damals noch nicht vergrößerten Pausenhalle am Lüneburger Stegel und auf einigen Matten hatte damit ein Ende.

Trotz der drei erstellten Erweiterungsbauten ab 1962 war die Mittelpunktschule im August 1967 nicht mehr in der Lage, jeder der inzwischen 9 Klassen einen Klassenraum zuweisen zu können. So mußten außer den 6 Klassenräumen auch der Naturlehreraum, der Werkraum und der Servierraum der Lehrküche zugleich als Klassenräume genutzt werden, was die Fachraumnutzung erschwerte. Die Raumenge mußte in Kauf genommen werden, denn nur so ließ sich der Nachmittagsunterricht vermeiden, der für die Fahrschüler aus Hollen und Heise ohnehin nicht möglich gewesen wäre.

Auch durch den Zusammenschluß der Gemeinden Westerbeverstedt und Freschluneberg zur neuen Gemeinde Lunestedt am 1. Juli 1968, dem ab August 1968 die Eingliederung der bisher selbständigen Volksschule Freschluneberg in die Mittelpunktschule (ab jetzt MPS Lunestedt) folgte, entspannte sich die Raumsituation nicht, denn mit den 2 Klassenräumen wurden auch 2 weitere Klassenverbände aus Freschluneberg übernommen, so daß das vorhandene Raumdefizit blieb.

Der vom Rat der Gemeinde Westerbeverstedt bereits im November 1967 beschlossene 4. Neubauabschnitt mit 4 Klassen- und 4 Gruppenräumen muß deshalb  - wie auch die früheren Planungen und Bauten zur Schulerweiterung  -  als eine richtig erkannte Maßnahme zur Verbesserung der Schulraumsituation gewürdigt werden. Doch modernere Schulkonzeptionen, die mindestens sechs-zügige Schulzentren forderten (d.h. Schulen mit 6 oder mehr Klassen je Jahrgang ab Klasse 5), bestimmten zwischenzeitlich die Schulbauplanung. Eine derartige Schule sollte in dem zentraler gelegenen Nachbarort Beverstedt entstehen, zumal an der größeren MPS Beverstedt bereits ein Realschulzug eingerichtet worden war.

Nach der nunmehr neuen Schulbauplanung sollte die MPS Lunestedt in den folgenden Jahren in eine zweizügige Mittelpunktgrundschule mit den Jahrgangs-klassen 1 – 4 für den bisherigen Einzugsbereich Lunestedt und Hollen/Heise umgewandelt werden. Da für diese Schule nur 8 Klassen vorgesehen waren, konnte der 4. Neubauabschnitt nur noch mit 2 Klassen- und 2 Gruppenräumen gebaut werden. Daß dieser letzte Erweiterungsbau für eine zukünftige Mittelpunktgrundschule zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch entstehen konnte, war sicher auch dem Verhandlungsgeschick der zuständigen Gemeindevertreter zu verdanken. – Im September 1973 war dieser Erweiterungsbau bezugsfertig.

Mit den nunmehr 8 Klassenräumen, die ab dem Schuljahr 1973/74 zur Verfügung standen, hatte sich die Schulraumsituation aber keineswegs entspannt, denn es mußten inzwischen 14 Klassenverbände mit insgesamt 352 Schülern der Unterrichtsjahrgänge 1 – 9 aus dem Einzugsbereich Lunestedt und Hollen/Heise betreut werden. Aus diesem Grund erfolgte die Auslagerung von 3 Klassen. Zwei Klassen bezogen die Räume des Freschluneberger Schulgebäudes und eine Klasse den Unterrichtsraum der inzwischen aufgelösten Hollener Schule. Die in Hollen untergebrachten Schüler (aus Lunestedt) mußten mit ihrer Klassenlehrerin Frau Wilma Stein täglich mit einem zusätzlichen Schulbus befördert werden. Trotz der Nutzung der Außenstellen in Freschluneberg und Hollen fand der Sportunterricht für die 3 ausgelagerten Klassen in der Schulturnhalle statt.

An der MPS Lunestedt waren zwischenzeitlich insgesamt 17 Vollzeit-, Teilzeit- und nebenberufliche Lehrkräfte tätig. Für die 14 Klassen standen aber nur 12 Klassenlehrer zur Verfügung, so daß zwei Lehrer die gleichzeitige Betreuung von jeweils 2 Klassen übernahmen. Herr Walter Staats, bis 1972 Leiter der Volksschule Hollen und seit seinem Wechsel an die MPS Lunestedt zum Schuljahr 1972/73 Konrektor, übernahm die Klassenführung der Klassen 1a und 1b mit insgesamt 49 Schülern. Herr Kurt Stein, bis 1968 Leiter der Volksschule Freschluneberg und danach Lehrer an der MPS, betreute die Klassen 2a und 2b mit insgesamt 56 Schülern. Besonders zu erwähnen ist, daß Herr Stein auf Grund des Lehrermangels in dieser Zeit über seinen Pensionierungszeitpunkt hinaus weiter in der Schule unterrichtete und diese Doppelbelastung auf sich nahm. Am Ende des Schuljahres, im Sommer 1974, schied er aus dem Schuldienst aus.

Mit Beginn des Schuljahres 1973/74 bestand die vollausgebaute Mittelpunktschule 10 Jahre. Zugleich war sie inzwischen die einzige Schule für alle Grund- und Hauptschüler aus dem Einzugsbereich der ehemaligen Volksschulen Westerbeverstedt, Freschluneberg, Hollen und Heise geworden. An der Entwicklung der zunächst einklassigen Schule (1945) zur 14klassigen Schule (1973) konnte der langjährige Schulleiter Oswald Luttkus, seit 1965 Rektor an der MPS, nur bis 1970 mitwirken. 1971 mußte Herr Luttkus aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig den Ruhestand antreten. Zu seinem Nachfolger wurde am 1. Februar 1972 der bisherige Konrektor Klaus Dieckmann ernannt.

Im folgenden Schuljahr 1974/75 begann der seit Jahren angekündigte Abbau der Oberstufenklassen. Die Abschulung des 7. Jahrgangs (7. Hauptschulklasse) an das Schulzentrum in Beverstedt (Mittelpunktschule mit Realschulzug) war zu diesem Zeitpunkt ein Vorgriff auf die erst für 1975 geplante Zusammenlegung von Oberstufenklassen (Sekundarstufe I). Doch mit dem Verbleib dieser 7. Jahr-gangsklasse hätte eine 15. Klasse an der MPS Lunestedt eingerichtet werden müssen. Das hätte zu einer weiteren räumlichen Einengung geführt. 



Von der Mittelpunktschule zur Mittelpunktgrund- und Vollen Halbtagsschule

Zum Schuljahresbeginn 1975/76 wurde die Orientierungsstufe am Schulzentrum in Beverstedt eingeführt. Diese neue Schulstufe umfaßte die 5. und 6. Unterrichtsjahrgänge.  Im Bereich der Samtgemeinde Beverstedt wechselten damit von diesem Zeitpunkt an alle Schüler ab Klasse 5 an das Schulzentrum. Zugleich wurde durch den Beginn dieser Regelabschulung die Schülerbeförderung zur MPS Lunestedt und zum Schulzentrum in Beverstedt zu einer durchgehenden Linienverbindung (Hollen – Lunestedt – Beverstedt) erweitert. Eine Verlegung der Unterrichtszeiten, d.h. ein späterer Unterrichtsbeginn an der MPS Lunestedt war die Folge.

Mit der Abschulung der 5. Unterrrichtsjahrgänge an die Orientierungsstufe im Schulzentrum Beverstedt war für die MPS Lunestedt zugleich das Auslaufen der seit 1969 bestehenden zweizügigen Förderstufe (5. und 6. Unterrichtsjahrgänge) verbunden. Der Unterricht in klassenübergreifenden Leistungskursen in den Fächern Englisch und Mathematik, je Jahrgang i.d.R. drei Kursangebote je Fach, konnte für das Schuljahr 1975/76 somit nur noch in den Klassen 6a und 6b durchgeführt werden.

Die 1974 und 1975 mit der Abschulung von Unterrichtsjahrgängen an das Schulzentrum Beverstedt begonnene Umwandlung der MPS Lunestedt zur zweizügigen Mittelpunktgrundschule sollte zum Schuljahresbeginn 1976/77  -  schneller als erwartet  -  beendet sein. Nach der Abschulung des 7. Jahrgangs (7. Hauptschulklasse) schon im November 1975 folgte die Abschulung der Klassen 6a und 6b am Ende des Schuljahres mit dem Beginn der Sommerferien 1976.

Ab August 1976 besuchten somit nur noch 230 Grundschüler die MPS Lunestedt. Für sie waren insgesamt 9 Vollzeit-, Teilzeit- und nebenberufliche Lehrkräfte an der Schule tätig. Raumprobleme gab es jetzt nicht mehr, doch Sorgen bereitete wieder einmal die Lehrerversorgung, die mit einem Fehl von 12,7 %  nicht dem Bedarf entsprach, schon gar nicht in Vertretungsfällen. Daß die Abschulung von Schülern wiederum eine Abordnung von Lehrkräften an das Schulzentrum in Beverstedt zur Folge hatte, war für das Kollegium keineswegs erfreulich, denn jede Lehrkraft wollte gern in Lunestedt bleiben, auch wenn es galt, ausschließlich in der Grundschule zu unterrichten.
Die günstige Raumsituation sollte nach zwei Jahren vorerst wieder beendet sein. Wegen der räumlichen Enge im benachbarten Beverstedter Schulzentrum wurden im Schuljahr 1978/79 drei 7. Realschulklassen an die Mittelpunktgrundschule Lunestedt ausgelagert. Der eigentliche Anlaß zu dieser Maßnahme waren Verzögerungen bei der Fertigstellung neuer Schulgebäude in Beverstedt.

Die drei Realschulklassen wurden im Altbau untergebracht. Ihnen standen  somit 2 Klassenräume und der Naturlehreraum zur Verfügung, für  den Fachunterricht natürlich auch der Werkraum, die Lehrküche und die Turnhalle einschließlich Hartplatz und Schulsportplatz. Für  die Lehrer und Schüler der Grundschule bedeutete diese „Einquartierung“, daß  -  wie in früheren Jahren  -  Nebenräume (Servierraum und Gruppenräume) als Klassenräume genutzt werden mußten.

Die zunächst geäußerten Bedenken gegen eine Einlagerung  der Beverstedter Klassen erwiesen sich als unbegründet. Auch die Realschüler, die aus allen Orten der Samtgemeinde Beverstedt nach Lunestedt gefahren wurden, sowie ihre Lehrkräfte hatten bald an ihrer Auslagerung nichts mehr auszusetzen. Im Gegenteil, sie bedauerten nach eineinhalb Jahren den Fortgang.

Mit Beginn des Schuljahres 1978/79 wurde ein unterrichtsfreier Samstag im Monat eingeführt. Gesamtkonferenz, Elternrat und Schulträger (Samtgemeinde Beverstedt) hatten dieser Regelung mit eindeutiger Mehrheit zugestimmt. Im Verlauf des Schuljahres wurde diese Änderung übereinstimmend als positiv bewertet, so daß eine Weiterführung empfohlen wurde. Eine Erweiterung der Regelung auf zwei freie Samstage im Monat erschien der Elternschaft nicht wünschenswert.

Am Ende des Schuljahres 1978/79 galt es  -  leider  -  Abschied zu nehmen vom Konrektor der Schule Herrn Walter Staats. Nach über 40jähriger Dienstzeit trat er in den Ruhestand. Gern hätten ihn alle, die ihn kannten, an der Schule behalten, zumal absehbar war, daß das Amt des Konrektors vorerst nicht neu besetzt würde.

Eine Änderung des Einzugsbereiches ergab sich zum Schuljahresbeginn 1980/81: die Zuordnung des Nachbarortes Heerstedt. Sie begann mit der Aufnahme von 10 Schulanfängern. Mit der Erweiterung des Einzugsbereiches wurde beabsichtigt, die Zweizügigkeit der Mittelpunktgrundschule Lunestedt zu erhalten, denn zwischenzeitlich besuchten  -  mit den 10 Schulanfängern aus Heerstedt  -  nur noch 175 Kinder die Schule. Die bisherige Beschulung der Heerstedter Grundschüler in Beverstedt lief damit aus.  -  Bereits 1962 wurden mit der Einführung des 9. Schuljahres vorübergehend Heerstedter Schüler an der hiesigen Schule, der damaligen MPS Westerbeverstedt, unterrichtet.

Die Aktion „Sicherer Schulweg“ war in diesem Schuljahr wieder ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit von Schulelternrat  -  jetzt unter der Vorsitzenden Frau Ilsemarie Haaren aus Heerstedt  -  und dem Kollegium. Vorrangige Themen waren die Schulbushaltestellen im erweiterten Einzugsbereich und die geplanten Änderungen an den Bahnübergängen in Lunestedt. Gemeinsam wurde bei der Bundesbahn Einspruch erhoben gegen die Schließung des Bahnübergangs Voßkamp/Schmiedestraße und die Einrichtung von Halbschranken. Für den wichtigen Schulweg Voßkamp/Schmiedestraße wurde der Bau eines Tunnels beantragt.  -  Es sollten noch weitere Anträge von anderen betroffenen Gruppen im Ort an die Bundesbahn gestellt werden und etwa 10 Jahre vergehen, bis der Tunnel zwischen Voßkamp und Schmiedestraße freigegeben werden konnte.

Im Schuljahr 1981/82 wurde die bisherige Samstagsregelung auf zwei freie Samstage im Monat erweitert. Gesamtkonferenz, Schulelternrat und Schulträger hatten der Änderung zugestimmt. Der weitergehende Vorschlag, die „Fünf-Tage-Woche“ vorzusehen, fand im Elternrat (noch) keine Zustimmung.  -  Im Februar 1990 erfolgte dann mit allseitiger Zustimmung die Einführung der „Fünf-Tage-Woche“.
Das Schuljahr 1982/83 sollte für viele Fahrschüler unerfreulich beginnen, da der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung die Schulbusse nach seinen neuen Richtlinien einsetzte. Danach war auch Grundschülern ein Weg von 3 km bis zur nächstgelegenen Bushaltestelle zumutbar. Somit entfielen die Haltestellen in Heerstedt-Lohe, Hollen-Heise, Hollen-Oberheise, Hollenerheide und Hollenerkamp. Die Proteste des Schulelternrates hatten keine Aussetzung der „Sparmaßnahmen“ bewirken können. Die Folge war, daß in den ersten vier Schultagen 25 Eltern mit Schulstreik reagierten. Lediglich die Haltestelle Hollenerheide wurde wieder in den Fahrplan einbezogen. - Der Protest bewirkte jedoch, daß zukünftig in den Wintermonaten alle Haltestellen wieder angefahren wurden. Damit begann in der Schülerbeförderung die sogenannte Winterregelung.

Eine Verbesserung für einige Fahrschüler konnte erst zum Schuljahresbeginn 1989/90 erreicht werden. Für den Weg zur nächstgelegenen Schulbushaltestelle wurde die 3-km-Regelung für Grundschüler in eine 2-km-Regelung geändert. Damit konnten die Kinder aus Heerstedt-Lohe wieder während des ganzen Schuljahres von ihrem Ortsteil aus zur Schule fahren. Für die Kinder aus den drei Hollener Ortsteilen Heise, Oberheise und Hollenerkamp blieb es leider bei der bestehenden Sommer- und Winterregelung.

Am 10. Juli 1984 fand die konstituierende Sitzung des Arbeitskreises „Raumprogramm Mittelpunktgrundschule Lunestedt“ statt. Zu dieser Zusammenkunft hatte der Schulträger, die Samtgemeinde Beverstedt, eingeladen. Aufgabe dieses Arbeitskreises sollte es sein, nach einer Raumbestandsaufnahme die ursprünglich für eine Beschulung der Sekundarstufenklassen 5 bis 9 der damaligen Mittelpunktschule vorgesehenen Räume in ein neues Grundschul-Raumprogramm einzubeziehen und ggf. zu verändern. Durch Bau- und Umbaumaßnahmen sollten zugleich die vorhandenen Gebäude saniert werden. Die Zielvorgabe war, die Räumlichkeiten für eine zweizügige Grundschule funktionsgerecht zu gestalten. Daß die erforderlichen Baumaßnahmen, die sich aus der Neuplanung ergaben, nicht kurzfristig, sondern nur in mehreren Abschnitten zu realisieren waren, mußte angesichts der finanziellen Situation des Schulträgers von vornherein zur Kenntnis genommen werden.

Mitglieder des Ausschusses „Raumprogramm“ waren Samtgemeindedirektor Kuhlmann und SG-Hauptamtsleiter Sebade, Rektor Dieckmann und Lehrer Hühnken, Elternratsvertreter Immer, Schulhausmeister Walzer und der Architekt Otten aus Lunestedt. Herr Otten hatte bereits seit 1960 sämtliche Schulbaumaßnahmen geplant und realisiert.

Mit der Umsetzung des Grundschul-Raumprogramms wurde im Herbst 1987 im Altbaubereich begonnen. Aus der ehemaligen Schulleiterwohnung und dem Naturlehreraum entstanden nun: Lehrmittelraum, Lehrerzimmer, Elternsprechzimmer, Schulleiterzimmer, Sekretariat und Teeküche. Zugleich konnte der ehemalige Eingangsflur in einen Gruppenraum verwandelt werden. Da zwischen-zeitlich der alte Heizkessel ausfiel und außerplanmäßig vorzeitig komplett erneuert werden mußte, geriet die Umsetzung des Raumprogramms aus finanziellen Gründen arg ins Stocken. Doch der entscheidende Anfang war getan. Mit geringerem Aufwand konnte nun im ehemaligen kleinen Lehrerzimmer eine Schülerbibliothek eingerichtet werden. Die Lehrküche mit dem Servierraum wurde zu einem Mehrzweckraum umgestaltet, der nun auch für Klassen- und Schulfeste sowie Versammlungen zur Verfügung stand. Unverändert blieb der Werkraum, der zugleich für den Kunst- und Sachunterricht genutzt werden konnte, zeitweilig aber auch für Töpferkurse im Rahmen der Erwachsenenbildung benötigt wurde.

Ein lang gehegter Wunsch des Kollegiums, der in der Finanzierung zunächst nicht berücksichtigt war, ließ sich schließlich verwirklichen: die Vergrößerung der großen Pausenhalle. Damit wurde ein zentraler Raum geschaffen, der für das Schulleben dringend benötigt wurde (z.B. für Einschulungsfeiern, Schulfeste, Projektveranstaltungen, Elternversammlungen). Aber auch für außerschulische Veranstaltungen wurde die große Pausenhalle jetzt häufiger genutzt (z.B. für Konzerte der Jugendmusikschule der Samtgemeinde sowie Veranstaltungen des DRK Lunestedt wie Blutspendeaktionen und wöchentlicher Seniorentanz).

Die Sanierung der Klassen-, Fach- und Nebenräume durch den Einbau neuer Fenster mit Isolierverglasung sollte sich  -  aus Finanzierungsgründen  -  erheblich verzögern. Die Rundumerneuerung sämtlicher Fenster und Türen in allen Schulgebäuden konnte erst in den Sommerferien 2001 abgeschlossen werden.

Parallel zur Umsetzung des Grundschul-Raumprogramms und der Sanierung  der Schulgebäude erfolgten zwischenzeitlich Instandhaltungs- und Erweiterungsbaumaßnahmen an der Schulturnhalle. Da sie für den Grundschulsport nicht verändert werden mußte, für den Hallensport des örtlichen Turn- und Sportvereins aber ein zusätzlicher Raumbedarf bestand, wurde die Schulturnhalle  -  in der Bauträgerschaft der Ortsgemeinde Lunestedt  -  um einen großen Gymnastik- und zugleich Mehrzweckraum mit Nebenräumen erweitert. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen erfolgte die Sanierung der maroden Flachdächer der Nebenräume durch aufgesetzte Pultdächer.  -  Die zunächst ebenfalls geplante erhebliche Vergrößerung der Halle zu einer Großraumsporthalle mußte wegen fehlender Finanzierungsmittel aufgegeben werden.

Im Schuljahr 1992/93 wurde sowohl im Kollegium wie auch in der Elternschaft über die Möglichkeit der Umwandlung der Schule in eine „Volle Halbtagsgrundschule“ diskutiert. Im Schuljahr 1993/94 wurden diese Gespräche intensiviert. Das Kollegium führte zum Thema „Volle Halbtagsgrundschule“ eine schulinterne Lehrerfortbildung durch und nahm im August 1993 am Hildesheimer Grundschulkongreß teil, auf dem über Theorie und Praxis der „Vollen Halbtagsschule“ informiert wurde. Um auch Erfahrungen über die Alltagspraxis zu erhalten, wurde mit der benachbarten Mittelpunktgrundschule Beverstedt, an der die „Volle Halbtagsschule“ bereits eingeführt war, ein Hospitationsbesuch und Gedankenaustausch vereinbart. Die positiven Eindrücke überzeugten, sie motivierten zugleich zur Entwicklung eines schuleigenen pädagogischen Konzeptes für eine „Volle Halbtagsschule“ (VHS), d.h. für eine Schule mit einem deutlich besseren Lernangebot für die Kinder und einem vielfältigeren Schulleben. Die verbesserte Lehrerversorgung einer VHS war ein weiteres Argument für die neue Schulform.

Bereits im September 1993 wurden Arbeitsgruppen zur Vorbereitung der Einführung der VHS gebildet. Nachdem die Gesamtkonferenz die Einführung der VHS einstimmig befürwortet hatte, stimmte auch der Schulträger der neuen Schulform zu. Damit waren zugleich Zusagen für Sonderzuweisungen für die Beschaffung zusätzlicher Lehr- und Lernmittel in der Anlaufphase verbunden. Nach einer ausführlichen Elterninformation ergab die Elternbefragung eine eindeutige Zustimmung von 82%! Der Elternrat befürwortete daraufhin einstimmig die Einführung der VHS.

Der Antrag auf Einführung der „Vollen Halbtagsschule“ zum Schuljahresbeginn 1994/95 konnte rechtzeitig auf dem Dienstweg dem Niedersächsischen Kultusministerium zugeleitet werden.  -  Im Mai 1994 wurde vom Kultusministerium die Genehmigung erteilt. Die Mittelpunktgrundschule Lunestedt konnte somit am 1. August 1994  -  als dritte Grundschule im Schulaufsichtsbezirk Cuxhaven IV (Südkreis Wesermünde)  -  die „Volle Halbtagsschule“ einrichten.

Die Erweiterung des Lernangebotes sowie die ausgewogenere Gestaltung der Stundenpläne ab Schuljahresbeginn 1994/95 (1. und 2. Klassen i.d.R. täglich 5 Unterrichtsstunden, 3. und 4. Klassen täglich 5 oder 6 Unterrichtsstunden) war durch die nunmehr verbesserte Lehrerversorgung möglich. Zum Schuljahresbeginn unterrichteten 12 Voll- und Teilzeitlehrkräfte insgesamt 167 Kinder in 8 Klassen.

Die Einführung der VHS mit den jetzt längeren Vormittagen für alle Kinder war Anlaß, beim Landkreis Cuxhaven eine Änderung in den Schulbusfahrplänen zu beantragen, um mit dem Unterricht  -  wie vor der letzten Änderung  -  möglichst wieder um 7.55 Uhr statt um 8.15 Uhr beginnen zu können. Zugleich wurde darauf hingewiesen, daß für eine VHS der Unterrichtsanfang für 8.00 Uhr vorgesehen sei. Auch der Wegfall der bisherigen Anfahrten zur zweiten Unterrichtsstunde   -  eine Kosteneinsparung für den Landkreis  -  war ein weiteres Argument, um die zuständigen Sachbearbeiter zu einem Entgegenkommen zu bewegen. Doch die Anträge der Schule und des Elternrats wurden abgelehnt.  -  Auch sollten drei Jahre vergehen, bis durch wiederholte Anträge der Schule an den Landkreis die bisherigen Rückfahrten nach der vierten Unterrichtsstunde für die Schüler der 1. Klassen, für die ein fünfstündiger Vormittag besonders in den ersten Monaten ihrer Schulzeit oftmals zu lang war, 1997 wieder eingeführt werden konnten.

Trotz einiger Schwierigkeiten in der Anfangsphase der „Vollen Halbtagsschule“  -  vor allem durch einige nicht vorhersehbare erkrankungsbedingte Lehrkraftwechsel  -  wurde die Einführung der VHS in der Elternschaft überwiegend positiv bewertet. Zustimmung fanden dabei besonders der täglich geregelte Stundenplan der Halbtagsschule sowie das Betreuungsangebot bei plötzlichem Unterrichtsausfall.


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Kollegium am 13. Mai 1997: Frau Hoffmann-Vagts, Frau Runge (Schulsekretärin), Herr Dieckmann, Frau Plesse, Frau Mehrtens (stehend v. l. n. r.);
Frau Stehling, Frau Schmidt-Grasteit, Frau Kurzawski, Frau Novara, Frau Servos, Frau Stammerjohann, Herr Oltmer (sitzend v. l. n. r.)

Der weitere Anstieg der Schülerzahl auf 188 zum Schuljahresbeginn 1996/97 sowie die sich abzeichnende Fortsetzung dieser Entwicklung veranlaßten die Gesamtkonferenz, die Wiederbesetzung der Konrektorstelle auch in diesem Schuljahr zu beantragen. Dem Antrag wurde mit einer Übergangsregelung entsprochen. Zum 1. Februar 1997 erfolgte die kommissarische Besetzung der Konrektorstelle mit der Lehrerin Frau Ellen Stehling durch das Schulaufsichtsamt. Diese eigentlich überfällige Regelung war zwischenzeitlich notwendig geworden, weil zum Schuljahresende der langjährige Schulleiter Rektor Klaus Dieckmann aus dem Schuldienst ausschied, um in den Ruhestand zu wechseln. Damit übernahm Frau Stehling ab Schuljahresbeginn 1997/98 die kommissarische  Leitung der Schule. Am 10. März 1998 wurde sie offiziell zur Konrektorin ernannt.

Entlastet wurde Frau Stehling im Schuljahr 1998/99. Am 2. Oktober 1998 trat Herr Dieter Henken als neuer Schulleiter seinen Dienst an der Mittelpunktgrundschule Lunestedt an. Mit seiner Amtseinführung durch das Schulaufsichtsamt erfolgte auch seine Ernennung zum Rektor. Herr Henken war zuvor Leiter der Orientierungsstufe am Schulzentrum in Beverstedt.


Lunestedt, im August 2001                                                            Klaus Dieckmann


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